Eva Zahn und Volker A. Zahn, DrehbuchautorenAktuelles von Eva Zahn und Volker A. Zahn, DrehbuchautorenFri, 04 Dec 2020 22:10:20 +0100„Medienpreis Menschenrechte“ von Amnesty International für Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://zahns.com/aktuelles/115/medienpreis-menschenrechte-von-amnesty-international-fur-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Für das Drehbuch zum Migrations-Drama „Aufbruch ins Ungewisse“ wurden Eva Zahn und Volker A. Zahn im Oktober 2020 mit dem Medienpreis Menschenrechte von Amnesty International ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im digitalen Rahmen statt, neben dem Kölner Autorenpaar wurde in diesem Jahr u. a. auch ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ausgezeichnet.</p> <p>„Aufbruch ins Ungewisse“ ist eine deutsch-südafrikanische Produktion. Die Dystopie erzählt in Umkehrung der aktuellen Verhältnisse vom Schicksal einer deutschen Familie, die sich aufgrund der politischen Situation in ihrer Heimat gezwungen sieht, nach Afrika zu fliehen. Uraufführung war am 27. Oktober 2017 auf den Internationalen Hofer Filmtagen, im Fernsehen wurde der Film im Februar 2018 im Ersten gezeigt. Der „Spiegel“ hielt den Film, der elegant all jene Szenarien antippe, „die die meisten Zuschauer nur vom Hörensagen kennen dürften“, für überfällig. Auch wenn die Geschichte von zu vielen Schicksale erzähle, gehe der Trick mit dem Perspektiv-Wechsel auf: „Die historische, geografische oder kulturelle Distanz, die dem Zuschauer Fluchtgeschichten sonst so angenehm vom Leib“ halte, fehle, denn hier sitze er mit im Boot.</p> <p>Rund um die Erstausstrahlung des TV-Films versuchten rechtsextreme Netzwerke (u. a. die Reconquista Germanica) die Diskussion über den Film gezielt zu manipulieren.</p>Thu, 12 Nov 2020 15:36:30 +0100http://zahns.com/aktuelles/115/medienpreis-menschenrechte-von-amnesty-international-fur-eva-zahn-und-volker-a-zahn„Goldjungs“: Drehstart für eine historische Bankenchrash-Komödie von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://zahns.com/aktuelles/114/goldjungs-drehstart-fur-eine-historische-bankenchrash-komodie-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Drehstart für die von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene ARD-Komödie „Goldjungs“, die von den bizarren Vorkommnissen rund um den Bankrott des Kölner Bankhauses Herstatt im Jahre 1974 erzählt. Die damals größte Banken-Pleite der Nachkriegszeit wurde maßgeblich von einer Gruppe junger und wilder Devisenhändler, den so genannten „Goldjungs“, befeuert. Den Untergang des Hauses Herstatt mit all seinen wunderlichen Besonderheiten erzählt das Autoren-Ehepaar aus der Perspektive von Marie Breuer (Michelle Barthel), die der Gier nach dem großen Geld ebenso zu verfallen droht wie der fiebrigen Erotik der jungen Spekulanten.</p> <p>Die 20-Jährige tritt Anfang der siebziger Jahre mit Unterstützung von Irene Gerling (Leslie Malton) ihre Stelle als Sekretärin bei Herstatt an. Im Bankhaus von Direktor Iwan D. Herstatt (Waldemar Kobus), der seinen finanzstarken Jugendfreund Hans Gerling (Martin Brambach) an seiner Seite hat, weht der Duft der großen weiten Welt. Anfangs hegt Marie noch Hoffnungen, ihr Chef Ferdinand von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) interessiere sich für sie. Doch dann erliegt sie den Verlockungen der „Goldjungs“ um Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) und setzt waghalsig die Ersparnisse ihrer Mutter aufs Spiel…</p> <p>Durch Maries Augen werden der Herstatt-Bankrott, die unglaublichen Eskapaden des Bankdirektors, das Versagen der Finanzaufsicht, die Tricksereien des Managements und die persönlichen Dramen der Spekulationsopfer erzählt. Doch je absurder die Vorgänge in der Bank werden, desto mehr entwickelt sich Marie zur selbstbewussten jungen Frau. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Mutter und sich selbst vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Bis es schließlich doch zum großen Crash kommt…</p> <p>Die Film-Satire “Goldjungs" ist eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH (Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach, Producer: Daniel Mann) in Kooperation mit G5fiction (Produzent: Uwe Kersken) im Auftrag des WDR und der ARD Degeto. Regie führt Christoph Schnee. Der durch die Film- und Medienstiftung NRW geförderte Film soll voraussichtlich im Frühjahr 2021 im Ersten ausgestrahlt werden.</p>Fri, 16 Oct 2020 15:23:19 +0200http://zahns.com/aktuelles/114/goldjungs-drehstart-fur-eine-historische-bankenchrash-komodie-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnZehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe: TV-Drama „Das Leben danach“ von Eva und Volker A. Zahn noch einmal im Erstenhttp://zahns.com/aktuelles/113/zehn-jahre-nach-der-loveparade-katastrophe-tv-drama-das-leben-danach-von-eva-und-volker-a-zahn-noch-einmal-im-ersten<p>Anlässlich des zehnten Jahrestags der Duisburger Loveparade-Katastrophe, bei der im Juli 2010 21 Menschen ums Leben kamen und Hunderte schwer verletzt und nachhaltig traumatisiert wurden, zeigt das Erste am 22. Juli um 20, 15 Uhr noch einmal das von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene WDR-Drama „Das Leben danach“ (Regie: Nicole Weegmann). Für ihr Buch wurden die Autoren 2018 mit dem renommierten Robert Geisendörfer Preis, dem Medienpreis der evangelischen Kirche, ausgezeichnet. Zuvor war die Produktion (winwin film, Valentin Holch) bereits für den Grimme-Preis nominiert worden und lief auf verschiedenen Festivals (München, Brooklyn u. a.). Beim Kinofest Lünen gewann „Das Leben danach“ den Publikumspreis, und das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen zeichnete das Drama mit dem „Medienkulturpreis“ 2018 aus. Auch die Kritiker ließen sich von dem Werk begeistern. „Oft erschlagen bei diesen Produktionen die großen Themen die kleinen Figuren“, befand „Der Spiegel“ und resümmierte: „Dass es hier nicht so ist, ist auch Regisseurin Nicole Weegmann und den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn zu verdanken. Die drei waren zusammen auch für den Mittelstandsselbstzerfleischungstrip ‘Mobbing‘ verantwortlich. Mag am Anfang bei ihren Arbeiten das gesellschaftspolitische Sujet stehen, so ist dieses Sujet doch stets in einen sozialen Kosmos eingebettet, dessen Figuren Leben atmen. Schönes, scheußliches Leben. (…) Ein Film, der zeigt, dass Trauer sich nicht per Fingerschnippen auflöst - und dass Katastrophen keine Jahrestage brauchen, um zu zeigen, wie sie in den Menschen nachwirken. Lebenszeichen aus dem Tunnel: Duisburg Calling!“ Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ urteilte: „‘Das Leben danach‘ ist großes Fernsehen“, und der Kritiker der „Welt“ schrieb: „Eva und Volker A. Zahn haben die Geschichte der Toni Schneider erfunden auf der Basis von Hunderten Gesprächen mit Hinterbliebenen, Familien, Freunden, Schicksalsgenossen. Jella Haase zerschmettert in diesem Film endgültig die letzten Reste jener Chantal, mit der sie in den ‘Fack ju Göhte‘-Filmen berühmt wurde. (…) Dass Toni und Sascha sich anziehen, versteht man sofort. Dass das eigentlich auch nicht gut gehen kann auch. Dafür, dass Tonis Geschichte von dem Moment an, da ihr der Leiter ihrer Selbsthilfegruppe steckt, was Sascha wirklich ist, ein einziger Amoklauf ist, wird sie von Nicole Weegmann geradezu mit Samthandschuhen angefasst. „Das Leben danach“ ist kein Untersuchungsausschuss, kein Prozess. In diesem Film stehen anders als in Ausschüssen und Prozessen die Opfer im Mittelpunkt und das, was Katastrophen wie die in Duisburg mit Überlebenden machen und mit denen, die mit Überlebenden leben müssen. (…)  Bei all dem Schrecklichen, das Sascha und Toni in sich tragen, das in sie hineinragt, das in Flashbacks und ein paar Dokumentarfilmszenen ohne jegliche Sensationsgier immer wieder mal als Albträume eingeblendet wird, bei alldem bleibt „Das Leben danach“ ein zutiefst menschlicher Film. Einer, der offensichtlich nah am Alltag ist. Lebendig. Und traurig. Und einen nicht loslässt.“</p> <p>Neben der Ausstrahlung am 22. Juli im Ersten ist „Das Leben danach“ auch am 26. Juli um 20, 15 Uhr sowie am 7. August um 22, 30 Uhr auf ONE zu sehen.</p>Thu, 09 Jul 2020 16:15:30 +0200http://zahns.com/aktuelles/113/zehn-jahre-nach-der-loveparade-katastrophe-tv-drama-das-leben-danach-von-eva-und-volker-a-zahn-noch-einmal-im-ersten„Borowski und der Fluch der weißen Möwe“: 8, 7 Millionen Zuschauer sehen den neuen TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://zahns.com/aktuelles/112/borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe-8-7-millionen-zuschauer-sehen-den-neuen-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>„Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ ist der poetische Titel des zweiten „Tatorts“, den Eva und Volker A. Zahn für die Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) geschrieben haben. Das blutige Krimidrama, das im Umfeld einer Clique von Polizeischülern spielt, wurde am 10. Mai um 20, 15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. 8, 7 Millionen Zuschauer verfolgten die Geschichte der beiden Grimme-Preisträger, die vom vielfach ausgezeichneten Kino-Regisseur Hüseyin Tabak inszeniert wurde.  </p> <p>Und darum geht&#39;s: Während eines Workshops, den die Kommissare Klaus Borowski und Mila Sahin an einer Kieler Polizeischule abhalten, kommt es zu einem fatalen Zwischenfall. Völlig überraschend sticht die Polizeischülerin Nasrin Erkmen (Soma Pysall) bei einer praktischen Übung auf ihren Mitschüler Sandro (Louis Held) ein. Der junge Mann erliegt wenig später seinen Verletzungen. Der Fall sorgt für öffentliche Empörung. Fragen nach den Gründen ihres Tuns prallen an Nasrin ab. Sie kann sich abgeblich an nichts erinnern. Oder hat sie etwas zu verschweigen? Für Tobias Engel (Enno Trebs), Nasrins Freund und ebenfalls Teilnehmer an dem Workshop, bricht eine Welt zusammen. Bei den Ermittlungen stoßen Borowski und Sahin auf den Fall von Jule (Caro Cult): Die junge Frau hatte sich kurz vor der Tat vor Tobias‘ Augen von einem Hochhaus gestürzt – und war eng mit Nasrin befreundet…</p> <p>Thoma Gehringer schreibt auf tittelbach.tv: „Traumatisierung, Kontrollverlust und Rache. Diese ‘Tatort‘-Episode ist kein klassischer Ermittlungskrimi, sondern ein psychologisch stimmiges, bedrückendes Drama.“ Für den Kritiker von kino.de ist „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ einer „der gelungensten Krimis der aktuellen ‘Tatort‘-Saison“. Eva Zahn und Volker A. Zahn sei es „besonders hoch anzurechnen, dass sie den Mut beweisen, unbequeme Entscheidungen zu treffen.“ Der Film beweise, „dass es nicht reicht, einfach nur mit den Sehgewohnheiten seiner Zuschauer zu brechen, um automatisch einen guten ‘Tatort‘ abzuliefern. Einmal mehr wird klar, dass eine spannende und in sich schlüssige Geschichte das einzig wahre Fundament ist, auf dem sich alle Beteiligten nach Belieben austoben können.“</p> <p>Die Rheinische Post schwärmt von einem „spannende“, temporeiche Krimi“, rät indes: „Ausschalten sollten allerdings Trauma-Patienten und psychisch Labile jeder Art.“ „Wer kein Blut sehen kann“, warnt auch die Münchner Abendzeitung, „ist bei diesem Krimi an der falschen Adresse. Schon fast à la Quentin Tarantino fließt einiges davon - selbst die beiden Kommissare sind von oben bis unten damit bedeckt. Alle anderen können sich am Sonntagabend auf einen spannenden und gelungenen ‘Tatort‘ freuen.“ Einen „düsteren Krimi allererster Güte“ hat der Kritiker von n-tv gesehen, WDR 5 lobt das „sehr gute Drehbuch“, und der „Tatort“-Check von SWR 3 resümiert: „Dieser ‘Tatort‘ ist krass, und er ist erschütternd. (…) Die Handlung kommt mit immer wieder überraschenden Wendungen, die aber allesamt denkbar und realistisch wirken. Ein ‘Tatort‘ über Liebe und Freundschaft, über Rache und Selbstjustiz. Ausgezeichnet gespielt übrigens von allen Beteiligten. Kompliment! Volle Punktzahl für einen intensiven ‘Tatort‘: fünf von fünf Elchen.“ Und im Berliner „Tagesspiegel“ schwärmt Markus Ehrenberg: „Nordic Noir: Keine Mätzchen, kein Privatkram, eingeschworene Polizeischüler, die von der Vergangenheit eingeholt werden, treffen auf eigenwillige Kommissare, die sich im Laufe der Ermittlungen auf Augenhöhe näherkommen, rein beruflich. Um sie herum eine Spirale der Gewalt, ein Drama um Schuld, Rache und innigste Freundschaft mit fast Shakespeareschen Ausmaßen – sowie einem stillen, gefiederten Besucher in der Mitte, der dem Blutbad eine fast meditative Balance gibt.“  </p>Tue, 26 May 2020 12:19:36 +0200http://zahns.com/aktuelles/112/borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe-8-7-millionen-zuschauer-sehen-den-neuen-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnEva Zahn und Volker A. Zahn über ihren neuen TATORT: „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“http://zahns.com/aktuelles/111/eva-zahn-und-volker-a-zahn-uber-ihren-neuen-tatort-borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe<p>Am 10. Mai zeigt das Erste um 20, 15 Uhr den neuen TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahn: „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ erzählt von einem blutigen Drama an einer Polizeischule, Kino-Regisseur Hüseyin Tabak hat bei diesem Projekt erstmals fürs Fernsehen inszeniert, zum Cast zählen außer Axel Milberg und Almila Bagriacik u. a. Soma Pysall, Enno Trebs, Stefan Hegli und Anja Antonowicz. Zur Geschichte und Buchentwicklung hat das Autorenpaar dem NDR ein paar Fragen beantwortet:</p> <p>Frage: Ihr „Tatort“ erzählt von einer Gewalttat in der Polizeischule, von einer Vergewaltigung und von Rache. Haben Sie, wie so oft in Ihren Filmen, Fälle aus der Realität aufgegriffen?</p> <p>Eva Zahn: Der Wunsch, den Fall an der Polizeihochschule spielen zu lassen, kam von Seiten der Redaktion. Wir haben darin eine gute Möglichkeit gesehen, die Kommissare Borowski und Sahin stärker in den Fall zu involvieren, vor allem emotional. Und bei der Backstory haben wir uns tatsächlich mal wieder von der Realität inspirieren lassen, von einem sehr tragischen Fall von Gruppenvergewaltigungen an jungen Mädchen.</p> <p>Volker A. Zahn: Als thematische Inspirationsquelle würde ich auch die Gespräche und Recherchen rund um unseren Film „Das Leben danach“ über die Duisburger Loveparade-Tragödie benennen. Wir haben uns damals sehr intensiv mit dem Thema „Trauma“ beschäftigt und mit der Frage, wie Menschen fundamental erschütternde Ereignisse verarbeiten oder verdrängen. Unsere damalige Fachberaterin Dr. Sibylle Jatzko, Deutschlands bekannteste Trauma-Therapeutin, hat uns auch beim Verfassen dieses Buchs wieder mit ihrer Expertise zur Seite gestanden.</p> <p>Frage: Die Kommissare werden zu Zeugen, wie eine Polizeischülerin bei einem Rollenspiel einen Mitschüler tötet. Was löst diese Tat in den Ermittlern aus?</p> <p>Eva Zahn: Normalerweise sind Borowski und Sahin ja immer erst vor Ort, wenn der Mord schon passiert ist, da ergibt sich – bei aller Betroffenheit, die so eine Bluttat herruft –, meistens eine professionelle Distanz. In unserem Fall sind sie Tatzeugen und somit emotional unmittelbar involviert. Zudem müssen sie sich die Frage stellen – und gefallen lassen –, ob sie diesen Mord nicht hätten verhindern können. Und wer von ihnen wie viel Verantwortung trägt.</p> <p>Volker A. Zahn: Borowski und Sahin kennen die Täterin und das Opfer sehr gut, sie versuchen an der Hochschule, gute Polizisten aus ihnen zu machen, und dann explodiert plötzlich vor ihren Augen die Gewalt. Natürlich kommen da auch bei unseren Helden unangenehme Fragen und Selbstzweifel auf: Habe ich etwas übersehen? Gab es irgendwelche Warnsignale? Hat meine Menschenkenntnis versagt?</p> <p>Frage: Haben Sie recherchiert, wie Polizisten ausgebildet werden? Werden die Schüler zu einer gewissen Aggressivität erzogen?</p> <p>Eva Zahn: Wie bei jedem Buch, das wir schreiben, haben wir auch für diesen „Tatort“ das Milieu recherchiert, und natürlich haben wir auch mit Polizeischülern gesprochen. Interessant fanden wir tatsächlich, dass junge Polizisten lernen, „kontrolliert zu eskalieren“, das heißt, sie müssen bei ihren Einsätzen in der Lage sein, eine gewisse einschüchternde Autorität auszustrahlen. Aber natürlich bewegen sich die Beamten da auf dünnem Eis: Wie viel „Robustheit“ ist noch erlaubt? Wo ist die Grenze zur Übergriffigkeit und Gewalt?</p> <p>Volker A. Zahn: Gerade für junge, unerfahrene Polizisten, die tagtäglich mit Aggressionen, Angriffen oder wüsten Beschimpfungen zu tun haben, ist es wichtig, die rechtlichen Grenzen ihres Handels zu kennen und zu respektieren. Unser Film zeigt ja recht drastisch, welche Folgen es haben kann, wenn Polizisten in dieser Hinsicht die Orientierung verlieren...</p> <p>Frage: Borowski ist Dozent an der Akademie. Was sind die wichtigsten Lektionen, die er seinen Schülern beibringen will? </p> <p>Volker A. Zahn: In unserer Geschichte werden die jungen Polizisten zu Beginn mit einer Selbstmörderin konfrontiert und können ihr nicht helfen. Sie sind hilflos und überfordert. Sie haben das gleiche Problem wie später auch Borowski: Sie fühlen sich schuldig, sie müssen lernen, mit diesem Gefühl umzugehen und sich davon nicht auffressen zu lassen. Aber Borowski zeigt, dass es selbst einem gestandenen Polizisten wie ihm immer noch schwerfällt, eigene Fehler – oder auch nur vermeintliche Fehler – zu akzeptieren.</p> <p>Frage: Wie kommen die jungen Polizisten dazu, das Recht in die eigene Hand zu nehmen? </p> <p>Eva Zahn: Wir wollen nicht spoilern. Aber es geht um starke Emotionen wie Hilflosigkeit, Wut und Hass. Und dann kommt auch noch eine Portion Unglück dazu. Gewalt zieht Gewalt nach sich, aus Opfern werden Täter, aus Tätern werden Opfer. Und am Schluss sind alle Verlierer.</p> <p>Frage: Die Täterin Nasrin ist mehr noch ein Opfer. Würden Sie auf unschuldig plädieren?</p> <p>Eva Zahn: Wir haben es in diesem Fall mit einem sehr schwer traumatisieren Menschen zu tun, und deshalb würde ich auf „unzurechnungsfähig“ plädieren. Bei unseren Recherchen hat uns im Übrigen überrascht, dass es nach der Tat keinerlei psychologische Hilfe oder Betreuung selbst für offensichtlich schwer erkrankte Täter wie Nasrin gibt. Die Ermittlungen nehmen ihren gewohnten Gang, Therapeuten werden in die Vernehmungen nicht eingebunden. Erst wenn der Prozess anläuft, kommt es zu einer medizinischen Begutachtung.</p> <p>Frage: Nasrins Tat zieht viele Menschen mit in den Abgrund. Erzählt Ihr „Tatort“ eine große Tragödie?</p> <p>Volker A. Zahn: Ja, es geht um verwüstete Lebensläufe, um die Wucht eines schweren Traumas, um Hass, Wut, Ohnmacht und darum, wie durch Gedankenlosigkeit und Zufälle eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt wird... und mittendrin unsere Helden, die mit sich und ihrem Handeln hadern.</p> <p>Eva Zahn: Uns war es auch diesmal wichtig, einen erzählerischen Ansatz jenseits der üblichen Ermittler-Krimis zu finden, es geht in unserer Geschichte eben nicht um die Frage, wer der Mörder ist, sondern wie und warum Menschen zu Mördern werden. Nasrins Tat ist nicht der Anfang dieser Tragödie, sondern „nur“ ein weiteres Kapitel in einem Reigen schicksalhafter Verkettungen und Eskalationen.</p> <p>Frage: Sind die Kommissare machtlos gegen den „Fluch der weißen Möwe“?</p> <p>Eva Zahn: Es werden unseren Kommissaren jedenfalls ziemlich drastisch ihre Grenzen aufgezeigt. Am Ende gibt es zwar eine Verhaftung, aber der bittere Beigeschmack, die Entfesselung der Gewalt nicht gestoppt zu haben, bleibt.</p> <p>Frage: Sie setzen sich seit Jahren in der Initiative „Kontrakt 18“ für mehr Mitspracherechte der Autoren ein. Was haben Sie erreichen können?</p> <p>Volker A. Zahn: Wir haben „Kontrakt 18“ vor knapp zwei Jahren mit circa 30 Kolleg*innen ins Leben gerufen. Die Selbstverpflichtung, nur noch Verträge zu unterzeichnen, in denen uns explizit wichtige Mitentscheidungsrechte zugesichert werden, haben mittlerweile über 200 Autorinnen und Autoren unterschrieben. Allein im letzten Jahr wurden über hundert Verträge nach den Vorgaben von „Kontrakt 18“ abgeschlossen. Es gab und gibt noch immer Gegenwind, in manchen Branchen-Kreisen herrscht Verunsicherung, aber unser Anspruch, auf Augenhöhe zu arbeiten, um das Produkt besser zu machen, hat inzwischen auch viele Zweifler überzeugt. „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ ist unter „Kontrakt 18“-Bedingungen entstanden, und für uns ist die Zusammenarbeit mit Sabine Holtgreve vom NDR, Studio Hamburg-Produzent Johannes Pollmann und unserem großartigen Regisseur Hüseyin Tabak ein gelungenes Beispiel, wie modernes und zeitgemäßes Zusammenarbeiten beim Filmemachen funktioniert. Unter anderen Bedingungen wollen Eva und ich auch nicht mehr arbeiten.</p>Wed, 01 Apr 2020 18:44:17 +0200http://zahns.com/aktuelles/111/eva-zahn-und-volker-a-zahn-uber-ihren-neuen-tatort-borowski-und-der-fluch-der-weissen-moweKurze Nachlese zu „Was wir wussten – Risiko Pille“, dem neuen Mittwochsfilm von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://zahns.com/aktuelles/110/kurze-nachlese-zu-was-wir-wussten-risiko-pille-dem-neuen-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>3, 9 Millionen Zuschauern haben am Abend des 23. Oktober das von Eva Zahn und Volker A. Zahn geschriebene Pharma-Drama „Was wir wussten – Risiko Pille“ (Regie: Isa Prahl, Produktion: Westside Film, Martin Zimmermann) verfolgt – und den Film damit zum meistgesehenen Programm des Tages gemacht. Erzählt wird von der Markt-Einführung einer umstrittenen Antibaby-Pille und dem Dilemma eines Pharma-Mitarbeiters, der zwischen moralischen Skrupeln, Alltagszwängen und Loyalitäts-Konflikten zerrieben wird. Der Film befeuerte nicht nur die öffentliche Diskussion über die Gefahren hormoneller Anti-Konzeptiva der 3. und 4. Generation und nötigte den BAYER-Konzern zu einer offiziellen Stellungnahme, er polarisierte mit seiner radikalen Erzählart, die einen Opportunisten zum Hauptcharakter macht, auch die Kritiker. Ein Autor des Berliner „Tagesspiegels“ entdeckte im Drehbuch „semantische Klischees aus dem Setzkasten der Kapitalismuskritik“, „quotenmeter.de“ fand, dass man den moralischen Wankelmut der Hauptfigur nicht nur zeigen darf, sondern scharf verurteilen muss, weil alles andere „unbotmäßig diejenigen exkulpiert, die ethische Schuld auf sich geladen haben“, und Tilman P. Gangloff hielt das Pillen-Drama in der „Stuttgarter Zeitung“ zwar für ausgesprochen „fesselnd“, mutmaßte aber auf „tittelbach.tv“, dass daraus „ein großartiger SciFi-Thriller (!) über die Gefahren der Anti-Baby-Pille hätte werden können.“ Auf der anderen Seite schwärmt die „Süddeutsche Zeitung“ von der „Ambivalenz“ der Charaktere, die „das Autoren-Ehepaar Eva und Volker A. Zahn gekonnt herausgearbeitet habe“, und in der FAZ resümiert Heike Hupertz: „Das Autoren-Ehepaar Eva und Volker A. Zahn ist für seine sozialkritischen Stoffe bekannt und vielfach ausgezeichnet worden. ‚Ihr könnt euch niemals sicher sein‘, ein Film über den vermuteten Amoklauf eines frustrierten jungen Mannes, oder der Film über die Folgen der Duisburger Love-Parade-Katastrophe ‚Das Leben danach‘, der Bluter-Skandal-Film ‚Unter der Haut‘ und insbesondere der Fernsehfilm ‚Mobbing‘ mit Tobias Moretti und Susanne Wolff sind Exempel für ihre Fernsehspiele, die dramaturgisch und in der Figurenzeichnung eher Komplexität als wohlfeile Eindeutigkeit suchen. Ihre Skandalfilme skandalisieren in der Regel nicht, heroische Protagonisten, Gerichtsdramenästhetik amerikanischer Filmtradition sind nicht ihr Fall.“ (vollständiger Text unter: <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gefahren-der-antibabypille-risiken-und-nebenwirkungen-im-film-16445967.html?fbclid=IwAR3gYxuakxKSho2q2bQj18cf4rqD8Pmv9GX8uF8BNJGLUmVQ8CaR2CJLt34" style="color:#954f72; text-decoration:underline">https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gefahren-der-antibabypille-risiken-und-nebenwirkungen-im-film-16445967.html?fbclid=IwAR3gYxuakxKSho2q2bQj18cf4rqD8Pmv9GX8uF8BNJGLUmVQ8CaR2CJLt34</a>).</p> <p>Wer sich selbst eine Meinung über den Film bilden möchte, hat noch bis zum 7. Dezember Zeit, sich das Pharma-Drama in der ARD-Mediathek anzugucken: https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2ZpbG1taXR0d29jaCBpbSBlcnN0ZW4vZjk4NTkyOGUtZDU5ZC00YmMyLTk5MTQtNGU3MWMyMWYxNTJi/</p> <p> </p>Wed, 30 Oct 2019 16:35:32 +0100http://zahns.com/aktuelles/110/kurze-nachlese-zu-was-wir-wussten-risiko-pille-dem-neuen-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnAm 23. Oktober im Ersten: „Was wir wussten - Risiko Pille“, der neue Mittwochsfilm von Eva Zahn und Volker A. Zahn. Ein Interview mit den Autorenhttp://zahns.com/aktuelles/109/am-23-oktober-im-ersten-was-wir-wussten-risiko-pille-der-neue-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn-ein-interview-mit-den<p>Am 23. Oktober zeigt das Erste um 20, 15 Uhr den neuen Mittwochs-Film von Eva Zahn und Volker A. Zahn: „Was wir wussten – Risiko Pille“ (Regie: Isa Prahl, Produktion: Westside Film, Martin Zimmermann) erzählt von der Markt-Einführung einer umstrittenen Antibaby-Pille und dem Dilemma eines Pharma-Mitarbeiters, der zwischen moralischen Skrupeln, Alltagszwängen und Loyalitäts-Konflikten zerrieben wird. Für die ARD-Pressestelle haben die beiden Drehbuchautoren ein paar Fragen zu ihrem neuen Film beantwortet:</p> <p>Frage: Sie greifen in Ihrem Film „Was wir wussten“ einen Fall von 2009 auf. Damals brachten Pharmakonzerne neue Anti-Baby-Pillen auf den Markt, ohne im Beipackzettel vor dem deutlich erhöhten Thrombose-Risiko zu warnen. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?</p> <p>Eva Zahn: Unser Produzent Martin Zimmermann kam mit der Idee, über die umstrittenen Antibaby-Pillen der 3. und 4. Generation einen Film zu machen, auf uns zu. Wir haben dann überlegt, welchen erzählerischen Zugang wir finden könnten – und zwar jenseits der konventionellen fiktionalen Aufarbeitung solcher Skandale. Gereizt hat uns schließlich an dem Thema die Frage, wie solche Risiko-Präparate auf den Markt kommen und was in den Leuten vorgeht, die für die Markteinführung verantwortlich sind. Das sind ja keine Unmenschen oder eiskalten Bösewichte, die ihren Kunden bewusst Leid zufügen wollen. Das sind Arbeitnehmer, die ihren Job möglichst gut und akkurat erledigen wollen und plötzlich mit Gewissensentscheidungen konfrontiert sind: Wie viel Verantwortung trage ich für verwerfliche Einwicklungen in meinem Unternehmen? Wie viel Widerstand kann ich leisten? Was bin ich bereit, zu riskieren? Das sind Dilemmata, mit denen Arbeitnehmer auch in anderen Branchen konfrontiert sind, nicht nur in der Pharma-Industrie. </p> <p>Volker A. Zahn:„Was wir wussten“ ist ein Working Place-Drama und ein Film über den ganz alltäglichen Opportunismus, es geht um die Frage, wie heldenhaft und mutig Menschen sein können, wenn sie in Strukturen und Sachzwängen gefangen sind und sich plötzlich Gewissensfragen stellen. Es geht um die Uralt-Frage, was zuerst kommt: Die Moral oder das Fressen? In vielen Fällen – und Filmen – wird diesbezüglich gern schwarz-weiß gemalt: Gut gegen Böse, die Rollen sind klar verteilt. Aber so einfach liegen die Dinge in der Realität nicht. Die meisten Leute da draußen sind keine Superhelden, sie gieren nach Anerkennung, sie arbeiten im Team, sie wollen keine Fehler machen, sie bringen ihren privaten Rucksack mit auf die Arbeit… das alles macht sie anfällig für Relativierungen, dafür, sich Skandalöses schönzureden, sich mitnehmen oder einlullen zu lassen. Und jeder, der weiß, dass etwas schiefläuft, wägt auch ab: Macht es Sinn, auf den Tisch zu hauen und Widerstand zu leisten? Ändert das irgendwas? Oder werde ich kleines Rädchen im Getriebe einfach nur ausgetauscht, und die Maschine läuft ungestört weiter? </p> <p>Frage: 2015 haben Sie in Ihrem Film „Unter der Haut“ den Bluter-Skandal fiktional aufbereitet. Haben Sie etwas gegen die Pharmaindustrie?</p> <p>Eva Zahn: Nein. Es gibt ja sehr viele großartige und hilfreiche Produkte, die wir der pharmazeutischen Industrie verdanken. Grundsätzlich wollen die Pharma-Firmen gute und zuverlässige Produkte herstellen. Man will schließlich Geld verdienen, und jede Negativ-Schlagzeile ist schlecht für die Bilanzen. Das Problem beginnt dann, wenn die Risiken eines Produkts verschwiegen oder kleingeredet werden. Wenn man Wissenschaftler oder Ärzte anheuert, um mit Statistik-Tricks für bessere Ergebnisse zu sorgen. Wenn man den Patienten keinen reinen Wein einschenkt. Offenheit, Ehrlichkeit, auch der Mut, Fehler einzugestehen… das ist vielleicht dem Image eines Konzerns zuträglich, zur kurzfristigen Profitmaximierung taugt es nicht. </p> <p>Volker A. Zahn:Hinzu kommt in diesem speziellen Fall, dass die Konzerne für die neuen Antibaby-Pillen sehr junge Mädchen als Zielgruppe ausgeguckt hatten. Kundinnen, die man mit einem aggressiven Marketing für das Produkt gewinnen wollte. Man hat die Anti-Baby-Pillen der 3. und 4. Generation als Lifestyle-Produkte vermarktet, kleine Geschenke wie Schminkspiegel oder hübsche Etuis beigelegt und über verschiedene Internet-Portale und mit Hilfe von Influencern gezielt Teenager angesprochen: <em>Hey Girls, wir haben hier ein neues Verhütungsmittel für euch, das macht eine reine Haut, eine tolle Figur und schönes Haar! </em>Die Pillen hatten ja auch gleichzeitig eine Zulassung als Anti-Akne-Präparate erhalten. Wer als junger Mensch so perfide angefixt wird, ist zu einer verantwortungsvollen Risiko-Abwägung nicht in der Lage. Diese Strategie muss man den Konzernen vorwerfen, das ist die böse Fratze des Kapitalismus. Und entsprechend erfolgreich: Noch heute sind die Pillen der 3. und 4. Generation die meistverkauften Antikontrazeptiva in Deutschland. Der Bayer-Konzern hat in den letzten Jahren mit diesen Produkten, die so infam als Schönheitspillen beworben wurden, mehr Umsatz gemacht als mit Aspirin. In den USA hat das Pharma-Unternehmen mit mehr als 10.000 betroffenen Frauen Vergleiche geschlossen und bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar an Entschädigungen gezahlt. </p> <p>Frage: Ihr neuer Film erzählt anders als „Unter der Haut“ nicht von den Opfern, sondern von den Tätern.</p> <p>Eva Zahn:Die betroffenen Frauen und Mädchen hatten keine Wahl. Sie wussten nicht, was sie da schlucken. Sie wurden kalt erwischt. Wir wollten aber einen Film über Menschen machen, die eine Wahl haben. Die sehr genau wissen, was sie tun.</p> <p>Volker A. Zahn:Über die Selbsthilfegruppe „Risiko Pille“ waren die betroffenen Frauen von Anfang an in das Projekt involviert. Es war uns auch wichtig, dass sie im Film auftreten und im Abspann zu sehen sind. Wir erzählen im Film ja auch von ihren Protestaktionen auf einer Aktionärsversammlung. Aber grundsätzlich haben wir immer den Anspruch, uns den Themen nicht auf vorhersehbare Art und Weise zu nähern, wir suchen nach einem erzählerischen Ansatz, der überrascht, nach einem Plot, der die Erwartungen an diese Art von Geschichte bewusst unterläuft. </p> <p>Frage: Der amerikanische Regisseur Sydney Pollock hätte in einem solchen Fall Tom Cruise in die Firma eingeschleust, der die Machenschaften aufdeckt und die bösen Manager hinter Gittern bringt. Ist Ihre Hauptfigur so ein Held?</p> <p>Volker Zahn: Eben nicht. Unsere Hauptfigur Carsten Gellhaus, ein Arzt, der jetzt für die Pharma-Industrie arbeitet, ist alles andere als ein Held. Pharma-Skandal, skrupellose, profitgierige Konzerne, unschuldige junge Opfer… das riecht tatsächlich nach Tom Cruise oder Erin Brokovich. Aber genau diese Art von Geschichte zu erzählen, reizt uns nicht. Uns hat interessiert, wie so ein Skandal ins Rollen kommt, welche Mechanismen greifen, um das Gewissen des Einzelnen zu beruhigen, wie die Arbeit im Team eine Eigendynamik entwickelt, die es einem abhängig Beschäftigten schwer macht, sich gegen den Arbeitgeber und die eigenen Kollegen zu stellen… all die Dinge eben, die sich nicht in Hollywood oder in den Köpfen fantasiebegabter Drehbuchautoren abspielen, sondern jeden Tag im Alltag vieler arbeitender Menschen.  </p> <p>Eva Zahn: Es wird den Zuschauern nicht leichtfallen, sich mit unserer Hauptfigur zu identifizieren. Sie können sich nicht einfach zurücklehnen und die Drecksarbeit dem Helden überlassen. Wir konfrontieren unser Publikum stattdessen mit der Frage: Wie würdest du dich in einer solchen Situation verhalten? Hättest du den Mumm, Widerstand zu leisten oder die Brocken hinzuschmeißen? Wie manipulierbar bist du? Aber es geht uns nicht darum, ein bestimmtes Verhalten zu bewerten oder zu verurteilen, uns interessiert, wie sich die Figuren in solchen Konflikt- oder Dilemma-Situationen verhalten, wie sie versuchen, irgendwie ihre Würde zu wahren…  </p> <p>Frage: Wie viel Verantwortung kann der Einzelne schultern?</p> <p>Eva Zahn: Natürlich muss sich jeder von uns fragen, ob er mit dem, was er tut, kauft oder produziert, anderen Menschen oder der Umwelt schadet, aber wenn wir eine weniger wirtschaftsfreundliche Politik mit strikteren Reglementierungen und Vorschriften hätten, könnte man den Bürgern manches Dilemma ersparen. Stichwort: <em>Flight Shame.</em>Die Lobbyisten leisten ganze Arbeit, und die Regierungsparteien machen sich lieber einen schlanken Fuß und schieben dem Einzelnen die Verantwortung zu. In Frankreich hat die Politik gehandelt: Da sind die Pillen der 3. und 4. Generation nicht verschreibungsfähig, werden also nicht von den Kassen bezahlt. Die Thrombose-Fälle sind spürbar zurückgegangen.  </p> <p>Frage: Die Zuschauer hasten mit den Protagonisten von einem Meeting ins nächste. Haben Sie recherchiert, wie solche Besprechungen in der Pharmaindustrie ablaufen?</p> <p>Volker A. Zahn: Ja, wir hatten sehr gute Informanten in der Branche. Die haben uns eine Menge über die internen Abläufe erzählt, über die Gruppendynamik innerhalb solcher „Action Teams“ oder den manchmal grotesken Konferenz-Jargon. Auch dass ein Konzern-Mitarbeiter nicht will, dass seine Familien-Mitglieder ein Medikament nehmen, das seine Firma gerade auf den Markt gebracht hat, ist nicht frei erfunden.</p> <p>Frage: Schon 2012 haben Sie in Ihrem Psychodrama „Mobbing“ erzählt, was die Arbeitswelt in einem anrichtet. Der Schauplatz des Films war die Familie eines gemobbten Angestellten. </p> <p>Volker A. Zahn: Mit „Mobbing“ haben wir einen Film über die Arbeitswelt gemacht, ohne diese Welt zu betreten, es ging um die Auswirkungen des Jobs aufs Privatleben. Diesmal haben wir den Spieß umgedreht und zeigen, wie auch familiäre oder persönliche Konflikte das Verhalten im Job beeinflussen. In Familie und Beruf spielen sich die die wildesten Geschichten ab, es ist schade, dass so selten Working Place-Dramen im deutschen Fernsehen erzählt werden, da ist noch Luft nach oben.</p>Wed, 04 Sep 2019 15:58:31 +0200http://zahns.com/aktuelles/109/am-23-oktober-im-ersten-was-wir-wussten-risiko-pille-der-neue-mittwochsfilm-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn-ein-interview-mit-den„Borowski und der Fluch der weißen Möwe“: Neuer Kiel-TATORT von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://zahns.com/aktuelles/108/borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe-neuer-kiel-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>„Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ ist der poetische Titel des zweiten „Tatorts“, den Eva und Volker A. Zahn für die Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Alma) geschrieben haben. Regie bei diesem Kriminaldrama, das im Umfeld  einer Clique von Polizeischülern spielt, führt der vielfach ausgezeichnetenKino-Regisseur Hüseyin Tabak.  </p> <p>Und darum geht&#39;s: Während eines Workshops, den die Kommissare Klaus Borowski und Mila Sahin an einer Kieler Polizeischule abhalten, kommt es zu einem fatalen Zwischenfall. Völlig überraschend sticht die Polizeischülerin Nasrin Erkmen (Soma Pysall) bei einer praktischen Übung auf ihren Mitschüler Sandro (Louis Held) ein. Der junge Mann erliegt wenig später seinen Verletzungen. Der Fall sorgt für öffentliche Empörung. Fragen nach den Gründen ihres Tuns prallen an Nasrin ab. Sie kann sich abgeblich an nichts erinnern. Oder hat sie etwas zu verschweigen? Für Tobias Engel (Enno Trebs), Nasrins Freund und ebenfalls Teilnehmer an dem Workshop, bricht eine Welt zusammen. Bei den Ermittlungen stoßen Borowski und Sahin auf den Fall von Jule (Caro Cult): Die junge Frau hatte sich kurz vor der Tat vor Tobias‘ Augen von einem Hochhaus gestürzt – und war eng mit Nasrin befreundet…</p> <p>Das "Tatort"-Team wird vervollständigt durch Thomas Kügel als Vorgesetzter (Kriminalrat Roland Schladitz) und Anja Antonowicz (Gerichtsmedizinerin Kroll). Zu den weiteren Darstellerinnen und Darstellern in dieser Folge gehören Stefan Hegli, Kida Ramadan (u. a. Grimme-Preis und Deutscher Fernsehpreis für seine Rolle in "4 Blocks"), Philipp Jacob und Anne Zander.</p> <p>Produzentin ist Kerstin Ramcke (Nordfilm GmbH), ausführender Produzent: Johannes Pollmann, Kamera: Lukas Gnaiger (arbeitete bereits 2012 bei dem preisgekrönten Drama "Deine Schönheit ist nichts wert" mit Regisseur Hüseyin Tabak zusammen), Redaktion: Sabine Holtgreve (NDR). Der "Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe" wird gefördert mit Mitteln der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH). Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.</p>Fri, 26 Jul 2019 11:57:36 +0200http://zahns.com/aktuelles/108/borowski-und-der-fluch-der-weissen-mowe-neuer-kiel-tatort-von-eva-zahn-und-volker-a-zahnAufstand der Jammerlappen: Eva Zahn und Volker A. Zahn ziehen Bilanz nach einem Jahr „Kontrakt 18“http://zahns.com/aktuelles/107/aufstand-der-jammerlappen-eva-zahn-und-volker-a-zahn-ziehen-bilanz-nach-einem-jahr-kontrakt-18<p>Das ist ein schöner Moment, wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler zum ersten Mal deine Dialoge sprechen und sich an die Rollen und Charaktere heranpirschen. Stephan Kampwirth nuschelt seine Sätze souverän, Nina Kronjäger liest mit fester Stimme, und Thomas Heinze garniert seinen Text bereits mit jener Alphamännchen-Pose, die wir dieser Figur angedichtet hatten.</p> <p>Leseprobe für „Was wir wussten - Risiko Pille“ (Arbeitstitel), unseren neuen Mittwochsfilm fürs Erste, ein Drama über den ganz alltäglichen Opportunismus am Arbeitsplatz (Ausstrahlung voraussichtlich im Herbst 2019). Fast alle Schauspielerinnen und Schauspieler, die an dieser Westside Produktion für den NDR mitwirken, sind nach Köln gekommen, die Stimmung ist gut, wir diskutieren über die Haltung der Figuren, streiten über einzelne Dialogsätze, überprüfen die Regie-Anweisungen, es gibt viele Fragen, ein paar wenige Missverständnisse, einmal wird es etwas lauter, aber am Ende weiß jeder, der im Raum ist – inklusive des Autoren-Paars –, ein bisschen mehr über die Geschichte, die Charaktere und die Vision dieses Dramas als vor der Leseprobe.<br /> Regisseurin Isa Prahl hatte nichts gegen unsere Anwesenheit. Ganz im Gegenteil: Schauspielerinnen und Schauspieler stellen ständig Fragen, sie hadern oft mit ihrer Rolle oder kapieren nicht, warum sie sich in einer bestimmten Szene auf eine bestimmte Art und Weise verhalten sollen. Sie kommen dann manchmal auf komische Ideen, denken sich eigenen Text aus oder – der worst case! – „legen die Figur neu an“. Es gibt Regisseure, die gucken dann hilflos zu oder sie befeuern diesen Prozess noch. Wenn etwas Neues entsteht, so ihre Hoffnung, kommt bestimmt irgendwas Gutes dabei raus. Aber oft geht ein Film genau in diesen Momenten in die Hose, die innere Logik ist futsch, da ist es gut, wenn ein Autor, der das große Ganze im Blick hat und seine Figuren besser kennt als die eigene bucklige Verwandtschaft, sein Wissen in die Runde wirft und korrigierend oder erklärend eingreift.<br /> Eine Leseprobe ohne Autorinnen und Autoren?<br /> Eigentlich unlogisch!</p> <p>Als wir renitente Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren vor über einem Jahr ausheckten, was „Spiegel online“ ein paar Wochen später zum „Aufstand der Autoren“ hochjazzte, ahnten wir nicht, dass auch Punkt 3 unserer „Kontrakt 18“ genannten Selbstverpflichtung auf so viel Widerstand stoßen würde: „Die Autorin/der Autor wird zu den Leseproben eingeladen“, heißt es da lapidar, und überdies, dass man uns bitte den Eintritt in Vertragsverhandlungen zukünftig (ab 1. Juli 2018) mit weiteren Optionen schmackhaft machen möge: Ladet uns zur Rohschnittabnahme ein, lasst uns gemeinsam und einvernehmlich die Regie besetzen, übertragt uns die Verantwortung für das Buch bis zur Drehfassung, und wenn ihr mit dem Film-Projekt an die Öffentlichkeit geht, solltet ihr lieber nicht unerwähnt lassen, wer sich das gute Stück ausgedacht hat.</p> <p>Die Reaktionen in der Branche: Einerseits ungläubiges Kopfschütteln, ein leichter Anflug von Panik und bisweilen auch wütende Abwehr-Reflexe. Andererseits solidarischer Beifall aus allen Gewerken und Verwunderung darüber, dass diese Rebellion, die eigentlich Selbstverständliches fordert, nicht schon viel früher stattgefunden hat.</p> <p>Viele Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren haben neben dem Hang zum Alkohol auch einen Hang zum Lamento. Jeder Kölner Autoren-Stammtisch, den wir in den Jahren vor „Kontrakt 18“ organisiert haben, war ein feuchtfröhlicher Ausflug ins Jammertal. Opa erzählt vom Krieg in der Filmschreiber-Variante, die Anekdoten von Knechtschaft und Entwürdigung sind legendär. Und nach der Kneipensause schwankten wir dann in dem Wissen, dass es das Leben mit Menschen unserer Profession nicht gut meint, zurück an den Schreibtisch und warteten einsam und geduldig auf die nächste Demütigung.<br /> Das Leben nach „Kontrakt 18“ fühlt sich irgendwie leichter an. Über 200 Kolleginnen und Kollegen sind inzwischen dabei, wir tauschen uns aus, sprechen Warnungen aus, sondieren, wer gut und wer schlecht zu uns ist, wir nennen Ross und Reiter, rufen uns gegenseitig an, tauschen Zahlen aus. Wir ertränken nicht länger unseren Frust im Alkohol, sondern saufen uns einen kleinen Rausch an, ein angenehm beschwipstes Gefühl von Souveränität und neuem Selbstbewusstsein.<br /> Oder anders ausgedrückt: Aus dem Jammerlappen-Geschwader ist eine taffe Truppe von Aufmuckern geworden, ein Haufen von Kreativen und Content-Heroes, die endlich realisieren, was sie wert sind. Seit „Kontrakt 18“ wird hauptsächlich darüber gesprochen, wie Gutes entstehen kann, und nicht mehr – wie in den Jahrzehnten vor „Kontrakt 18“ – darüber, wie Gutes verhindert wird.</p> <p>„Kontrakt 18“-Bedingungen gab es auch schon in der Zeit vor „Kontrakt 18“. Die Verträge für „Was wir wussten – Risiko Pille“, für unsere Filme mit Nicole Weegmann oder für die ZDF-Serie „Zarah – Wilde Jahre“ (Regie: Richard Huber) wurden zwar noch vor dem „Aufstand“ abgeschlossen, aber die Zusammenarbeit mit uns verlief – mit kleinen Abstrichen – bereits im „Kontrakt 18“-Style. Allesamt schöne Projekte, kein Produzent wurde ruiniert, die Regie hat mit eigener Handschrift inszeniert, und in allen Fällen waren unsere Partner eher erfreut als genervt übers längere Mitmischen der Autoren (von der Regie-Auswahl über Textänderungen am Set bis hin zum Rohschnitt-Gucken). Viele Menschen in der Branche, die keine Drehbücher schreiben, meinen deshalb, dass eine vertragliche Fixierung der „Kontrakt 18“- Forderungen überflüssig sei. „Machen wir doch schon immer so!“ heißt es dann im Gutsherren-Sound, never change a winning horse!<br /> Aber die Bedingungen am Markt haben sich verändert, eine Anpassung der Verträge ist überfällig, es gibt jetzt mehr Abnehmer für unsere Stoffe, die Monopol-Stellung der großen Sender ist Geschichte. Früher waren wir dankbar, wenn uns die Gnade eines Auftrags ereilte, und für diese Gnade haben wir uns eine Menge gefallen lassen: Den minderbegabten Regisseur, der „Ich kann diese Scheiße nicht inszenieren!“ brüllt und das Skript in die Ecke pfeffert. Statt den Mann wegen schlechten Benehmens vor die Tür zu setzen, wird ihm von Sender und Produktion unser Buch anvertraut. Er hat ja schon einige „Tatorte“ inszeniert, solide TV-Ware, da weiß man, was man hat...! Oder die Produzentin, die uns nach zwei Jahren harter Arbeit an einem TV- Film aus dem Projekt kickt, weil wir uns gegen den strammen Marsch ins Mittelmaß wehren. Der Rauswurf erfolgt am Telefon (sehr beliebt in der Branche), Schlussmachen wie picklige Teenager, die via WhatsApp ihre Beziehung beenden. Fünfzig Prozent Honorar-Einbuße, keine ordentliche Begründung, keine formale Kündigung, einfach nur ein gepflegter Tritt in den Hintern.</p> <p>Gegen die Verrohung der Sitten sind wir natürlich auch zu Zeiten von „Kontrakt 18“ nicht gefeit. Nicht umsonst lautet die häufigste Frage vieler Produzenten, ob und wie man uns trotz „Kontrakt 18“ immer noch schnell und problemlos loswerden könne. Aber zu Zeiten, da sich mehr Firmen und mehr Sender für unsere Ideen interessieren</p> <p>als vor zehn Jahren, haben genau diese Reaktionen für uns eine entscheidende Lenkungswirkung: Produktionsfirmen, die „Kontrakt 18“ ablehnen, sind für uns aus dem Rennen. Es gibt Produzenten, die die Beteiligung der Autoren an der Leseprobe vertraglich festschreiben – aber nur unter der Bedingung, dass der Autor die Reisekosten trägt. Die Botschaft ist klar: Kohle ist wichtiger als Qualität! Sollen wir solchen Leuten tatsächlich unsere Geschichten anvertrauen?! Auch Produktionsfirmen, die großzügig einräumen, dass der Autor zur Regie-Besetzung irgendwas sagen darf, was im Endeffekt niemanden interessiert, werden von der Liste unserer potenziellen Partner gestrichen. Der Vertrag für unseren neuen Borowski-„Tatort“ wurde nach Maßgabe von „Kontrakt 18“ gestaltet, am Ende einer angenehm sorgfältigen Suche stand Regisseur Hüseyin Tabak ganz oben auf der Wunschliste von Sender, Produktion und Autoren. Uns hat zur Zustimmung ein längeres Gespräch gereicht, das Erspüren von Hüseyins Leidenschaft für die Geschichte, zu sehen, wie jemand Lust und den Grips hat, sich auf diesen Stoff und die Figuren einzulassen... Bei „Was wir wussten – Risiko Pille“ war es nicht anders. Isa Prahl war sich von Anfang an unserer Vision bewusst, ihr war klar, dass sie keinen Pharma-Skandal erzählt, sondern eine Geschichte über die Verführbarkeit der Menschen. Wir haben nicht „bestimmt“, dass sie Regie führt, sondern wir haben uns ganz einfach mit ihr und ihrer Regie-Vision wohlgefühlt. Isa und Hüseyin sind keine Erfüllungs-Gehilfen, sondern haben ihren ganz eigenen künstlerischen Anspruch, sie suchen den Kontakt zum Autoren-Team, sie lassen sich mit Leidenschaft und Klugheit auf unsere Geschichten ein und bereichern sie mit ihrer inszenatorischen Kunst, sie stecken keine Claims ab, sie sind keine Regie-Autokraten, sie machen eigene tolle Vorschläge, und wenn ihre Vorschläge weniger toll sind, lassen sie sich diese Vorschläge auch wieder ausreden, sie sprechen jede Text-Änderung mit uns ab, sie maßen sich nicht an, die besseren Autoren zu sein (so wie wir uns niemals anmaßen würden, die besseren Regisseure zu sein). Und wenn einer von beiden uns gebeten hätte, bei der Leseprobe nicht dabei zu sein, weil er/sie diese wichtige erste Begegnung mit den Schauspielern als intimen Moment für sich bewahren wollte, hätten wir nichts dagegen gehabt.</p> <p>Weil wir ihnen vertrauen!<br /> Und das unterscheidet diese Art von Regisseuren von den Inszenierungs-Königen und Set-Fürsten, die in der Debatte um „Kontrakt 18“ keine überfällige Anpassung feudalistischer Zustände ans zeitgemäße und Team-orientierte Filmemachen sehen, sondern einen Anschlag auf ihre Vormachtstellung. Kein Wunder, dass bei diesem Regie-Typus seit „Kontrakt 18“ die Angst vor „schwarzen Listen“ umgeht. Allen Ernstes wurde auf einer Mitgliederversammlung des „Bundesverbands Regie“ darüber diskutiert, die moderaten Kräfte aus dem „Verband Deutscher Drehbuchautoren“ gegen die Hardliner und Extremisten von „Kontrakt 18“ in Stellung zu bringen. Geht’s hier noch um Filme oder schon um den Weltfrieden!?</p> <p>Dabei ist die schwarze Liste in Wirklichkeit eine weiße. Namen von fairen Produktionsfirmen, Redakteuren oder Regisseuren, die zeigen, dass das Prinzip der Augenhöhe unter Kreativen nicht nur funktioniert, sondern Großartiges hervorbringt, stehen in den aktuellen Favoriten-Charts der Autorenschaft ganz weit oben, viele Firmen und Regie-Kollegen ziehen trotz anfänglicher Skepsis nach. Endlich arbeitet zusammen, was zusammen gehört, und alles andere möge bitte der Markt richten: Regisseure, die „Kontrakt 18“-Bedingungen als Anmaßung empfinden, sollen sich Autoren suchen, die keine Lust oder das Bedürfnis haben, die zusätzliche Mühe und Verantwortung, die „Kontrakt 18“ mit sich bringt, zu schultern. Und Redakteure und</p> <p>Produzenten, die das Drehbuch für eine eher großzügig interpretierbare Werkstufe halten, sollen sich ebenfalls an den passenden Autoren-Typ halten.<br /> Wo ist das Problem?!<br /> Das Problem ist die Änderung von Abläufen, die sich über Jahre eingespielt haben, das Problem ist eine konservative Fixierung auf die Regie, das Problem ist die mutmaßliche Götterdämmerung, die manche, die sich für Götter halten, nicht ertragen, das Problem ist das Ende der Zuteilungs-Willkür, die Buch und Regie oft nicht nach dem Prinzip der bestmöglichen Kombination verknüpft hat, sondern nach Gutdünken, wegen einer Vorliebe fürs Namedropping oder aus schlichter Gedankenlosigkeit. Und das Problem ist die Angst vor enervierenden Einmischungen, vor noch mehr Diskussionen, vor einem Schuss Unberechenbarkeit. „Beim Film“, schrieb uns ein Produzent allen Ernstes, „reden schon so viele Leute mit. Wo soll das hinführen, wenn sich jetzt auch noch die Autoren einmischen!?“ Natürlich gehen wir vielen Leuten in der Branche auf die Nerven. Manche Produzenten haben Angst vor unseren mutmaßlichen Allmachts-Fantasien, die sie geradewegs in den finanziellen Untergang führten, wir seien jetzt in der Lage, große Projekte mit einem Fingerschnipsen platzen zu lassen. Der Sender will Regisseur XY, die Autorin kann ihn nicht leiden, er riecht aus dem Mund und guckt ihr nicht nur in die Augen. Weg damit! Projekt tot! Produzent pleite!</p> <p>Nach einem Jahr „Kontrakt 18“ haben sich die Nerven etwas beruhigt, es ist noch kein Millionen-Deal an schlecht gelaunten Autoren gescheitert, kein Produzent musste Konkurs anmelden, viele Regisseure finden sich zwar neuerdings in Casting- Situationen wieder („Wer passt zum Buch?“), aber es wird gedreht und gedreht und gedreht... und die Qualität zeigt eher nach oben als kellerwärts.</p> <p>Wir machen diesen Job seit über 25 Jahren, circa 130 Drehbücher, die wir geschrieben haben, wurden verfilmt, wir lieben diesen Job, der mitunter hart, mühselig, kräfte- und nervenzehrend ist, wir freuen uns auf jedes neue Projekt, weil wir das Abenteuer, in das wir uns dabei stürzen, lieben, es macht Spaß, gemeinsam mit klugen Menschen etwas Großartiges auf die Beine zu stellen. Aber nach so vielen Jahren in diesem Beruf hat uns „Kontrakt 18“ noch einmal den ultimativen Motivationsschub verschafft. Wir werden auch weiterhin lustvoll, hitzig und kontrovers mit Regie, Sendern und Produktion über unsere Geschichten und Figuren streiten, wir werden uns freuen, wenn jemand noch bessere Ideen hat als wir, wir werden unsere Art, zu arbeiten, nicht ändern...aber unsere Haltung und die Haltung uns gegenüber haben sich verändert, Augenhöhe und Respekt sind keine Versprechen mehr, sondern werden gelebt, und wenn Hüseyin dann anruft und darum bittet, noch einmal kurz mit uns über Szene 73 zu reden, weil ihm die Haltung der Figuren in diesem Bild noch unklar ist, wenn uns der nette Produzent aus Köln für unser Serien-Projekt einen zusätzlichen Creative Producer-Posten anbietet, wenn unser Stück für die langlaufende Serie in einen anderen Drehblock verschoben wird, weil wir unser Buch vor einem absehbar grausamen Regie-Schicksal bewahren wollen, und wenn dann zeitnah endlich auch über angemessene Honorare gesprochen wird... dann fragst du dich, warum wir auf diese Signale für eine bessere Welt der Drehbuchautoren eigentlich so lange warten mussten.</p> <p><em>Auf dem Foto: „Kontrakt 18“-Mitinitiatoren Orkun Ertener, Kristin Derfler, Annette Hess und Volker A. Zahn (v.l.n.r.)</em></p>Sat, 29 Jun 2019 12:37:50 +0200http://zahns.com/aktuelles/107/aufstand-der-jammerlappen-eva-zahn-und-volker-a-zahn-ziehen-bilanz-nach-einem-jahr-kontrakt-18"Was wir wussten – Risiko Pille": Drehstart für einen neuen Mittwochs-Film von Eva Zahn und Volker A. Zahnhttp://zahns.com/aktuelles/106/was-wir-wussten-risiko-pille-drehstart-fur-einen-neuen-mittwochs-film-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn<p>Drehstart für das Workplace Drama „Was wir wussten – Risiko Pille“ : Der neue Mittwochsfilm von Eva Zahn und Volker A. Zahn (Produktion: Westside Film, Martin Zimmermann) erzählt von der Markt-Einführung einer umstrittenen Antibaby-Pille und dem Dilemma eines Pharma-Mitarbeiters, der zwischen moralischen Skrupeln, Alltagszwängen und Loyalitäts-Konflikten zerrieben wird. Regie bei der NDR-Auftragsproduktion (Redaktion: Donald Kraemer + Christian Granderath) führt Isa Prahl, die im letzten Jahr mit ihrem Kino-Debüt „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ für Aufsehen sorgte.</p> <p>Zum Inhalt: Eigentlich ist Dr. Carsten Gellhaus (Stephan Kampwirth) ein Mann mit Verantwortungsgefühl und einem moralischen Kompass. Privat steht der Vater zweier Teenie-Töchter an einer Wendemarke, seine Ehe ist nur noch eine Gefühls-Ruine, und mit beinahe jugendlichem Übermut verliebt er sich ausgerechnet in seine taffe Chefin Sabine (Nina Kronjäger). Beruflich hat er sich eingerichtet – ohne Karriere-Ehrgeiz, aber mit dem unbedingten Willen, seinen Job ordentlich zu machen. Er ist ein loyaler Angestellter, er mag seine Arbeit, und er verdient gut. Gellhaus will ein anständiger Kerl sein, aber die Umstände zwingen ihn dazu, Kompromisse zu machen, sich zu arrangieren, sich selbst zu beschwichtigen und zu belügen... Was tun, wenn die Pille, für dessen Markteinführung er mitverantwortlich ist, ungeahnte neue Risiken birgt? Und was tun, wenn diese Pille ausgerechnet von der eigenen Tochter eingeworfen wird?</p> <p>Übermenschen in Film & Fernsehen schmeißen in so einem Fall die Brocken hin und zetteln Aufstände an. Aber Carsten Gellhaus ist kein Superheld, er ist ein Durchschnitts-Typ, der zeigt, wie schwierig es ist, sich aus Strukturen, Erwartungen und Zwängen zu befreien. Sein Dilemma ist weit verbreitet: Er will das Richtige tun, weiß aber, dass er eigentlich alles nur falsch machen kann, er wird zum Mitläufer und Mittäter, aber er hat längst die Mechanismen verinnerlicht, mit denen sich die eigenen Skrupel wegdrücken lassen. Und er zeigt, wie leicht es ist, Schuld auf sich zu laden. Kleine Fahrlässigkeiten, öfter mal ein Auge zudrücken, Statistiken und Risiken anders gewichten, ein bisschen Feigheit, die Gewissensfragen großzügig interpretieren, der ganz alltägliche Selbstbetrug... und ehe man sich versieht, steht man auf der Täterseite. Kurzum: Carsten Gellhaus ist einer dieser zahllosen Angestellten in der Pharmaindustrie, in Chemieparks, Krankenhäusern, Autofirmen oder Banken, die tagtäglich Entscheidungen mittragen, hinter denen sie nicht stehen und die mitunter schlimme Folgen haben. „Risiko Pille“ handelt von Selbstbetrug, Feigheit und davon, wie verführ- und manipulierbar die Menschen sind. Wir gehen mit auf die Reise eines Helden, der keiner ist, und beobachten Konzern-Angestellte, die ihren Job gut machen und dabei ungute Dinge tun. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig, Ähnlichkeiten mit Geschehnissen und Verfahren bei der Einführung neuer Medikamente hingegen vollkommen beabsichtigt.</p> <p>Gedreht wurde bis Ende März in Niedersachsen und Köln, ein Ausstrahlungstermin ist noch nicht bekannt.</p> <p>Auf dem Foto (v. l. n. r.) : Drehbuch-Leseprobe mit Oliver Fleischer, Luise Wolfram, Stephan Kampwirth, Eva Zahn, Volker A. Zahn, Thomas Heinze, Regisseurin Isa Prahl, Nina Kronjäger und Cem Ali Gültekin.</p>Fri, 26 Jul 2019 12:00:44 +0200http://zahns.com/aktuelles/106/was-wir-wussten-risiko-pille-drehstart-fur-einen-neuen-mittwochs-film-von-eva-zahn-und-volker-a-zahn