Zarah - Wilde Jahre

Was „Zarah“ darüber hinaus aktuell macht, ist der gründliche Blick in die Eingeweide einer Illustrierten, die vorgibt, fortschrittlich zu sein, und gleichzeitig die Würde der Frau mit Füssen tritt. Die Frage nach der Doppelmoral und jene nach dem Selbstverständnis der Medien weisen vom goldenen Zeitalter des analogen Print-Journalismus direkt in die Gegenwart eines mit allen Mitteln ums Überleben kämpfenden Gewerbes.
Die Kritik am zynischen Medienapparat ist hier oft ähnlich wie bei Helmut Dietls „Kir Royal“ in harmlosem Gesellschaftsgeplauder verpackt und dabei übrigens nicht weniger scharf formuliert. Diesseits und jenseits der Frage nach Gleichberechtigung gäbe es für eine zweite Staffel allerlei kritische Anknüpfungspunkte.

— „Neue Zürcher Zeitung“

„Zarah – Wilde Jahre“ besitzt für hiesige Verhältnisse ein ungewöhnliches Konzept: eine Primetime-Serie als historisches Drama, das ein Stück weit auch deutsche Emanzipations- und Mediengeschichte schreibt. Der Serie liegt ein gut recherchiertes Drehbuch zugrunde, bei dem man auch im Detail erkennen kann, dass hier ehemalige Journalisten am Werke waren. Die „Relevant“-Mitarbeiter besitzen bei aller – vermeintlich klischeehaften – Überspitzung einen wahrhaftigen Kern, und einige entpuppen sich im Laufe der Handlung als vielschichtiger, als auf den ersten Blick angenommen. Die Besetzung kommt bis in die kleinsten Rollen ohne Schwachpunkte aus. Die Gewerke nehmen einen mit in die Zeit, suchen aber auch – wie die Geschichte – Zugang zum Hier & Heute. Zwar kommt bekanntlich alles wieder, aber eine Erscheinung wie diese Zarah Wolf, ob im samtenen Hosenanzug oder im unverschämt knappen Mini und in ähnlicher weiblicher Kriegsbemalung, wäre auf den Straßen von Berlin oder Hamburg auch heute ein Hingucker, keine, bei dem man sich wundern würde. Nichts wirkt in „Zarah“ übertrieben ausgestellt (nicht einmal die Hosen). Ausstattung und Kostüm lenken nicht von den Geschichten ab, ein sicheres Händchen besitzt Regisseur Richard Huber selbst bei der Darstellung einer augenzwinkernd angedeuteten Sex-Orgie. Überhaupt, Drama-Serie klingt zu schwer für diese ZDF-Serie, von der sich der krimimüde Teil der Fernsehzuschauer noch sehr viele Folgen erhoffen wird. Dramedy erfasst „Zarah“ ebenso wenig. Wozu auch Genre-Kategorien, einfach gucken!

— Rainer Tittelbach, „Der Fernsehfilm-Beobachter“

Angesichts dieser Themenfülle müsste die Serie eigentlich heillos überfrachtet sein. Es gelingt aber, alle Aspekte elegant in die Story einzubauen sowie unterhaltend in Szene zu setzen. Und könnte man einige Charaktere anfangs noch für eindimensional halten, entpuppen diese sich als so komplex und widersprüchlich, wie sie es im zeitgemäßen Fernsehen sein sollten. Sogar die doch sehr spröde Hauptfigur kommt einem ein bisschen näher.
In diesem Kontext sind dann auch die von den Autoren bewusst modern gestalteten Figuren kein Störfaktor mehr, sondern erleichtern einigen Zuschauern vielleicht sogar den Zugang zu vergessenen oder nie bekannten Auseinandersetzungen um die Emanzipation der Frau.

— „die tageszeitung“

„Zarah“ ist eine laute Serie vom Typ TV-Mottoparty 70er Jahre. Alpha-Männer im Stress mit Frauen, deren Selbstbewusstsein wächst – und das in einem journalistischen Milieu, das vor eigener Wichtigkeit platzt. Es knallt schon bei den Episodentiteln: „Titel & Titten“, „Ich hab auf sein Grab gepinkelt“, „Ballern & Bumsen“. Die sechs Teile haben sich jede Verdruckstheit verboten und ziehen sich damit eine leichte Verkrampfung zu. Alles muss groß sein, grell, dabei waren die damaligen Verklemmungen, Verhärtungen auch subtil, verborgen, heimlich. Die Autoren Eva Zahn und Volker A. Zahn haben die Hauptfigur der Zarah Wolf mit großer Sorgfalt gebaut und übergroßer Aufgabe ausgestattet. Wolf muss zu viel von der Zeitgeschichte schultern: Ihre Mutter ist eine total angepasste Frau der Kriegs- und Nachkriegszeit, ehe sie an Krebs erkrankt. Der Vater war ein schlimmer Nazi, ein SS-Mann, erst auf dem Sterbebett verrät die Mutter, dass Zarahs Vater tatsächlich ein anderer war. Die Wolf fährt den Bus mit den abtreibungswilligen Frauen durch die Menge der Abtreibungsgegner, sie tauscht in der Druckerei den sexistischen Titel aus, sie liebt Männer und Frauen, und dann auch noch die Tochter von Verleger Frederik „Titten“-Olsen. Zarah Wolf ist eine sehr intensive Frau, die sich auf journalistisch-feministische Heldenreise begibt.

Im Überzeugungskern der Bantry Bay Productions ist „Zarah“ die Fruchtbarmachung der 70er Jahre für das heutige Fernsehen, das Quod-erat-demonstrandum, dass Journalismus ein TV-Thema jenseits der Vierten Gewalt sein kann, dass Frauen und Männer, so sehr sie für Menschen einer bestimmten Zeit einstehen sollen, 360-Grad-Menschen sein können. Wo große Geheimnisse und kleine Dämonen hausen. Und ein Wahnsinns-Soundtrack der 70er-Scheiben, der die Handlung hebt, transzendiert.

Wer in der Historie arbeitet, muss erst mal bei Kostümbild (hier: Petra Kilian) und Ausstattung (Zazie Knepper) glänzen. Wer bei der Klamotte oder beim Bierglas versagt, der hat beim argusäugigen Zuschauer schon versagt. „Zarah“ versagt nicht. Kostüm und Ausstattung schaffen die Atmosphäre, dominieren sie aber nicht. Die Inszenierung von Richard Huber und die Kamera von Robert Berghoff können in dieser Atmosphäre frei atmen, frei arbeiten. Der Blick ist „normal“, es wird nicht in einen Menschenzoo hineingeschaut, die Figuren schauen sich um, sie schauen zu sich, um sich, zu den anderen. Die Geschichte entwickelt sich parallel zu den Figuren, nichts und niemand wird ausgestellt. „Zarah“ ist relevant. Und das Intro zur Serie, ein Lippenstift, der Schreibmaschine, Whiskyglas und Zigarre zerschlägt, zerstäubt, dieses Intro zeigt, dass das ZDF zu neuen Ufern aufbrechen will. Dorthin, wo große Mädels und Jungs mit dem spielen, was eine Dramaserie ausmacht.

— "Tagesspiegel“

Dass kann freilich auch nicht darüber hinweg täuschen, dass „Zarah“ immer wieder Gefahr läuft, in ein übermäßig plakatives Kotelettentheater abzurutschen, und dabei demonstrativ stolz ist auf die explizite Wortwahl, die das ZDF den Autoren hat durchgehen lassen. Vor allem aber droht sich die Serie an der selbst gestellten Aufgabe zu verheben: Alles, wirklich alles, was das Jahrzehnt hergibt, wird in eher dünne Hintergrundgeschichtchen gestopft. Zur Abschaffung des Paragraphen 218 kommt die Rebellion der jungen Generation gegen die Vergangenheit der Nazi-Eltern, und ehe man sich versieht, hat nach den ersten 45 Minuten auch schon jemand „Baader-Meinhof“ gesagt. Trotzdem war ich da als Zuschauer schon längst bereit, der Serie diese Überambition zu verzeihen. Nicht, weil sich die gestandenen Journalisten mit der Zeit (vorhersehbar) allesamt als Trinker, Zweifler, Zerrissene entpuppen – jeder Redakteur nur einen persönlichen Abgrund, bitte! Sondern weil „Zarah“ sich im Laufe der Serie tatsächlich Zeit für Zarah (überzeugend gespielt von Claudia Eisinger) nimmt, sie handeln und scheitern lässt, ihr den Triumph gönnt, und sie auf dem Höhepunkt bricht. (…) Im Fernsehen läuft „Zarah“ ab Anfang September donnerstags im Doppelpack mit einer zweiten neuen ZDF-Serie, die kein Krimi ist – was eigentlich schon eine Sensation für sich wäre. Schwierig zu sagen ist hingegen, ob diese Programmierung so ziemlich das Dümmste ist, was den Planern in Mainz einfallen konnte.

— „DWDL“

Man bleibt also dran an dieser Serie, eben auch weil sie wichtige Themen aufgreift. „Zarah – Wilde Jahre“ ist ein begrüßenswertes Projekt, bei dem Claudia Eisinger von Folge zu Folge mehr hineinwächst in die Rolle der streitbaren Frau, die die verkrustete Männerwelt ein klein wenig aufmischt.

— „Medienkorrespondenz“

Eva und Volker A. Zahn haben das Drehbuch geschrieben, Richard Huber, als Regisseur bekannt etwa durch die Qualitätsserie „Club der roten Bänder“ bei Vox, hat es umgesetzt. Wie immer, wenn eine Serie die Zuschauer in eine andere Zeit entführt, ist der Aufwand enorm. Die Ausstattung soll authentisch sein, aber nicht von den Personen und ihren Geschichten ablenken. Die Farben, die Klamotten, die Technik – das zu betrachten, macht Spaß und vielleicht sogar ein wenig melancholisch. Claudia Eisinger spielt Zarah Wolf mit viel Ausdruck und Überzeugung. Obwohl sie ständig abgewatscht wird von den Kollegen, gelingt es ihr in der ersten Folge durch einen Coup, das sexistische Titelbild der ersten Ausgabe, an der sie mitwirkt, auszutauschen. Doch ist ihre Figur nicht nur als feministische Kampfhenne angelegt – dankenswerterweise. Obwohl es in "Zarah – Wilde Jahre" viel um Konfrontation und Grundsätzliches geht, ist auch ein wenig Platz für Zwischentöne.

— „Badische Zeitung“

Die Büros bei „Zarah“ sehen ganz schön piefig aus. Aber genau diese deutsche Sprödheit ist es, die später der Serie Schlagkraft verleiht. Wenn deutlich wird, wie erdrückend stickig die Atmosphäre damals in der Bundesrepublik war, mit Spießbürgerlichkeit und dem Totschweigen der Nazi-Vergangenheit selbst in der eigenen Familie als Norm. Dazwischen Soundtrack von den Stones oder Aretha Franklin und zahlreiche amüsante Verweise auf die Medienlandschaft von damals, teilweise mit echten TV-Aufnahmen aus den 70ern. In der Serie schafft es Zarah, die nackten Brüste auf dem Magazincover heimlich gegen einen nackten Männerhintern zu tauschen. Ein Skandal damals, ein Gag heute. Zum Lachen ist der Blick auf die Macho-Welt der 70er aber auch deshalb nicht immer, weil sich schon beim Pressegespräch zeigt, wie bitter nötig ein Diskurs über Gleichberechtigung noch immer ist. Die arme Claudia Eisinger wurde dort ernsthaft gefragt, warum ihre Figur als Feministin einen Minirock trägt. Hatten wir das Thema nicht gerade dank Emma Watson ein für allemal geklärt? „Die Geschichte ist hochaktuell und noch lange nicht abgefrühstückt. Wir haben noch keine Gleichberechtigung“, sagte die Drehbuchautorin Eva Zahn.

— „Stern online“

Auch „Zarah - Wilde Jahre“ arbeitet mit Klischees. Doch hier gelingt es, mit ihnen leicht und locker zu spielen und sie für die zeitliche (70er-Jahre) und örtliche (Schauplatz Redaktion) Einordnung geschickt zu nutzen. "Keine unserer Figuren hat ein reales Vorbild, aber wir haben uns natürlich schamlos in der Wirklichkeit bedient", sagt Autor Volker A. Zahn, der gemeinsam mit seiner Frau Eva die Serie geschrieben hat. Die spielt 1973. Die bekannte Buchautorin und Feministin Zarah Wolf (hinreißend gespielt von Claudia Eisinger) kommt als stellvertretende Chefredakteurin zum Wochenmagazin „Relevant“, will dort politische Frauenthemen lancieren und trifft auf Machos und Ignoranten. In der ersten Folge zeigt sie gleich, wo es langgeht und lässt ein sexistisches Titelbild austauschen. Der „Stern“ lässt grüßen. Nicht nur bei der Titelbild-Story, sondern auch bei der Abtreibungs-Geschichte in Folge 2. Und auch die Serienheldin hat prominente, reale Vorbilder - wie Ingrid Kolb, Peggy Parnass, Alice Schwarzer oder Wibke Bruns, die in die damalige Männerdomäne Journalismus eindrangen und gegen Alpha-Tiere, Sexismus und alltäglichen Chauvinismus kämpften. „Zarah“ ist eine spannende, liebevoll ausgestattete, mit viel Biss und fein dosiertem Witz inszenierte Zeitreise mit großen und kleinen Geschichten, Dramen und Absurditäten. Und eine unterhaltsame, intelligente Geschichtsstunde in sechs Folgen, mit dem Look und dem Sound der 70er sowie einer prima Besetzung.

— „Donaukurier“

Mal ehrlich, darf die TV-Heldin einer Serie nicht kühn sein und etwas wagen, wozu man doch gern Bravo ruft? Und ist es nicht endlich mal ein Stück Fernsehen mit einer weiblichen Hauptfigur, die ihren eigenen Kopf hat, rebelliert und handelt? Es ist sehr ehrenvoll, wenn man im Zusammenhang von 'Zarah' neben anderen namhaften Kolleginnen als Vorbild genannt wird. Es ist aber keine übertriebene Bescheidenheit, wenn ich sage: Wir hätten keinen Erfolg gehabt, wenn wir nicht viele gewesen wären, sehr viele.

— Ingrid Kolb, „Stern“

Die Serie ist im Grunde ein Spielfilm in sechs Folgen und erzählt die Geschichte einer Journalistin Anfang dreißig, die zur stellvertretenden Chefredakteurin der größten deutschen Illustrierten bestellt wird. Die Handlung spielt 1973, als die Welt noch in Ordnung war; jedenfalls aus Sicht der Männer. Entsprechend viele Neider hat Zarah Wolf in der maskulin dominierten Redaktion. Schon der Vorspann, in dem eine Schreibmaschine von einem Lippenstift zertrümmert wird, verdeutlicht den Orkan, der durch die Redaktion fegen wird. (…) Die Serie funktioniert zwar auch, wenn man kein Kind der Siebziger ist, aber sie dürfte Menschen jenseits der fünfzig doppelt so viel Spaß machen, zumal Klassiker von Bands wie Deep Purple, The Doors und den Rolling Stones für die passende Atmosphäre sorgen; Kleidung und Einrichtung tun ein Übriges. Im Unterschied zu vielen historischen Produktionen, in denen die authentische Ausstattung mitunter allzu demonstrativ zur Schau gestellt wird, stellt sich der Zeitgeist hier eher beiläufig ein (Szenenbild: Zazie Knepper). Gleiches gilt für die aus heutiger Sicht wahlweise rückständig oder radikal wirkenden Haltungen der verschiedenen Figuren. Sie müssen ihre Positionen nicht deklamieren, weil sie aus ihrer Sicht selbstverständlich sind; das haben Eva und Volker A. Zahn (Buch) und Richard Huber (Regie) ganz vorzüglich gelöst. Klugerweise hat das Trio darauf verzichtet, die Titelfigur zur verbissenen Emanze zu machen. Zarah ist eine Frau mit Prinzipien, aber ohne Scheuklappen; und dank Claudia Eisinger nicht nur sehr rothaarig, sondern auch ziemlich attraktiv. (…) Angesichts nicht nur des Anspruchs, sondern auch der teilweise deftigen Dialoge erscheint die ZDF-Kombination mit der Familienserie „Das Pubertier“ recht gewagt.

— „Blickpunkt:Film“

(Alice) Schwarzers Biografie wurde für das Drehbuch von „Zarah“ erschöpfend geflöht. Wie die „Emma"-Gründerin verschmilzt die Journalistin Wolf mit der Aktivistin. Auch Wolf liebt Frauen. Und es kommt zu einem nächtlichen Aufeinandertreffen mit einer ins französische Exil geflüchteten Filmdiva, die an ihrer deutschen Heimat leidet und Halt sucht im Alkohol. Die Champagnernacht, in der Romy Schneider der Journalistin Schwarzer ihr Herz ausschüttet, gab es wirklich. Eine Serie über Feminismus funktioniert beim breiten Publikum vermutlich nur, wenn sie in der Vergangenheit spielt. In der Retrospektive verliert jede Bewegung ihre Bedrohung. Die Schlachten sind geschlagen. Der Trick besteht darin, dass das, was Frauen wie Wolf im Film erreichen wollen, heute Konsens ist. Das zwingt den Zuschauer auf ihre Seite, selbst männliche. (…) Mit „Zarah“ ist dem ZDF eine Hommage an die Zeit des großen Journalismus gelungen, die zugleich eine Demontage ist. Magazine bestimmten damals, worüber die Republik sprach. Blattmacher waren Fürsten; von Cognac und Zigaretten auf Betriebstemperatur gebracht, drehten sie das große Rad. Frauen waren Staffage.

— „Spiegel online“

Das Tempo ist hoch, die Dramaturgie gut durchdacht. (…)  Und man verzeiht auch gern manche kleine Plumpheit, wenn das Gesamtergebnis derart flott, gutgelaunt und stylish daherkommt. Vier von fünf Lippenstiften!

— „Frankfurter Allgemeine Zeitung“

„Mad Men“ ist mitunter deshalb eine solch gelungene Serie, weil sie in ihrer Deutung über ihre erzählte Zeit hinaus weist, und die 60er Jahre nicht als ein museumshaftes Panoptikum darstellt. „Mad Men“ ist keine pittoreske Sammlung zeitgeschichtlicher Abläufe und aus heutiger Sicht kurioser Lebenssituationen und –ereignisse der Kennedy- und Johnson-Zeit, sondern ein hochpsychologischer, narrativ ambitionierter Stoff, anhand dem wir die Zeit, in der wir leben, reflektieren können, indem er uns eine Welt betrachten lässt, die weit genug in der Vergangenheit liegt, um klar von unserer heutigen unterscheidbar zu sein, und die andererseits aber nah genug ist, um ihre (ungelösten) Konflikte noch in unserer eigenen Welt und Gesellschaft sehen zu können. „Zarah“ ist Ähnliches gelungen. Und – auch das lässt einen Vergleich mit dem brillanten amerikanischen „Mad Men“ zumindest nicht ganz vermessen erscheinen – gleichzeitig sind Zarahs Konflikte nicht allein Aneinanderreihungen der gesellschaftlichen Dramen ihrer Zeit. Natürlich: Es geht um die Abtreibungdebatte. Es geht um feministische Forderungen. Es geht um die Auseinandersetzung der damals jungen Generation mit ihren Eltern über deren eigene Nazi-Geschichte. Aber «Zarah» hakt diese Ereignisse und kulturgeschichtlichen Themen nicht mit einer Abtreibungs-, einer Nazi-, einer Baader-Meinhof- und einer Feminismusfolge ab. Diese Auseinandersetzungen geschehen subtiler, gradueller, kurz: einnehmender. (…) „Zarah“ ist nicht so sehr eine Serie über eine bestimmte Zeit, als vielmehr eine Serie über zeitlose Themen, die in einer ganz bestimmten Zeit angesiedelt ist – einer Zeit, in der diese Themen besondere Bedeutung haben: Es geht um Auflehnung und Aufbruch, um Werte wie Mut und Integrität. „Zarah“ ist damit eines der wenigen deutschen Period Dramas, das sich nicht mit dem Abfilmen einer pittoresk ausstaffierten Vergangenheit begnügt, vor der Banalitäten abgespult werden, sondern das seine erzählte Zeit als Ausgangspunkt nimmt, nicht nur, um über eine noch nicht lang zurückliegende Vergangenheit zu reflektieren, sondern aktuell allgegenwärtige Themen aufzugreifen: politische wie soziale wie höchstpersönliche, universelle. Und das alles noch dazu sehr klug erzählt, nah an den Figuren, intellektuell scharfsinnig wie emotional ergreifend, toll gespielt und mit sehr hohem Production Value sowieso. Eine großartige Bereicherung der deutschen Serienlandschaft.

— „Quotenmeter“

„Zarah“ ist aber keine Geschichte des Rauchens und Trinkens (und verdiente deshalb auch nicht so große Aufmerksamkeit), sondern eine der Emanzipation. Und dabei ist die Serie auch 40 Jahre später immer noch aktuell. Zarah Wolf muss sich gegen eine Männerriege durchsetzen, die zusammengluckt und sie ausbremst. Als sie sich beim Mittagstisch in der Kantine zu den Kollegen setzt, als diese gerade die Rolle des US-Präsidenten Nixon analysieren, sagt ihr ein Kollege: „Wenn Sie bitte nicht stören würden - wir sprechen hier gerade über Politik.“
Zarah Wolf ist keine reale Figur, aber selbstverständlich - und das geben die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn offen zu - haben sie sich beim Rollenprofil „schamlos in der Wirklichkeit bedient“. Zum Beispiel bei Biografien der Journalistinnen der 60er und 70er Jahre wie Ingrid Kolb (unter anderem „Stern“), Peggy Parnass („Konkret“), Alice Schwarzer („Emma“) oder Wibke Bruhns, die im Mai 1971 als erste Frau eine Nachrichtensendung präsentierte. Als Reaktion darauf ereiferten sich Zuschauer, warum sie sich nicht daheim um Mann und Kinder kümmere.
Ist der Kampf gegen Sexismus und männliche Dominanz veraltet? Mitnichten. Auch heute noch sind es überwiegend Männer, die der Republik die Welt erklären. Wie eine Studie des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock ergeben hat, dominieren Männer zum Beispiel im Fernsehen die Sprecherrollen. In der nonfiktionalen Unterhaltung sind nur vier Prozent Sprecherinnen. Knapp 80 Prozent der befragten Experten sind Männer.
Auch in Zeitungs- und Online-Redaktionen sieht es nicht so viel anders aus. Das Bündnis "Pro Quote", das sich für mehr weibliches Führungspersonal (mindestens 30 Prozent) in den Medien einsetzt, hat ermittelt: Nur drei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen sind Frauen. Nur zwei von zehn Anstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden von Intendantinnen geführt. Und nur jede 20. Regionalzeitung wird von einer Chefredakteurin verantwortet.

— „Rheinische Post“

Unter der Haut

Die Grimme-Preisträger Eva Zahn und Volker A. Zahn schrieben ein starkes Buch über den hochkomplexen Bluterskandal. Regisseur Friedemann Fromm inszenierte die Tragödie spannend wie einen Krimi. Ein klasse Beitrag zum Welt-Aids-Tag, der seit 1988 am 1. Dezember stattfindet. 

— "TV Spielfilm"

„Unter der Haut“ ist wahrscheinlich der unskandalöseste Skandalfilm, den man sich denken kann. Selten sind Aufarbeitung und Anklage eines eigentlich ungeheuerlichen Vorgangs so subtil, so subkutan auserzählt, nicht gezeigt worden. Es geht um den Verlust von Sicherheiten. Den Verlust von Vertrauen. Das wird niemals gefühlig. Niemals laut. Muss es auch nicht. Wütend wird man sowieso.

— "Die Welt"

„Unter der Haut“ spürt dem Bluterskandal der 1980er Jahre nach. Der Film hält sich aber weniger an die Chronologie der Ereignisse. Indem die Autoren Eva & Volker A. Zahn einen Helden erfinden, der das Aids verursachende Bluter-Medikament für einen Segen hält, bevor ihn die Krankheit einholt, lassen sie den Zuschauer hautnah und sehr emotional an seinem Schicksal teilhaben. (…) Ein wahrhaft vielschichtiges TV-Drama, das von einem Skandal erzählt, der den Fluss des Lebens tragisch zum Stocken bringt. Der Film setzt auf eine hohe Sinnlichkeit und genügt so nicht nur thematisch und spannungsdramaturgisch, sondern auch filmästhetisch hohen Ansprüchen.

— Rainer Tittelbach, "Der Fernsehfilm-Beobachter"

Wenn das deutsche Fernsehen historische Themen verfilmt, geht das meistens in die Hose. „Unter der Haut“ ist eine der wenigen Ausnahmen von der Regel und sollte für Autoren und Regisseure als Anschauungsmaterial dienen. So geht Fiktionalisierung von Zeitgeschichte! (…) Das Autorenpaar Eva Zahn und Volker A. Zahn hat für „Unter der Haut“ den selbst an Hämophilie erkrankten Pressereferenten Martin Siedler erfunden, dessen Pharma-Unternehmen wissentlich die verseuchten Gerinnungsmittel vertreibt. Siedler kommt den Machenschaften auf die Spur – und entdeckt an sich Symptome, die mit AIDS in Verbindung gebracht werden. (…) Das Drehbuch ist exzellent, das Leid der Betroffenen genauso wie die Profitgier der Pharma-Industrie werden schmerzhaft deutlich.

— "Neue Osnabrücker Zeitung"

Der Film bleibt in der Ausstattung eher dezent und verzichtet auf größere Ausflüge ins Schauerreich der Schulterpolster und Pastellfarben, das die Achtziger waren. Stattdessen protokolliert er sehr präzise, wie die Aids-Hysterie in dieser Zeit um sich griff und zu beängstigenden Entladungen von Homophobie und zur Ausgrenzung Erkrankter führte.

— "Westdeutsche Allgemeine Zeitung"

Vor dem Hintergrund eines dunklen Kapitels der bundesrepublikanischen Medizingeschichte entwickeln die Autoren Eva Zahn und Volker A. Zahn ihre bewegende und spannende Geschichte. Sie schaffen einen einzigartigen Blick hinter die Schlagzeilen zum „Bluterskandal“. Ihr gut recherchiertes Drehbuch erhebt nicht den Anspruch, den Blutkonservenskandal der 1980er Jahre erneut aufzuarbeiten. Sie wenden sich vielmehr dem Schicksal der Betroffenen zu und erzählen über Aufrichtigkeit, Liebe und über Leben und Tod."

— „Kölnische Rundschau“

Eva und Volker A. Zahn erzählen die Geschichte konsequent aus der Sicht eines Betroffenen, können aber gleichzeitig die skrupellose Perspektive der Pharmaindustrie schildern. (…) Der besondere Reiz der Dramaturgie liegt in diesem Fall im Wandel der Hauptfigur. Sympathieträger ist Martin von Anfang an. Aus seiner Sicht steht es völlig außer Frage, das Medikament zu verteidigen, das sein Leben rettet und damit auch das Unternehmen, für das er arbeitet. Dass ihn das zum Täter macht, kann oder will er nicht ahnen. (…) Aber dann wird Martin selbst zum Opfer und nun auch zum klassischen Helden, der den Kampf gegen übermächtige Gegner aufnimmt und sich dafür ausgerechnet mit jener Frau verbündet, deren Ansehen er kurz zuvor zerschmettert hat. Dass er seinen eigenen Kampf längst verloren hat, macht die Sache umso tragischer.

— „Stuttgarter Zeitung“

Eine clever konstruierte Geschichte, spannend wie ein Krimi erzählt. Fünf von fünf Punkten.

— „Thüringer Allgemeine“

Anklagend und sehr berührend.

— „TZ“, München

Eine aufrüttelnde fiktionale Annäherung an jenen Medizinskandal, der das Land in Atem hielt. Die Breitseiten gegen Lobbyismus sind aktueller denn je.

— „TV Digital“
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Tatort - Borowski und die Kinder von Gaarden

„Die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn haben ein Sozialdrama konzipiert, das die Realität, wie es sie wohl in vielen deutschen Großstädten gibt, authentisch nachzeichnet. Gut gemacht ist auch die Inszenierung: Regisseur Florian Gärtner arbeitet mit düsteren Bildern und beklemmender Musik. Und der Zuschauer rätselt kräftig mit. Denn leicht haben es die Kieler Ermittler nicht. Während Borowski auf dem harten Pflaster um seine Autorität ringt, wird Brandt von ihrer eigenen Jugend eingeholt, als sie ihren ehemaligen Nachbarn, den Gaardener Polizisten Thorsten Rausch (Tom Wlaschiha), wiedertrifft. Nicht nur die erwachsenen, auch die jungen Darsteller spielen glaubhaft. Sehr sehenswerter „Tatort“, auch, weil man ganz schön schluckt. Im Gaardener Sozialghetto bekommt ein Hund mehr Liebe als ein Kind.“

— „Kölner Stadt-Anzeiger“

Der Kieler Stadtteil Gaarden, ein ehemaliges Werftarbeiter-Viertel, wird heute in den Medien auch mal mit dem Begriff „Ghetto“ oder gar „No-go-Area“ beschrieben. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, der Anteil von Migranten ebenso. Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei wird zitiert, wonach viele Beamte sich versetzen lassen wollen von dort, da es das „schwierigste“ Polizeirevier Schleswig-Holsteins sei. „Borowski und die Kinder von Gaarden“ bringt nun das echte Problemviertel mit dem coolsten aller Tatort-Ermittler zusammen, der sich in diesem Fall weder von Kindern mit Kopfläusen noch von Mädchen mit dem Namen Sheryl aus der Ruhe bringen lässt. Großartig, wie Axel Milberg die Formulierung „ein interessanter Name“ gerade so angespitzt ausspricht, dass man ahnt, was er von Eltern hält, die in Norddeutschland ihren Töchtern den US-TV-Serien-Namen Sheryl geben. Noch großartiger, wie er sich von Sibel Kekilli als Sarah Brandt auf einem hoch umzäunten Bolzplatz einschließen lässt, sich gemütlich in den Staub setzt und wartet, um widerspenstige Jungs zu einer Aussage zu bewegen. Man könnte es auch Freiheitsberaubung nennen. Andererseits: die Jungs haben Borowski „alter Mann“ gerufen – nicht angenehm für einen Best-Ager. (…) Während vergangene Woche der neue Berlin-Tatort in jeder Hinsicht am großen Rad drehte, bleibt es in Kiel bei den kühl-präzisen Zahnrädchen. Diesmal nach einem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn, in der Regie Florian Gärtners. Dass in Gaarden ruinierte Familien leben, ist ohne viel Aufhebens Thema. Und auch, dass die Kinder in diesen ruinierten Familien nur versuchen, sich mit Ruppigkeit und Zynismus irgendwie durchzuwurschteln. „Ein Richtig gibt’s hier nicht“, sagt Timo, ein 15-Jähriger, der angeblich von dem Ermordeten missbraucht wurde, vor allem aber wohl von seinen Altersgenossen, die diese Behauptung und ein verwackeltes Video fröhlich ins Netz stellten.

Timo steckt seine beruflichen Ziele nicht hoch, er wäre schon froh, wenn er Schiffsmechaniker werden könnte, „das hieß früher mal Matrose“ erklärt er Borowski. Aber auf die meisten seiner Bewerbungen bekam er nicht einmal eine Antwort. „Borowski und die Kinder von Gaarden“ vermeidet jede Sozialromantik, zeigt aber, wie die Dinge sind.

— „Frankfurter Rundschau“

Eva und Volker A. Zahn haben das Buch geschrieben und ihre Mördersuche eingebettet in einen dauerhaften Clash der Kulturen. Sie haben sich Axel Milbergs Kommissar Borowski ausgesucht. An ihm demonstrieren sie die Distanz, die zwischen den Welten liegt. Borowski, der feine, immer ein bisschen blasierte und distinguierte Charakter steht plötzlich vor Kids, die nichts mehr zu verlieren haben, die seine qua Amt gegebene Autorität in Sekunden dekonstruieren, die für seinen Dienstausweis nur ein müdes Lächeln überhaben.
Anfangs ekelt sich Borowski, dann zeigt er erste Anzeichen von Empathie. Er spürt, dass diese Kinder nichts können für die Lage, in der sie festkleben. Er kann nach Feierabend raus aus diesem Elend, sie nicht. Axel Milberg spielt diese leise Annäherung sehr behutsam aus. Nur langsam schleicht sich das Verständnis in die ruppige Art seines Borowski, der immer auch etwas Bohemianhaftes mit sich trägt. Borowski lebt davon, dass er ein wenig über den Dingen schwebt, aber noch nie wurde seine kunstvoll zelebrierte Distanz so krass dekonstruiert wie in diesem Film.
Nebenbei muss er schließlich auch noch beobachten, dass seine Assistentin mit dem Dorfbullen anbändelt. Den kennt sie von früher. Sie mag ihn, obwohl er sich ziemlich albern als Cop von amerikanischem Sonnenbrillenzuschnitt inszeniert. Früher war sie die Kleine von nebenan und er der Chef der Clique, aber jetzt könnten sich die Dinge drehen, denn die Fassade, die er vor sich herträgt, wird von Anfang an als brüchig gezeichnet.
Die eigentliche Sensation in diesem als Krimi getarnten Sozialdrama sind allerdings die jugendlichen Darsteller. (…) Bruno Alexander und Amar Saaifan heißen die Darsteller von Tim und Leon. Sie sind die Stars in diesem Film, sie fallen nicht einmal aus der Rolle, denn alles entwickelt sich aus einer inneren Logik, einer Logik, die in diesem Stadtteil offenbar Gesetzeskraft hat.
Am Ende ist keiner glücklich, aber alle sind bedrückt, denn die Auflösung des Falls kann niemanden zufriedenstellen. Und wieder mal lernt man den „Tatort“ hassen, weil er den Zuschauer nach dem Abspann in die pseudojournalistische Hölle von Günther Jauch entlässt.

— Hans Hoff, „DWDL“

 Die „Tatort“-Episode glänzt jedoch nicht nur durch seine Besetzung, sondern auch durch seine Story. Auf einfühlsame Weise zeichnet der Film ein trauriges Bild von einer sozialen Realität. Darin kämpfen vernachlässigte Kinder mit ihrem Grundbedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuneigung, das in den falschen Händen schnell ausgenutzt wird. Wie schnell so eine Erfahrung ein ganzes Leben ruinieren kann, wird ebenfalls im „Tatort“ deutlich. „Borowski und die Kinder von Gaarden“ thematisiert eine unschöne Wahrheit, denn die Geschichte beruht auf einem echten Fall. Sie sorgt sicherlich nicht für ein Gute-Laune-Gefühl. Doch dafür ist der „Tatort“ auch nicht bekannt. Vielmehr glänzt diese Folge mit einem gelungenen Beispiel, bei dem ein Krimi es schafft, den Zeigefinger zu heben, ohne in moralische Plattitüden abzudriften. 

— „Focus“

„Borowski und die Kinder“ zeigt einmal mehr, dass der Kieler TATORT zu den besten zählt.

— Frankfurter Allgemeine Zeitung

Dialoge von berückender Lakonie

— „Neue Zürcher Zeitung“

In Gaarden war noch nie ein „Tatort“ zu Hause. Vielleicht weil Klaus Borowski, dieser Menschen- und Sätzeabschmecker, dieser empathische Autist von einem Kommissar, hier so gar nicht hin passt. Er hat keine Sprache, keinen Ton für diese Welt. Kaum ist er da, will er weg. Weg vom toten Onno, der wegen Kindesmissbrauchs im Knast war. Weg von den Kindern, die bei Onno Pornofilme guckten und soffen und Borowski nicht ernstnehmen. Weg vom Kollegen Thorsten "Rauschi" Rausch, dem zwielichtigen Supercop von Gaarden.
Schnell den Fall abschließen und weg gehen. Frau Brandt geht da mit. Aus anderen Gründen, sie kommt von da, sie kennt dieses Kindsein, in ihr ist noch das Nervengift. Schnell geht aber in diesem Fall gar nichts. Die Bilder sind körnig. Es ist Sommer. Er sieht manchmal aus wie einer aus den Siebzigern. Die Kamera zuckt, schlägt aus, hält sich fest an den Gesichtern. Und langsam, ganz langsam bringt die Geschichte von Timo und Leon, Yilmaz, Bojan und Sheryl und den anderen Kindern von Gaarden, dieses Sozialdrama mit Kriminalfallkontamination Borowski an den Rand seines Selbstverständnisses als Kommissar. Gaarden passt ihm wie ein viel zu kleiner Anzug. Er klebt hier fest wie ein Schmetterling am Fliegenband. Er tut einem leid. (…). Du kannst, sagt mal eins der Kinder von Gaarden geradezu prophetisch, hier entweder „alles falsch oder ganz falsch machen, richtig gibt's hier nicht“.

— „Die Welt“

Am Ende werden alle offenen Fäden zueinander geführt und die Folge trifft auch in heiklen, sensiblen Momenten den richtigen Ton. Gut. Nein, sogar sehr gut.

— „Die Presse“ (Österreich)

Klar, der Tatort ist negativ - aber nicht auf eine strapazierende Art. Ein bisschen erhobenen Zeigefinger kann das Drehbuch von Eva Zahn und Volker A. Zahn durchaus verkraften, ohne aufdringlich zu wirken. Wie oft kommt es denn auch vor, dass sich mit einem so schwerwiegenden Thema vergriffen wird - ermordete Kinderficker sind eben plakativ, und als Sympathieträger sowieso ungeeignet. Eine Vorverurteilung findet dennoch nicht statt: Die Perspektive liegt auf den Kindern, deren Moral sich allzu sehr unterscheidet von denen, die vor den Fernsehsesseln richten.
Was nützt sie auch, die Moral. Selbst Rauschi the legend hat längst aufgegeben, außerdem deutet irgendwann alles darauf hin, dass Steinhaus selbst das Opfer dieser perspektivlosen Kinder wurde, da spielen auch verfängliche Videoaufnahmen in eindeutig zweideutigen Situationen keine Rolle mehr. Vielleicht ist diese Darstellung des stigmatisierten Opfers nicht gewagt, sondern einfach nur konsequent. Überhaupt scheint sich der Kieler Tatort ein wenig mehr rausnehmen zu dürfen. Und das ist gut so. Ein großartiger Film. Unbedingt mehr davon, bitte!

— „Potsdamer Neueste Nachrichten“

Prekariats-Western

— „Spiegel online“

Was das glaubwürdig geschriebene und authentisch inszenierte Sozialdrama erträglich macht, ist die menschenfreundliche Haltung Borowskis. Axel Milberg spielt den Fahnder als besonnenen Beobachter und sensiblen Befrager. So entwickelt er zunehmend Sympathie für die beiden Scholz-Brüder. Umgekehrt heißt Menschenkenntnis für Borowski nicht zwangsläufig, für alle und alles Verständnis zu haben. Das soziale Misere lässt sich kaum verändern
Das spürt gerade seine Kollegin, deren Mangel an Feingefühl in krassem Missverhältnis zu ihrer ausgezeichneten Kenne der digitalen Welt steht. Und ausgerechnet mit dem schillernden Vorort-Cop Rausch, der sich als Großstadt-Cowboy gefällt, beginnt Brandt einen unbedachten Flirt. Gottlob verhütet Borowski Schlimmeres. Gerade weil die beiden Fahnder nur bedingt harmonieren, erweist sich das Duo als starkes Team. Am Ende hat es einen Fall mit einer ungewöhnlichen Wendung aufgeklärt. Zugleich macht der Film klar, dass sich die gezeigte soziale Misere kaum verändern lässt. Kein Wunder, dass sich die Kamera zum Schluss behutsam von der Szene zurückzieht. Schön wirkt sie nur aus der Vogelperspektive.
Fazit: Starkes Sozialdrama mit Top-Team!

— „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“

So etwas bezeichnet man wohl als schlechtes Timing: Am Ende dieser Katastrophenwoche hätte die "Tatort"-Nation ein wenig Ablenkung gut vertragen können. Vielleicht mit ein paar Kalauern von Thiel und Boerne mal wieder lachen wollen. Oder sich vom durchgeknallten Felix Murot aus Wiesbaden überzeugen lassen, dass Logik und Alltagszwänge nicht immer das letzte Wort behalten müssen, dass es aus der Tyrannei des Faktischen Auswege geben kann.
An diesem Sonntag war allerdings ein Kiel-"Tatort" terminiert. Einer von der düstersten Sorte, der schonungslos die Schattenseiten der Wohlstandsgesellschaft beleuchtet. Die Folge "Borowski und die Kinder von Gaarden" spielt in dem gleichnamigen Kieler Stadtteil, einem sozialen Brennpunkt. Hier sind viele Menschen ohne Arbeit und Hoffnung. Der Film zeigt heruntergekommene Wohnblöcke. Die Menschen sind auffallend häufig übergewichtig, trinken zu viel, hängen vor der Glotze oder auf den Straßen ab. Insbesondere die Jugendlichen leiden unter der Perspektivlosigkeit. (…) So trist ist die Welt, in die "Borowski und die Kinder von Gaarden" die Zuschauer einführt. Der Film geht dabei sehr behutsam vor. Er beschönigt nichts. Verrät seine Charaktere aber auch zu keiner Zeit, selbst wenn es sich dabei um miese, sadistische Jungs handelt. Gleichzeitig schafft es die Folge nach dem Buch von Eva und Volker A. Zahn, die Düsternis immer wieder mit kontrastierendem Humor ein wenig aufzulockern. Ein sehenswerter "Tatort", dem man einen anderen Ausstrahlungstermin gewünscht hätte.
Am Ende nimmt der Hund Reißaus, auf dem Weg in ein neues, besseres Zuhause. Zumindest er könnte eine bessere Zukunft finden. Zurück bleiben die Menschen in Gaarden. Sie müssen weiterleben, an diesem Ort ohne Hoffnung und Liebe.

— „Stern online“

Das Milieu, in dem sich Armut und Gleichgültigkeit dauerhaft eingenistet haben, fordert den Ermittlern einiges an Sensibilität und Raffinesse ab. Beides bringen auch Buch und Regie auf: Eine Sozial- und Psychostudie ohne Klischees, aber mit Empathie auch für sehr problematische Zeitgenossen

— „TV Spielfilm"
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Mobbing

Annette Pehnt hat diesen Prozess der langsamen Zermürbung eines Menschen, diese bürgerliche Tragödie aus der Angestelltengesellschaft, die tief in eine Familie hineinwirkt, in ihrem Roman „Mobbing" beschrieben, lakonisch, vielschichtig, sprachmächtig. Das Thema ist von gesellschaftlicher Relevanz, wie viel Leid ausgelöst und wie viel Arbeitskraft in Unternehmen inzwischen durch solche schädlichen sozialen Umtriebe blockiert wird, beschäftigt Sozialwissenschaftler ebenso wie Psychologen. Man durfte also durchaus fürchten, dass eine Verfilmung des Stoffes scheitern könnte, wie sollte man auch die ständig wechselnden Zeitebenen der Vorlage, die Innenperspektive der Erzählerin, die Zwischenräume zwischen Wirklichkeit und Wahn, die sich bei den Betroffenen auftun, ins Bild setzen? Aber sie ist gelungen, wofür vor der herausragenden Besetzung und der sensiblen Regie von Nicole Weegmann vor allem die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn verantwortlich sein dürften.

— Stuttgarter Zeitung

Einmal fällt der Satz: „Unsere Arbeitswelt produziert Psychos am laufenden Fließband." Genau darum geht es in diesem Film. Dass eine solche Botschaft unplakativ, im Rahmen des Schauplatzes Haus und Familie, der selten verlassen wird, sowie nach den Regeln des familienkompatiblen TV-Movies filmisch umgesetzt wird, ist eine ungewöhnliche Leistung.

— Barbara Sichtermann, „Tagesspiegel“

Selten wurde ein so ätzendes Thema so gut fürs Fernsehen umgesetzt. Anschauen!

— „Süddeutsche Zeitung“

Nicht nur mit Nachrichtenkompetenz sollten die Öffentlich-Rechtlichen sich in der Debatte um die Rundfunkabgabe schmücken, sondern auch mit solchen Perlen intelligenter Unterhaltung.

— „Osnabrücker Zeitung“

Kongeniale Adaption von Annette Pehnts Roman.

— „epd medien“

In Deutschlands Büros geht es rauer zu, die psychische Belastung steigt. Was das in unseren Seelen anrichten kann, das zeigt dieser unheimlich präzise Fernsehfilm ausschließlich aus Sicht der zunehmend verletzten Ehefrau - fantastische Darsteller und ein differenziertes Skript verbinden sich zu einem klarsichtigen Stück Sozialhorror, das uns nachhaltig schaudern lässt. Das unerbittlich genaue Psychogramm eines Abstiegs.

— „TV Spielfilm"

Der Film verlässt deshalb alsbald sein Themenfeld Mobbing und beackert eine angrenzende Frageflur: An wie vielen Zuschreibungen hängt eine Lebensliebe? An welche äußeren Faktoren ist eine bürgerliche Existenz geknüpft? Und was wird aus alldem, wenn keiner mehr weiß, was wird? 

Mit Eva und Volker Zahn hat die Regisseurin Nicole Weegmann vor fünf Jahren für das mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Fernsehspiel „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ zusammengearbeitet. Wie seinerzeit zum Thema Schüler-Amok gelingt es auch hier, die Geschichte weder in Täter und Opfer noch die Moral in Recht und Unrecht einzuteilen. Stattdessen legen beide Filme eindrücklich frei, wie sehr wir von unseren Lebensumständen abhängen, wie Zukunftsangst und Selbstunsicherheit unsere Urteilskraft prägen und was Sprachlosigkeit anrichten kann.

Der wahre Star von „Mobbing“ ist deshalb nicht der Schauspielstar Tobias Moretti, sondern seine weit weniger bekannte Filmpartnerin Susanne Wolff. In ihren Augen spiegelt sich Anjas anfängliche Bewunderung für ihren Mann, dann das langsam schwindende Vertrauen, der schmelzende Respekt, die unterdrückte Existenzangst, die pure Verzweiflung. Wer sich „Mobbing“ anschaut, wird ihr Gesicht so schnell nicht vergessen. Und einen wichtigen Film zu einem relevanten Thema gesehen haben.“

— Klaudia Wick, „Berliner Zeitung“

Gibt es Frau Dr. Schulz überhaupt? Man sieht sie nicht, kein einziges Mal. Man kennt sie nur vom Hörensagen (…) Und später, als man sich arrangiert hat mit der neuen Chefin des Kulturamts, als das Tuscheln plötzlich aufhört und das Schönreden beginnt, erfährt man da wirklich etwas von Frau Dr. Schulz, der behaupteten Vorgesetzten-Katastrophe, die die Mitarbeiter erst demütigt, dann kaltstellt, zermürbt, immer hoffend, sie würden von sich aus kündigen?
Man weiß es nicht, man erfährt es nicht wirklich. Und die Frage wird bis zum - bitteren - Schluss zwar gestellt und umkreist, aber nicht dingfest gemacht und beantwortet in diesem Fernsehfilm, der wieder einmal zeigt, dass es erst eines Drehbuchs mit außergewöhnlichen Qualitäten und klugen Entscheidungen bedarf, um einen außergewöhnlich guten und klischeefernen Film zu drehen. (…) Eva und Volker A. Zahn, das drehbuchschreibende Ehepaar, ist bekannt für Sozialstücke, die auf unsentimentale, aber nachhaltig emotional wirkende Weise aufrütteln. Ihre Arbeiten haben stets ein Anliegen und eine Haltung, aber es könnte sein, dass man davon auf den ersten Blick nichts merkt. Auch in „Ihr könnt euch niemals sicher sein“, dem mit Preisen bedachten Film über einen Jugendlichen, der einen Amoklauf an seiner Schule zu planen scheint, liegen die Dinge nicht so einfach, wie man sie sich vielleicht wünscht. Mit Nicole Weegmann hatte dieser Film eine Regisseurin, die in angmessen kalten und hoffnungsfernen Bildern die wachsende Verzweiflung des Jungen visuell zu übersetzen vermochte. Auch in „Mobbing“ ist Nicole Weegmann die Regisseurin, und wieder gelingen ihr Szenen von großer Intensität, welche die (unaufhaltsame) Verfallsgeschichte einer großen Liebe und einer vorbildlichen Familie sowie ihrer sozialen Beziehungen zeigen.

— Heike Hupertz, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“

Was macht die Arbeit mit dir und deiner Familie? Das ist die Frage, die in dem leisen, aber verstörend expliziten Psychodrama ‘Mobbing‘ im Vordergrund steht. Die Filmemacher (Regie: Nicole Weegmann, Buch: Eva Zahn, Volker A. Zahn) sind so konsequent, die Bürowelt komplett auszuklammern, die Chefin etwa kommt gar nicht vor. Aber die Folgen des im Büro tobenden Krieges spiegeln sich präzise in den privaten Verwerfungen. Der Film tut weh, weil er zeigt, dass auch die sympathischsten Eheleute nicht vor dem langen, fauligen Atem des Mobbing geschützt sind. Am Anfang weiß Jo noch genau, dass die Zurechtweisungen der Chefin falsch sind, später löst sich sein Weltbild auf. Warum springen ihm die Kollegen nicht zur Seite? Ist er tatsächlich unfähig? Und überhaupt: Gehört er mit Ende 40 nicht sowieso längst zum alten Eisen? Mit seinem Weltbild löst sich auch Jos Selbstbild auf - und seine Familie. Regisseurin Weegmann hat die gleichnamige Buchvorlage von Annette Pehnt als subtilen Horror mit doppelbödigem Ende in Szene gesetzt: Erst leere Blicke, dann stumme Verletzungen, schließlich läuft Jo wie ein Untoter durchs Haus. Und Anja muss sich fragen: Wer ist der Fremde in meinem Bett? Vielleicht die krasseste Form, Entfremdung durch Arbeit darzustellen. Dabei geht es in ‘Mobbing‘ gar nicht um die konkrete Kritik an den Zuständen der deutschen Arbeitswelt. Aber der Film zeigt, wie unverbrüchlich Erwerbstätigkeit und Sozialleben miteinander verbunden sind. Eine schaurige Erkenntnis dieses Sozio-Horrors: Wer tagsüber im Job zum Zombie wird, der frisst abends die Menschen auf, die er liebt.

— „Der Spiegel“

Was am Arbeitsplatz beginnt, endet im Fernsehfilm „Mobbing" in der Familie. Mobbing ist ein sozialer Zersetzungsvorgang. Ängste, Projektionen, Demütigungen lassen am Ende auch die Liebe sterben. Der fein akzentuiert inszenierte Film von Nicole Weegmann nach dem konzentrierten Buch von Eva &  Volker A. Zahn ist auch ein höchst aufschlussreicher Film über die „Entliebung“ eines Ehepaars. Susanne Wolff und Tobias Moretti gelingt ein furioses Doppel. Sie können sich hinter nichts verstecken: keinen anderen Figuren, keinen Genre-Ritualen, keinem Alltagsgeplänkel. Beziehungshorror zweier angeschlagener Seelen.

— Rainer Tittelbach, „der fernsehfilm-beobachter“

Mindestens eine Million Deutsche fühlen sich am Arbeitsplatz gemobbt, davon etwa ein Drittel von ihrem Chef. Ein Fakt, den die Grimme-Preitsträger Eva und Volker A. Zahn zu einem beklemmenden Drehbuch verarbeitet haben. Dabei konzentrieren sie sich voll auf die verheerenden Konsequenzen für das Privatleben des Opfers. (…) Brillante Schauspieler, packende Inszenierung: Ein TV-Stück, das unter die Haut geht und lange nachwirkt.

— „Stern“

„Mobbing" löst beim Zuschauer Betroffenheit und Mitleid gleichermaßen aus, ohne dass effektvoll die Tränendrüse gedrückt worden ist. Wann erreicht ein Fernsehspiel noch so eine Wirkung? Diese Romanverfilmung ist ein überaus gelungenes Beispiel dafür, dass auch in Deutschland schwierige Stoffe adäquat für das Fernsehen aufbereitet werden können.

— „Hamburger Abendblatt“
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Tatort - Blackout

Reichlich Gelegenheit, dass sich Odenthal geschmeidig in die Geschlechtsgenossinnen einfühlen könnte. Aber an dieser Art von Betroffenheitsgymnastik hat das Autorenduo Eva und Volker A. Zahn zum Glück kein Interesse. Die Drehbuchautoren haben zuvor das Mittelstandsdrama „Mobbing" geschrieben, in dem ein Angestellter unter dem Zermürbungstechniken seiner Arbeitgeberin zur leblosen Hülle verkommt. Hier wiederholt sich gleichsam der Mechanismus an Lena Odenthal. Die Arbeit setzt ihr zu, sie verliert nach und nach ihre Empathie. Das Leiden der betrogenen Ehefrau lässt Single Lena kalt, fast sadistisch rattert sie die Affären ihres Mannes vor der Trauernden runter, die sich danach in der Badewanne die Pulsadern aufzuschlitzen versucht; vor den flehentlichen Annäherungen des Opfers nimmt Odenthal geradezu Reißaus. Das Einfühlungsvermögen ist weg, jedes ihrer Worte wirkt wie ein Hieb, und was wollen die anderen überhaupt immer von ihr? Lost in Ludwigshafen. (...) Odenthal, so egoman und ausgebrannt wie noch nie. (…) Nach längerer Durststrecke endlich mal wieder ein „Tatort" aus Ludwigshafen, der einen anfasst. 

— Christian Buß, „Spiegel“

Wie also umgehen mit einer gewissen Feierlichkeit, die daher rührt, dass Frau Odenthal just in jenem Moment auftauchte, in dem die Mauer verschwand, ohne dies gleich mit sozialpolitischem Klimbim zu überfrachten? Mit dem üblichen Dienstaltersgeschenk ist es aber auch nicht einfach getan. Die Autoren Eva Zahn und Volker A. Zahn finden in der Jubiläums-Folge „Blackout“ diesbezüglich eine gute Mischung, welche die Vergangenheit mitnimmt und gleichzeitig in die Zukunft weist. Damit machen sie allerdings nicht zuletzt auch geschickt ein Hintertürchen auf für den Fall, dass der Facelift in Ludwigshafen partout nicht mehr gelingen sollte. 

— „Neue Zürcher Zeitung“

Für Odenthals  60. „Tatort“ in 25 Jahren haben die Drehbuchautoren Eva Zahn und Volker A. Zahn alle Stellschrauben ihres Charakters angezogen. Dass in „Blackout“ ein Mann brutal vergewaltigt und getötet wurde, ist nicht nur beinahe, sondern tatsächlich Nebensache. Denn der eigentliche Fall im aktuellen Ludwigshafen- „Tatort“ bildet die Kulisse für eine dramatische Odenthal-Studie. (…)„Blackout“ ist ein nicht uninteressanter Krimi. Er ist aber vor allem eine sehr interessante, sehenswerte Charakterstudie der Lena Odenthal. Ulrike Folkerts schenkt ihrer Figur zum 25. Jubiläum ihr bestes Schauspiel.

— „Focus“

Mit „Blackout“ ehrt der SWR Lena Odenthal (und selbstredend auch Ulrike Folkerts), die ihren Dienst im Oktober 1989 angetreten hat und somit dienstälteste „Tatort“-Kommissarin ist. Ihr sechzigster Fall ist einer der schwersten, und das keineswegs bloß, weil es nach der Vergewaltigung und Ermordung eines Unternehmers nur Vermutungen, aber keinerlei Hinweise auf mögliche Täter gibt. Seinen Reiz bezieht der Film jedoch aus der Hauptfigur: Seit geraumer Zeit leidet die Hauptkommissarin unter Schlaflosigkeit. Nicht nur der Beruf zehrt an ihrer Substanz, auch die Furcht vor der Einsamkeit. Von einer forschen jungen Kollegin muss sie sich gar darauf hinweisen lassen, sie sei schließlich nicht mehr die Jüngste.

In der harmonischen Verknüpfung dieser beiden Ebenen liegt die große Qualität des Drehbuchs von Eva und Volker A. Zahn, denn auch bei den Ermittlungen spielt die Einsamkeit des modernen Menschen immer wieder eine Rolle. Schon der Einstieg, ein Flug übers nächtlich illuminierte Ludwigshafen, zeigt die pfälzische Stadt als anonyme Metropole, in der schließlich eine junge Frau mutterseelenallein und offensichtlich orientierungslos über die Rheinbrücke irrt. Am Ende wird sich der Kreis schließen; nun steht die Kommissarin allein auf der Brücke. Allein dieses dramaturgische Detail zeigt, wie sorgfältig Buch und Regie den Film gerade auch bildsprachlich konzipiert haben. Der Fall tut ein Übriges, denn er konfrontiert die Polizistin mit fast allen nur denkbaren menschlichen Abgründen.

— Tilmann P. Gangloff, „Blickpunkt:Film“

Ausgerechnet in der Jubiläumsfolge gerät Lena Odenthal in die Krise. In ihren fünfundzwanzig Dienstjahren hat sich die sportlich-toughe Ludwigshafener Ermittlerin zwar nach und nach gewandelt und wurde lockerer, mitfühlender und reifer. Doch die Entwicklung, die ihre Figur in „Blackout“ nimmt, ist ziemlich radikal – und doch schlüssig. Zugleich bringt diese Entwicklung das erstarrte personelle Gefüge im Kommissariat in Bewegung.
Der frische Wind kommt in Person von Johanna Stern, verkörpert von Lisa Bitter, die unter Hasko Weber im Stuttgarter Schauspiel engagiert war – jetzt ist sie die „operative Fallanalytikerin“ vom LKA, die den urlaubenden Mario Kopper vertritt: jung, forsch, faktenfixiert und dazu als verheiratete Mutter eine Frau mit perfekter Work-Life-Balance. Johanna Stern, künftig fest im Team, ist der Spiegel, in den Lena Odenthal schaut. Und was sie sieht, bringt sie zu Fall: eine Frau um die fünfzig, die nur für den Job lebt – das Einzige, was sie hat, sind ihre Katze und Spaghetti-Rotwein-Abende mit ihrem Kollegen und Mitbewohner Kopper. Diese existenzielle Krise gräbt sich ins Gesicht der Kommissarin: hängende Mundwinkel, müder Teint – Odenthal läuft mit Leichenbitter-Miene durch den gesamten Film. Dabei wirkt das Versagen nie aufgesetzt, so dass Ulrike Folkerts jenseits leidiger Krimi-Routinen endlich auch mal ihr souveränes Spiel zeigen kann, etwa wenn sie einem Barkeeper ihre größte Angst anvertraut: dass sie irgendwann tot in ihrer Wohnung liegt und die Katze anfängt, sie aufzufressen. Dass es dem Drehbuch dazu noch gelingt, den Fall nicht zur Nebensache zu degradieren, sondern die Geschichte eines Rachemords mit dem privaten Erzählstrang zu verweben, macht „Blackout“ durchweg sehenswert. Spannend, wie es mit dieser Lena Odenthal weitergeht.

— „Stuttgarter Zeitung“
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Tatort - Scherbenhaufen
Kapitalismus-Schelte auf Schwäbisch: Ein Porzellan-Patriarch wird beschossen, sein Unternehmen bricht auseinander, die Söhne bekriegen sich. Nach etlichen affigen Modernisierungsversuchen kommt der Stuttgarter „Tatort“ mit einem soliden Mittelstands-Krimi endlich bei sich selbst an. (…)Seit vor ziemlich genau vier Jahren die Ermittler Lannert und Bootz an den Start gegangen sind, musste der SWR-„Tatort“ etliche Modernisierungsversuche über sich ergehen lassen. Gleich in der ersten Folge gab es affige Verfolgungsjagden mit röhrenden Motoren, die letzte kam als manieristischer Rache-Krimi mit allerlei albernen Tötungstechniken daher. Aber so, wie man aus einer Porzellanfabrik lieber keinen Autozuliefererbetrieb machen sollte, sollte man aus dem Schwaben-Krimi kein Cop-Reißer machen: Da kann die regionale Rest-Identität nur flöten gehen. So gesehen finden die Macher von „Scherbenhaufen“ (Buch: Eva Zahn und Volker A. Zahn) die richtige Tonalität für ihr Mittelstands-Drama: Ränkle im Ländle, verbunden mit Kapitalismus-Schelte, das ist eine interessante Stoßrichtung. Stark auch, wie im einstigen Revier des „Tatort“-Oberschwaben Bienzle das Mundartliche zurück in den Krimi geholt wird. Hier schwätzt eben nicht der alte Patriarch Schwäbisch, sondern sein Sohn, der sich auf die Werte seines Großvaters rückbesinnen will. Globalisierungskritik im Spießergewand - wenn das nicht Schwäbisch ist.
— „Der Spiegel“
Das Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn umreißt nicht nur die Probleme moderner Unternehmer, von der Frage der Erbfolge über den Innovationsdruck bis zum Auftreten gegenüber Mitarbeitern. „Scherbenhaufen“ erzählt, auf einer zweiten Ebene, mit der Figur des Rudolf Bischoff vom Drama des modernen Angestellten. Bischoff, der dem Geschirrhersteller ein Leben lang treu diente, bis er plötzlich entlassen wird, gerät rasch ins Blickfeld der Polizisten. Schließlich hat er ein Motiv, und er gibt dem Film sein Thema: wie es aussieht, wenn das Leben eines Menschen zu Bruch geht. Vergeblich versucht es Bischoff mit Psychopharmaka in den Griff zu kriegen. Fünfunddreißig Jahre war er bei den Imbergers angestellt und hat die Firma mit hochgebracht. Nun aber sitzt er wie ein Fossil aus der Vergangenheit in seiner Weingartenlaube und weiß nicht, wie ihm geschieht. Was dieser Mann erlebt, den Bernd Tauber meisterlich zur tragischen Figur hebt, ist ein Albtraum. Deshalb greift er irgendwann tatsächlich zur Waffe, doch nicht, um sie gegen seinen einstigen Firmenchef zu richten, sondern gegen sich selbst. Fast nebenbei erzählt der „Tatort“ von der Brüchigkeit moderner Arbeits- und Lebensverhältnisse, vom Anpassungsdruck und der damit verbundenen Angst. Denn was Bischoff umtreibt, ist nicht nur ökonomische, es ist existentielle Not. Es ist die Angst, ausrangiert zu werden, nichts mehr wert zu sein. Das ist die spannende Geschichte, die den sonst geradlinig, aber eben auch brav erzählten Krimi um Machtstreben, Korruption und Industriespionage am Ende rettet.
— „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Das Autorenduo Eva und Volker A. Zahn serviert solide Wertarbeit, einen klassischen Whodunit mit Verfolgungsjagd zum Finale – endlich ein „ganz normaler“ Kriminalfall, ohne wahnsinnige Serientäter und massenhaftes Blutvergießen. Regisseur Johannes Grieser setzt den clever konstruierten zehnten Fall der Stuttgarter „Tat­ort“-Ermittler souverän und mit einem großartigen Ensemble um. Besonders begeistert Otto Mellies als korrumpierter Patriarch Imberger. Kleine Abzüge in der B-Note gibt es für misslungene Dialektversuche. Lieber Felix Eitner: Er kann alles, außer Schwäbisch.
— „Stuttgarter Nachrichten“
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Tatort - Die Unsichtbare

Der siebte Tatort-Einsatz von Richy Müller und Felix Klare kann sich sehen lassen. „Die Unsichtbare" basiert auf sauberer Recherche und einer hoch wirksamen Dramaturgie, die den klassischen Whodunit geschickt mit Thema, Thrill und großen Emotionen kurzschließt. Es ist nicht nur ein Film der stillen Menschlichkeit und der guten Taten, es ist auch ein Krimi mit einem stimmigen Erzählrhythmus, der weithin von seinen beiden Hauptakteuren, insbesondere Richy Müller, getragen wird. Dazu passt der Cool-Jazz in der ersten Hälfte des Films vorzüglich. Weniger gelungen: der künstliche Sound, der gegen Ende über die Szenen der bedrohten Kinder gelegt wird. Und die Besetzung? Die stimmt: Brambach gibt den Brillenbär, Kranzkowski die graue Beamtenmaus und Bartholomäi den netten Jungen von nebenan. Fazit: Sympathische Ermittler, starkes Thema, einfallsreiche Dramaturgie, empfindsamer Film.

— Rainer Tittelbach, „Der Fernsehfilm-Beobachter“

Die Autoren strickten die stimmige Geschichte um die Kommissare, die im Namen der Gerechtigkeit gegen alle Regeln ermitteln. Das Schicksal der beiden Kinder, die sich allein durchs nächtliche Stuttgart schlagen, geht unter die Haut. Ein eindringliches, authentisches Migranten-Drama.

Die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn recherchierten ausgiebig über Menschen, die ‘komplett recht- und schutzlos sind‘. So entstand ein beklemmend realistisches Bild über Menschen 2. Klasse und deren Kinder, die in besonderem Maße leiden.

— „Hörzu“

So muss ein TATORT sein! Neben dem emotional-spannenden Fall wird auch die aktuelle deutsche Ausländerpolitik kritisch hinterfragt. Ein aufreibender Fall mit kritischem Unterton.

— „TV Movie“
Der neue „Tatort“ des SWR bietet großartige Krimi-Unterhaltung: Er taucht ein in eine Welt, die sich normalerweise vor den Augen des Normalbürgers verbirgt. Das Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn liefert so viele intelligente, spannende und humorvolle Wendungen der Geschichte, dass keinerlei Langeweile aufkommt.
Regisseur Johannes Grieser schafft es, diesen Wendungsreichtum so in Szene zu setzen, dass das Tempo der Geschichte nicht verloren geht, die Bilder aber trotzdem nicht hektisch werden. Dieser „Tatort“ liefert einen guten Grund für einen Sonntagabend auf der heimischen Couch.
— „Augsburger Allgemeine“
In einem spannenden, vielschichtigen Krimi setzt Regisseur Johannes Grieser eindrucksvoll auf die Filmkamera (Jürgen Carle), die hinter Säulen, Mauern und Bäumen hervorlugt, das Geschehen oft als versteckter Beobachter verfolgt, fast wie eine gesuchte Person – ein Gefühl, das die „Illegalen“ nur zu gut kennen. Das Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn hat es vermieden, die Folge als Aufruf gegen allzu strikte Einwanderungsgesetze zu verheizen. Vielmehr zeigen sie – vertreten durch die die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare), welche Risiken Menschen auf sich nehmen, um hierzulande ein – vermeintlich – besseres Leben zu führen. Sie sind nicht anders als alle anderen, doch „ohne Papiere hat man nicht mal kein Konto“.
Ständig bewegt sich das unterhaltsam ausbalancierte Kommissarsduo in Grauzonen, entscheidet nach Gewissen statt nach Dienstvorschrift und führt dem Zuschauer subtil vor Augen, welch großer Luxus Demokratie und freiheitliche Gesellschaftsordnung doch sind. In ihrer polizeilichen Vorgehensweise bleiben die beiden Ermittler zwar hart, dennoch löst das Erlebte große Emotionen bei ihnen aus. Für Emotionen auch beim Zuschauer sorgt die schnörkellose Schilderung des Schicksals von Ella (Ella Zirzow) und Deniz (Lukas Schust) aus. Die Lebensumstände der Kinder der ermordeten Taya machen klar, dass die Schwächsten die Sehnsucht nach einem gelobten Land, das sie nicht haben will, am teuersten bezahlen.
— „Münchener Merkur“
Je höher ein Krimi die Latte seines gesellschaftskritischen Anspruchs hängt, desto schwächer werden Spannung, Action und die Logik der Handlung. Falsch! Dem neuen Stuttgarter TATORT gelang endlich einmal wieder, woran ambitionierte Fernsehfilme oft scheitern. Er trat an gegen Vorurteile, war beste Unterhaltung, packend und aufrüttelnd. Ja, er entwickelte dabei sogar ein schönes Maß glaubhafter Stituationskomik. Denn der Fall bot den Kommissaren Lannert und Bootz eine optimale Spielfläche, um ihr Binnenverhältnis auf eine harte Probe zu stellen. Und zu stärken. Der Bauchmensch an der Seite des korrekten Beamten, das ist eine zeitgemäße Neuauflage des Ermittlerteams Schimanski/Thanner. Auch hinter den Kulissen gaben diesmal kreative Paare den Ton an: Die Hamburger Filmkomponisten Jens Langbein und Robert Schulte-Hemming sorgten für eindrucksvolle Musikakzente, die Kölner Autoren Eva und Volker A. Zahn für das Drehbuch mit sauber recherchiertem Hintergrund. Gewiss, an einigen Stellen trugen sie arg dick auf, wenn Deniz und Ella wie Hänsel und Gretel auf ihrer Flucht immer wieder in Riesengefahr geraten. Diese beiden Geschwister wuchsen in Stuttgart auf, ihre frisch ermordete Mutter aus der Ukraine schlug sich seit Jahren illegal mit ihnen durch. So führen die Ermittlungen schnell in eine Grauzone, wo niemand gern freiwillig mit deutschen Beamten spricht. Alle haben panische Angst vor Abschiebung, Kinder fürchten Sippenhaft: ein perfekter Nährboden für Kriminalität. Nur der Täter selbst war einfach zu blöd für so einen klugen TATORT.
— Uwe Spoerl, „Kölner Stadt-Anzeiger“
Das Drehbuch des Ehepaars Eva und Volker A. Zahn („Ihr könnt euch niemals sicher sein“) bietet also gleich doppelte Spannung, weil die Polizisten nicht bloß den Mörder, sondern auch die Kinder Deniz und Ella suchen. Diese zweite Ebene ist naturgemäß am emotionalsten, zumal Regisseur Johannes Grieser die beiden jungen Darsteller Lukas Schust und Ella Zirzow exzellent geführt hat. (…) Die Qualität des zurückhaltend inszenierten Films liegt nicht zuletzt darin, die für Geschichten dieser Art typischen Fallstricke zu vermeiden: Niemand hält ein Grundsatzreferat über die Lage der Rechtlosen, keiner resümiert das Anliegen des Films in Form eines leidenschaftlichen Plädoyers.
— Tilman P. Gangloff, evangelisch.de
Stuttgart ist eines der jüngsten Ermittlerteams der Tatort-Reihe, was es ähnlich wie  die von Münster oder auch Hannover zur höchsten Zeitgenossenschaft prädestiniert. Nicht so sehr in der Richy-Müller-Figur des Thorsten Lannert, die der lonely wolf ist, den man aus dem Kino kennt, woher ja auch Richy Müller stammt, sondern in der Felix-Klare-Figur des Sebastian Bootz. Der ist der paradigmatische deutsche Mann, den der deutsche Mittelstand in Zeiten der Gleichstellung hervorgebracht hat. Das heißt in Die Unsichtbare etwa, dass die Abendtermine in der Piranha Bar Lonely Lannert überlassen werden, weil Busy Bootz zum Kinderhüten nach Hause muss.
Das gesellschaftspolitische Setting von Die Unsichtbare ist bemerkenswert, insofern der Migrationsdiskurs, der hierzulande vor allem "Illegale" betrifft, in einem - politisch gesprochen - grünen Sinne modernisiert ist. Die Tote am See ist eine Frau ohne Aufenthaltserlaubnis, aber Lannert und schließlich auch Bootz markieren ihre Skepsis gegenüber dem Denunziantentum durch die Einhaltung des Dienstes. Sie interessieren sich nur für den Mord – und die Waisenkinder, die er hervorgebracht hat – und dealen mit allen „Illegalen“ Händel aus, ohne die zuständige Behörde zu alarmieren.
Besonders schön ist die Szene, in der Bootz den Wäschereibesitzer aus Zuffenhausen, der auf die Notlage der „Unsichtbaren“  ein Geschäftsmodell gegründet hat, verrät und die Razzia anordnet – vorher aber den Betroffenen die Möglichkeit zur Flucht einräumt, wie sich am nächsten Tag bei der Befragung durch die dauerverliebte, Spanisch sprechende Staatsanwältin herausstellt. Bei aller Kitschigkeit, die dieser Tatort haben mag – und die vor allem in dem sich verschlechternden Pflegezustand der flüchtigen Kinder anschaulich wird, weil sie irgendwann in den hüstelnden Bedürftigkeitskarikaturen landen, die Waisenkinder im Angesicht des fiesen Mr. Burns bei den Simpsons seit je sind –, er rührt ans Gefühl und am Ende beinahe zu Tränen.
Tief in unserem Herzen wohnt eine sentimentale Seele, die die frühesten Fernseherfahrungen mit Winnetou-Filmen zur Weihnachtszeit nie verkraftet hat – und so ist es, bei aller Kitschigkeit, schön zu sehen, dass das Gute in dieser kalten Welt auch einmal triumphieren kann, wie sich das der Humanismus von Karl May vorgestellt hat. Bangend fiebern wir am Ende nicht der Lösung des Falles entgegen, sondern allein der Frage, ob die Kavallerie noch rechtzeitig kommt, um die kleine Ella mit dem krassen Herzfehler vor dem plötzlichen Tod zu retten. Und ja, auf die Kavallerie ist Verlass.
Die alte Stuttgarter Oben-Unten-Logik, wonach unten die Opfer sterben und oben die Täter wohnen, geht dieses Mal nicht auf: Den Dr. Jochen Winterberg, 400-Euro-Jobber im Ausstellungsbiz für unbekannte russische Dichter, der in der breathtaking Villa seiner Wurstfabrikantentochterehefrau hoch droben wohnt, spielt der große Martin Brambach als interludesken Witz ("Wir sind seelenverwandt"). Das Böse siedelt vielmehr im piefigen Kleinbürgertum des Behördenleitersohnes (Florian Bartholomäi), der aus Rache für die hintergangene, geliebte Mutter selbst vor verachtenswertestem Halbgeschwistermord nicht zurückschreckt. Die Überführung geschieht ihm ganz recht, sagt unser Karl-May-Bewusstsein, und die Verluste für die Wissenschaft in Tübingen, wo er sein Studium antreten wollte, halten sich jetzt, da er ins Gefängnis muss, vermutlich in Grenzen – wenn man dafür zugrundelegt, dass er seinen Umzug schon ohne Vater nicht bewältigen konnte. Dem Vater (Karl Kranzkowski) derweil wird, späte Gerechtigkeit, zwar der Sohn genommen, dafür gewinnt er die Tochter Ella und deren Bruder, deren schulische Leistungen zu größeren Hoffnungen für Tübingen berechtigen.
Und Busy Bootz? Liegt im Bett, wird sich seines privilegierten Daseins bewusst und fängt an, die FDP-Propaganda, die den deutschen Mittelstand mit ihren Abstiegsängsten in Schach hält wie im Mittelalter die Pest ganze Landstriche, in Frage zu stellen: Eine Mittelstandstochter kann auch dann ein glücklicher Mensch sein, wenn sie nicht aufs Gymnasium kommt. Obwohl sie – das ist etwas unlogisch – dauernd „Streberstempel“ einsackt, deren Einführung im Schulheft der Bootz-Tochter nur erzählökonomischen Gründen geschuldet ist (damit man sie nämlich im Schulheft der Ella sofort versteht). Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, und wenn das alle hier begreifen, dann geht die nächste Wahl ganz anders aus. Und eines Tages wird Deutschland, total karlmayhaft, der schönste Platz auf der Welt.
— „Freitag“
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Schurkenstück
Mit „Schurkenstück“ beweist das Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn einmal mehr, dass sich aus dem Aufprall unterschiedlicher Welten spannendes, relevantes und zeitgemäßes Fernsehen entwickeln lässt. In „Ihr sollt euch niemals sicher sein“ (Grimme-Preis 2009), einem Film über einen vermeintlichen Amokläufer an einer Schule, war es der Konflikt der Generationen. In „Schurkenstück“ erscheint die Lage noch aussichtsloser. Der rechtsextreme Timo (Franz Dinda) trifft auf verhasste Ausländer wie den obercoolen Faruk und den stillen Erdal (Arnel Taci). Patrick (Sebastian Urzendowsky) wirkt total verstört, Stefan (Janusz Kocaj) dagegen total harmlos. Seine 82-jährige Nachbarin hat er allerdings aus Jähzorn mit einem Spaten erschlagen. Wie soll dieser schräge Haufen Krimineller miteinander klar kommen? Und, nebenbei: Wie soll man sie dazu bringen, Texte zu lernen, sich diszipliniert vorzubereiten? Allein Pjotr will nicht nur Theater spielen, um die Langeweile im Knast zu bekämpfen. Doch seine russischen Freunde halten wenig davon, dass er organisiertes Verbrechen gegen Schauspielerei tauschen will.
Natürlich ist vorhersehbar, dass die vermeintlich kaputten Typen mehr können, als sie sich selbst zutrauen. Sie sind Persönlichkeiten mit verborgenen Stärken und Hoffnungen, ohne dass nach Entschuldigungen für ihre Taten gesucht würde. Das Wort „Opfer“ ist hier ohnehin ein Schimpfwort, das vor allem auf Patrick angewendet wird.
Der Film kommt uns nicht mit verlogener Moral. Auf der Theaterbühne werden aus Gescheiterten keine Erfolgsmenschen, die sich fortan im Leben zurecht finden werden. Aber man kommt sich beim Proben näher, auch sprachlich, nachdem Fanny Dannewald eine moderne Fassung von Dürrenmatts Klassiker geschrieben hat. Ort des Geschehens ist nun ein Kiez namens Gülle, und die alte Dame ist eine reiche Türkin, die einst von ihrem deutschen Freund mit Baby sitzen gelassen worden war. Das Theater schlägt – eine schöne Phantasie – tatsächlich Brücken. Am Ende sind die Proben eine Gegenwelt zum düsteren und brutalen Knast-Alltag. Rückschläge inbegriffen.
Regisseur Thorsten C. Fischer („Romy“) inszenierte mit „Schurkenstück“ ein kraftvolles Kammerspiel. Beinahe logisch, dass die 30-jährige Katharina Schüttler, auch im wirklichen Leben ein Jungstar des Theaters, für die Rolle der Fanny Dannewald besetzt wurde. Ihre eher zerbrechlich wirkende Statur lässt die Vorstellung, eine solche Frau könne die harten Burschen zu Höchstleistungen treiben, als besonders unwahrscheinlich erscheinen. Aber nur bis zur ersten Szene im Gefängnis, denn Schüttler erreicht scheinbar mühelos die notwendige Präsenz dieser selbstbewussten Frau, die es gewohnt ist, Kommandos zu erteilen. Ihre Fanny ist intelligent und aufmerksam, aber sie macht auch Fehler, zum Beispiel als sie vor der Gruppe ausplaudert, der drogenabhängige Erdal sei auf den Strich gegangen. Konzentriert und genau agiert Schüttler, ohne das Ensemblestück zu dominieren. So glänzen in den jungen Häftlingsrollen vor allem Sebastian Urzendowsky („Guter Junge“) als Patrick, Arnel Taci („Türkisch für Anfänger“) als Erdal und Pjotr-Darsteller Vladimir Burlakov, der bereits in Dominik Grafs Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ aufgefallen war.
Etwas für Theater-Feinschmecker ist die Tatsache, dass Lars Eidinger, wie Schüttler ein Star der Berliner Schaubühne, Fannys Lebensgefährten spielt. Die wichtigere Nebenrolle meistert allerdings Oliver Korittke. Er gibt den Sozialarbeiter Peter Kilian, der im Knast Fanny Dannewalds Ansprechpartner ist, ihr den Rücken freihält, gelegentlich den Kopf wäscht und wohl auch sonst noch gerne einiges für sie tun würde. Aber das ist nicht mehr als eine Andeutung in diesem nuancenreichen Film, der weniger ein Schurken- als ein Glanzstück des Fernsehens ist.
— „Tagesspiegel“
Der Film „Schurkenstück“ (Produktion: Greensky Films) zieht uns von der ersten Minute in seinen Bann, schürt Spannung, hält uns bei der Stange, lässt uns mitfühlen und mithoffen, er versetzt unserer wohlgehüteten Lebenswirklichkeit kleine Schläge, pufft uns, drängt uns, das Eigene, den Kokon aus Alltag, Beruf, Geld und Normalo-Glück, nicht als das Selbstverständliche anzusehen. Diese Erschütterungen kommen auch bei Fanny an, die ihre Herangehensweise überprüfen muss, die eingestehen muss, dass sie von der Situation überfordert ist. Katharina Schüttler macht diese Verunsicherungen für den Zuschauer sehr anschaulich und nachfühlbar. Ebenso präzise zeigt Oliver Korittke in seinem Spiel, dass das Gefängnis eine eigene Welt schafft, mit eigenen Körpern, mit eigenen Sprachen, Ritualen und Statussymbolen. Diese beiden Hauptrollen sind ebenso einleuchtend und feinfühlig besetzt wie gespielt, im Sprachausdruck, in der gegensätzlichen Körperlichkeit, in den jeweiligen Sensibilitäten.
Diesem Paar stehen die jungen Männer des Theater-Ensembles in keinem Moment nach. Jeder von ihnen erspielt sich seine ganz eigene Persönlichkeit, seine eigene Farbe, den eigenen Ton, den eigenen berührenden Moment, in dem die jeweilige Stärke aufscheint. Regisseur Torsten C. Fischer führt dieses Ensemble souverän und lotet die Abstände zwischen den Figuren ebenso aus wie die Räume, in denen sie sich bewegen. Dabei vermittelt der Drehort – es wurde überwiegend in einer Justizvollzugsanstalt gedreht – die nötige Raumglaubwürdigkeit, das unabweisbar echte Raumgesicht. Fischer, der ein Gespür für Verzweiflungstiefen und Randständige hat, schafft auch Bilder, die den Alltag und das Darüberhinaus beschreiben, Bilder die realistisch erzählen, in denen aber schon der Wunsch steckt, das alles hinter sich zu lassen und zum „Himmel“ aufzusteigen und über das alte Dasein abzulachen. Dabei kommt dem Regisseur das gut recherchierte und sorgsam aufgestellte Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn zugute, ein Autorenpaar, das oft genug engagiert, einfühlsam und eigenwillig erzählt.
Das Experiment geht gut aus, der Film kommt an ein gutes Ende, die Inszenierung wird ein Erfolg. Aber der Film macht uns nicht weis, dass damit alles gut sei, dass das ein Happy End sei, denn der Mörder bleibt ein Mörder, der Junkie bleibt ein Junkie und in die Zelle kehrt jeder von ihnen zurück. Der Film verhebt sich auch nicht an der Monster-Thematik „Schuld und Sühne“, sondern er zeigt ein Teilstück, einen Lebensausschnitt, ein Stück gelungener Resozialisierung. Der Film plädiert unaufdringlich dafür, Menschen hinter Gittern nicht verkommen zu lassen. Auch für sie muss es Perspektiven geben, Bildungsabenteuer, die zum Guten ausschlagen können. Wer will, kann diesen Film als kleine Schulung zum tieferen Sehen und Verstehen annehmen. Jeder hat einen zweiten, dritten, vierten Blick verdient, denn bei manchen kann man sich nie sicher sein, wer sie sind, wohin sie gehen und ob sie unsere Blickbemühungen verdienen. Der Film (1,90 Mio Zuschauer, Marktanteil: 6,4 Prozent) hat es jedenfalls verdient, mit allen wachen Sinnen gesehen zu werden. Sicherlich einer der Höhepunkte des Fernsehjahres 2010.
— Torsten Körner, „Funkkorresondenz“
Jung, aber laut Pressetext schon „gefragt“ und sehr erfolgreich ist Fanny Dannewald (Katharina Schüttler), eine Theaterregisseurin, die ein Experiment wagen will: mit einer Gruppe krimineller Jugendlicher in der Haftanstalt ein Theaterstück einzustudieren, um es vor Publikum auf die Bühne zu bringen. Warum tut sie das? Was ist ihr Motiv? Es wird nicht näher erklärt. Aber das ist kein Mangel, sondern eher eine Stärke dieses an Stärken reichen Fernsehfilms.
Denn die Drehbuchautoren Zahn belasten ihre Figur nicht mit erbaulichen Texten über den Sinn eines Resozialisierungsprojekts. Fanny sucht schlicht die professionelle Herausforderung. Sie will sich und anderen beweisen, dass sie auch aus jugendlichen Kriminellen ein Ensemble formen kann, das sich von dem, was sie ihnen zu bieten hat - Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“, auf heutige soziale Verhältnisse umgeschrieben - überzeugen lässt. Und Katharina Schüttler spielt diese Person mit einer so bezwingenden Unerschrockenheit, dass man von der ersten Szene an gefesselt ist, dass man mit ihr geht und sich gespannt fragt, wie ihr das wohl gelingen wird. Dass es gelingt, ist natürlich keine Überraschung. Scheitern bei einem solchen Projekt kommt, schon aus dramaturgischen Erwägungen, nicht infrage. Erst recht nicht bei einem Fernsehfilm zur Primetime. Es geht also vielmehr darum, wie sich die Gruppendynamik bis zum Tag der Aufführung entwickelt, welche Charaktere aufeinandertreffen, mit welcher Überzeugungskraft es der Regie, dem Drehbuch, der Bildgestaltung und den Schauspielern gelingt, aus dem Zusammenprall zweier so unterschiedlicher Welten wie Kunst und Knast mehr zu machen als stereotypen Sozialkitsch.
Und es gelingt. (…) Noch etwas lauter hört man die Moral am Ende trapsen, wenn Pjotr den Text seiner Rolle der zur rachsüchtigen Rapperin modernisierten „alten Dame“ spontan ändert: Er weigert sich, den Satz „tötet ihn“ auszusprechen, und überantwortet die Entscheidung  seinen Mitspielern. Da wirkt die Botschaft, der Gewalt bis in die Kunst hinein abzuschwören, dann doch etwas zu dick aufgetragen. Aber das sind Marginalien, gemessen an der suggestiven Kraft, mit der dieser Fernsehfilm die Spannung hält, die sich im Interagieren der Figuren aufbaut. (… Man könnte über jeden Einzelnen der Schauspieler ins Schwärmen kommen. Auch wenn man den Figuren, die sie verkörpern, in der Wirklichkeit nicht unbedingt begegnen möchte. Oder vielleicht liegt die größte Stärke dieses Fernsehfilms gerade darin: dass es gelungen ist, einen etwas anderen Blick auf die zu werfen, denen man auf der Straße nicht unbedingt begegnen möchte.
— „epd medien“
In „Schurkenstück“ verschmelzen Theater und Fernsehen auf grandiose Weise. Spannungsgeladen und intelligent wird eine fiktive Geschichte erzählt, die grundlegende Wahrheiten erzählt mit Personen, die so intensiv gezeichnet und verkörpert sind, dass man noch nach Tagen glaubt, sie persönlich kennengelernt zu haben. Das ist dem
exzellenten Drehbuch ebenso geschuldet wie der Regie und den Leistungen der jungen Schauspieler. Ihnen wurde viel abverlangt. Sie müssen nicht nur die Vielschichtigkeit ihrer Figuren darstellen, sondern auch zeigen wie sich die Knastjungs in ihren schauspielerischen Leistungen steigern. Wirken die Typen, die sie verkörpern, in ihrer Rohheit und Unberechenbarkeit fast wie wilde Tiere, erkennt man in ihnen nach und nach die Menschen mit ihren Wünschen, Träumen und verbauten Möglichkeiten.
Gleichzeitig aber hält das Stück dem Betrachter den Spiegel vor. Nach Aristoteles und Lessing soll Theater zur Katharsis, der moralischen und religiösen Reinigung, führen. „Schurkenstück“ weist den Zuschauern diesen Weg und ist dabei keine einzige Sekunde belehrend oder langweilig. Das ist großes Theater und großes Fernsehen in Einem.
—  Monika Herrmann-Schiel, Katholische Nachrichten-Agentur
Eine junge, engagierte Theaterregisseurin will mit den Inhaftierten einer Jugendstrafanstalt ein Theaterstück aufführen: Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ wird zum Kiez-Drama umgerüstet. Für die Verantwortlichen ein Kultur-Event unter Resozialisierungsaspekt, für die Beteiligten eine Chance, im Gefängnis neue Perspektiven zu „lernen“ und ungeahnte Fähigkeiten bei sich zu entdecken. Doch der Alltag im Knast hat wenig mit der Realität der Theaterfrau zu tun. Mit Vertrauensübungen überfordert sie die Gruppe und – selbst noch als sie die fünf für sich und das Projekt gewonnen zu haben scheint – unterschätzt sie die brutalen Rituale, die Statuskämpfe und Erniedrigungen, die unter den Häftlingen herrschen. Dann ist plötzlich Pjotr, der sanfte Mafia-Russe mit der großen Theater-Lust, verschwunden. 

„Die intakte Erfolgsbiografie einer Theaterregisseurin trifft auf die verwüsteten Lebensläufe von sechs jungen Inhaftierten: Hochkultur trifft Straße, Organisation trifft Chaos“, so bringt Autor Volker A. Zahn das dramatische Potenzial von „Schurkenstück“ auf den Punkt. Der Clash der Kulturen und der Weltsichten, die unterschiedliche soziale Herkunft und das Fehlen einer emotionalen Heimat sind die thematischen „Brennpunkte“ dieser WDR-Produktion. Doch manchmal genügt es als Zuschauer, nur die Lebenswirklichkeit der Häftlinge wahrzunehmen und sie auf sich wirken zu lassen, diese paar Quadratmeter Leben, in denen man sich kaum um die eigene Achse drehen kann – und man begreift mit den Augen, was hier vor sich geht: die Jugendlichen sind doppelt gefangen – in ihren Zellen, in ihren Lebensverhältnissen.


Aber „Schurkenstück“ spiegelt nicht nur Wirklichkeit, sondern ist auch und vor allem ein Film, der mit den Mitteln des Kammerspiels und Ensemblestücks eine eindrucksvolle Intensität erreicht. Ein Blick in die Gesichter, die klare Choreographie des Raums, das Spiel mit Licht und Schatten auf der Seele – so können gespielte Theaterproben hoch spannend werden. Das „Auflösungssystem“ von Regisseur Torsten C. Fischer passt. Dramaturgisches Herzstück aber ist das intelligente Einweben der privaten Geschichten in die Theaterprobe. Das Grimme-Preis-gekrönte Autoren-Ehepaar Zahn arbeitet vor allem mit Projektionen zwischen Knast-Alltag und Stück-Inhalt, zwischen den realen Vergehen der jugendlichen Straftäter und der moralischen Schuld der gespielten Rollen. „Wir wollten den Inhaftierten jenseits medialer Verteufelungen ein menschliches Gesicht geben“, so Volker A. Zahn. 

Vorzüglich ist auch die Besetzung. Sie ist ein stimmiger Mix aus „alten Hasen“ wie Katharina Schüttler, Oliver Korittke, Franz Dinda und Sebastian Urzendowsky und „Frischlingen“ mit einer starken Präsenz. Vor allem Vladimir Burlakov, der sein Debüt in Dominik Grafs „Im Angesicht des Todes“ gab, ist ein Gesicht, das man sich merken muss. Er spielt den russischen Feingeist, der aus der Welt des Verbrechens in die Welt des Theaters flüchten möchte. Er ist das Bindeglied zwischen Kunst und Verbrechen, er ist der Hoffnungsträger der Geschichte. „Er strahlt eine Sensibilität, gleichzeitig eine Gefährlichkeit und Gewalt aus, die der Regisseurin fremd ist. Sie ist berührt von seinem schauspielerischen Talent, der Wahrheit und Tiefe seines Spiels – und sie glaubt, ihn retten zu können“, so Katharina Schüttler.
— Rainer Tittelbach, „Der Fernsehfilm-Beobachter“
Bewegendes TV-Juwel von hoher sozialer Relevanz.
— „TV Direkt“
Gelungen! Ein kraftvoller Knastfilm, ein toll gespieltes Ensemblestück.
— „TV Movie“
Der Titel „Schurkenstück“ ist eine prägnante Zusammenfassung des Inhalts: Der Film erzählt von einer Theaterregisseurin, die mit den Insassen einer Strafanstalt Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ inszenieren will.
Kriminelle spielen anständige Bürger, die aus Geldgier zu Verbrechern werden: Schon allein diese Grundidee ist von einer wunderbaren Süffisanz. Natürlich rührte das schreibende Ehepaar Eva und Volker A. Zahn die üblichen Gangster-Klischees zusammen, um die Knackis zu charakterisieren. Aber da sich juvenile Ganoven in ihrem Habitus grundsätzlich an schlechten Filmen orientieren, wirken die Klischees eher satirisch als stereotyp. Das Fernsehen persifliert die Wirklichkeit, die wiederum billiges Kino kopiert: Das steigert sogar die Subtilität von Woody Allen. Aber der Film war auch ohne diese Meta-Ebene sehenswert. Torsten C. Fischer, der im vorigen Jahr mit „Romy“ imponierte, hat dank großartig geführter Darsteller ein preiswürdiges Ensemble-Stück inszeniert. „Schurkenstück“ gehört in die Tradition jener Dramen, die sich noch heute an „Saat der Gewalt“ von Richard Brooks (1955) orientieren: Eine Gruppe schwer erziehbarer oder krimineller Jugendlicher einigt sich auf ein Ziel und wird aller Gegensätze zum Trotz zu einer verschworenen Gemeinschaft. In diesem Fall waren die Gegensätze besonders groß, denn das Ensemble repräsentierte Kulturen, die unterschiedlicher kaum sein können. der Umgang der jungen Männer miteinander war ohnehin von einem Realismus , der behüteten Bildungsbürgern zu schaffen machen konnte: Die Dialoge bestanden überwiegend aus Kraftausdrücken.
Allerdings wandelte sich das Bild, je näher man die Burschen kennen lernte. Das Drehbuch vermied es zwar, lauter Saulus/Paulus-Geschichten aneinander zu reihen, doch gewisse Sympathien stellen sich durchaus ein. Dafür sorgen nicht zuletzt jene Szenen, in denen die Einzelnen aus dem Ensemble heraustreten und auf erschütternd brutale Weise selbst zu Opfern werden. Die Justizvollzugsanstalt wirkte wie ein Vorhof zur Hölle.
— Tilmann P. Gangloff, „Kölner Stadt-Anzeiger“
Keine Angst: Sie haben sich für ein Kammerspiel, eine Theaterinszenierung im Fernsehen, entschieden, aber für eine atmosphärisch so dichte, so spannend erzählte, dass Sie in den 90 Minuten nicht eine Sekunde daran denken, in einen anderen Kanal rüber zu zappen.
Spannungsgeladen und ausgesprochen intelligent – kleinen Ausrutschern ins Klischeehafte wird verziehen – wird hier eine fiktive Geschichte erzählt. Die renommierten Drehbuchautoren Eva Zahn und Volker A. Zahn, die zuweilen auch Tatorte schreiben, haben sich im Vorfeld mit den Biografien junger Straftäter beschäftigt. So haben sie ein Sextett zusammengestellt, was unterschiedlicher nicht sein kann. Von Piotr (Wladimir Burlakov), einem Russen, der von einer geheimen Bruderschaft tyrannisiert wird, über den Neonazi Timo (Franz Dinda) bis zum fundamentalistischen Türken Faruk (Michael Keseroglu).
„Schurkenstück“ ist eine Glanzleistung des Fernsehens. Die Charaktere werden so intensiv gezeichnet, die jungen Schauspieler bieten ein so intensives Spiel, dass sie weit über das Ende des Films nachwirken.
— „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“
Theaterregisseurin mit Idealen geht in den Knast, um dort mit jungen Häftlingen ein Stück von Dürrenmatt einzustudieren. Klingt nach sozialpädagogisch aufgeladenem TV-Drama mit eingebauter Langeweile, nach politisch korrektem Betroffenheitsfernsehen zum Abschalten. Das alles traf glücklicherweise überhaupt nicht auf diesen Film zu: „Schurkenstück“ war nicht nur ein bewegendes Knastdrama zum Nachdenken, sondern auch eine spannende Geschichte mit starken Figuren. Allen voran die von Katharina Schüttler hervorragend gespielte Regisseurin Fanny, die viel Verständnis für die anfangs widerspenstigen, dann begeisterten Knackis hatte, sich von ihnen aber auch nicht auf der Nase herumtanzen ließ und das Theaterprojekt zu einem Erfolg für alle machte. Oder der russische Häftling Pjotr (Vladimir Burlakov), für den es um Leben und Tod ging, als am Schluss die raue Realität die Bühnenwirklichkeit einholte und ihm hinter den Kulissen ein echter Revolver an den Kopf gehalten wurde. Er überlebte - ein schönes Ende ohne aufgesetzte Tragik.
— „Berliner Morgenpost“
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Ihr könnt euch niemals sicher sein
Der Titel „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ ist für diesen herausragenden Film Programm. Denn niemand in Olivers Umgebung ist sich sicher, ob er das Richtige tut. Olivers Eltern streiten sich darüber, ob ihr Sohn den "Bad Guy" nur mimt, wie sein Vater meint, oder ob hinter der coolen Fassade nicht doch echte Verzweiflung steht, wie seine Mutter vermutet. Der Schuldirektor will dem Jungen keinen Stein in den Weg legen, aber auch seine Schule schützen. Und Lehrerin Vollrath ist hin und her gerissen zwischen pädagogischem Augenmaß und nackter Angst. "Wisst ihr, was ich echt scheiße finde?", fragt Oliver einmal seine Eltern. "Dass ihr mich nicht verteidigt." Aber die pubertäre Forderung nach blinder Gefolgschaft kann ihm kein Erwachsener erfüllen. Alle sind ratlos, wie es weitergehen soll.
Regisseurin Nicole Weegmann gelingt es, aus dieser Hilflosigkeit künstlerisch Kapital zu schlagen. Ihr Film, der das kluge Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn kongenial umsetzt, schafft eine Atmosphäre, in der jede Figur Verständnis verdient und zugleich für die eigenen Fehler haftbar gemacht werden kann. Für jede Frage des Zuschauers findet der Film eine glaubwürdige Antwort. Und doch bleibt am Ende die Frage: Hätte es keinen anderen Ausweg gegeben?
Die Entscheidung, den verschlossenen Problemschüler Oliver zu spielen, hat sich Ludwig Trepte nicht leicht gemacht. Erst vor zwei Jahren wurde er einem breiten Publikum durch den Film "Guten Morgen, Herr Grothe" bekannt. Schon damals spielte er einen verhaltensauffälligen Jugendlichen, dem es an Orientierung fehlte. Aber diesmal ist seine Figur vielschichtiger. Trepte spielt ihn mit sattem Nachdruck und empfindsamer Zerbrechlichkeit. Dass die Übung gelingt, liegt auch daran, dass sich um Trepte herum hervorragende Schauspieler versammeln. Selbst die vielen kleinen, aber bedeutenden Nebenrollen sind prominent besetzt. So spielt Anneke Kim Sarnau die bedrohte Deutschlehrerin und Johanna Gastdorf jene Psychiaterin, die Olivers Gemütszustand diagnostizieren soll.
Und auch hinter der Kamera hat Regisseurin Weegmann mit Judith Kaufmann und der Cutterin Andrea Mertens die erste Liga versammelt. Ein Film mit diesem brisanten Thema hätte auch zu einem prätentiösen Ärgernis oder einer psychologischen Banalität verhunzt werden können. So aber ist es gutes und wichtiges Fernsehen geworden.
— „Berliner Zeitung“
„Ihr könnt euch niemals sicher sein“ ist kein Film über Erfurt und Emsdetten, sondern über die Angst danach. Es gibt keinen Amoklauf, sondern einen einsamen, sensiblen Jugendlichen, der in manchmal gewalttätige Träume flüchtet, und verunsicherte, hilflose Erwachsene, die zu der Welt des 17-Jährigen keinen Zugang finden. Eigentlich also eine moderne Sturm-und-Drang-Geschichte, und das Autoren-Paar Eva und Volker A. Zahn erlauben sich auch einige Querverweise auf Goethe und Plenzdorf. Die Lehrerin gibt Oliver eine Sechs, weil er „Die Leiden des jungen Werthers“ in Rap-Form interpretiert hat. Der junge Mann ist eine Art verhinderter Künstler wie der Edgar Wibeau in Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“. Und Olivers unglückliche Liebe an der neuen Schule heißt natürlich Charlotte (Karolina Teska).
Doch Oliver will im Gegensatz zu Goethes Werther, der sich wegen Lotte selbst erschoss, lieber der Lehrerschaft an die Gurgel – wenn man seine extremen Texte wörtlich nimmt. Und wer kann dies den Lehrern verdenken, die sich auch im Sinne der Sicherheit der ihnen anvertrauten Schüler keinen Fehler erlauben dürfen? Aber wird hier ein heranwachsender Mensch nicht etwas leichtfertig stigmatisiert? Oliver rutscht immer tiefer in den Schlamassel, ein wenig Halt findet er bei Charlotte und beim Deutschrussen Micha (Fjodor Olev). Die Stärke des Films ist, dass er die Welt nicht in Gut und Böse teilt und die Motive aller Beteiligten differenziert darstellt.
Hauptdarsteller Ludwig Trepte beweist erneut sein enormes Talent. Die schwankende Gefühlswelt eines Heranwachsenden ist ihm nahe, das spürt man, doch zugleich ist da diese unerhörte Sicherheit vor der Kamera. Oliver ist mal aggressiv, mal zärtlich, sagt vor einer Mit-Insassin in der Psychiatrie seine Texte auf, was ihm ein bisschen peinlich ist, und rapt selbstbewusst in der Russen-Disco. In keiner Sekunde wirkt Trepte in dieser Rolle gekünstelt und nicht präsent. „Vielschichtige Typen geben mir als Schauspieler mehr Futter“, sagt Trepte wie ein alter Hase. Wie gut auch fürs Publikum, wenn sein Hunger weiter gestillt wird.
— „Tagesspiegel“
Auch wenn Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich sich das jetzt nicht recht vorstellen können und vielleicht wirklich daran glauben, dass jeder Erzählstoff automatisch vor die Hunde geht, wenn er sich statt zwischen zwei Buchdeckel auf einen flachen Bildschirm wagt: Sie existieren sogar im Fernsehen, die Momente, in denen soziale Wirklichkeit künstlerisch überzeugend verarbeitet wird und sich Talente auf beglückende Weise offenbaren. Es gibt sie zu selten, aber sie sind da.
Produktionen, die keineswegs „verblödet“ „kulturlos“ und „lächerlich“ (E. Heidenreich) sind, lassen sich beispielsweise überdurchschnittlich oft am Mittwochabend im Ersten entdecken. Vor einer Woche lief dort „Einer bleibt sitzen“, eine sensible Geschichte um das Thema Freundschaft. Jetzt folgt das herausragende Adoleszenzdrama „Ihr könnt euch niemals sicher sein“. Es geht um einen Jungen, der in den Verdacht gerät, an seiner Schule einen Amoklauf zu planen. Und auch dieser Film ist keine reißerische Billigware von der Stange, sondern eine reiflich überlegte, sorgfältig inszenierte und exzellent gespielte Studie über die schleichende, aber urplötzlich bedrohlich evidente Entfremdung zwischen den Generationen.
Das Besondere an diesem Film ist das Gleichgewicht, das Nicole Weegmann (Regie), Eva und Volker A. Zahn (Buch) damit halten. Einerseits artikulieren sie Olivers Drang nach Selbstfindung und Abgrenzung („Ich habe keine Lust, wie ein enthirnter Klon zu funktionieren.“), der sich wie bei vielen Jugendlichen konträr zum starken Bedürfnis nach Verständnis und Vertrauen entwickelt. Doch deshalb stehen die Älteren hier noch lange nicht als Vertreter einer ignoranten und hysterischen Spießerwelt am Pranger. Die schlimmsten Befürchtungen erscheinen nach den Katastrophen von Littleton, Erfurt oder zuletzt in Finnland durchaus legitim. Olivers Vorliebe für widerwärtige Computerspiele muss hier nicht als eindimensionale Begründung für Gewaltfantasien herhalten, sondern dient vor allem dazu, das Ausmaß des gegenseitigen Unverständnisses zu illustrieren.
Olivers Eltern (sehr authentisch: Jenny Schily und Jürgen Tonkel) finden sich einfach nicht in der Welt zurecht, in der ihr Sohn gerade nach Orientierung sucht. Sie haben keine Ahnung, warum er welche Filme guckt. Seine Sprache macht ihnen Angst. Die Mutter wird darüber immer hilfloser. Der Vater reagiert mit Desinteresse und gibt sich abgebrüht. So sei die Jugend eben, sagt er. Über spätpubertäre Gewaltexzesse habe Johnny Cash doch schon vor über fünfzig Jahren gesungen: „I shot a man in Reno just to watch him die.“ Auch das Lehrerkollegium erscheint überfordert, als es entscheiden soll, ob Oliver nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie wieder an die Schule zurück darf: „Vielleicht haben wir deshalb Angst vor ihm, weil wir ihn nicht kennen.“
Dass diese Geschichte nie aus der Balance gerät, liegt an Ludwig Trepte, der in selten gesehener Weise die Wut und Verletzlichkeit eines Heranwachsenden in sich vereint, ohne dabei je in ein Extrem zu kippen und den Protagonisten entweder zu heroisieren oder zu denunzieren. Oliver bleibt bis zum hochdramatischen Finale ein Rätsel, und seine trotzige Feststellung: „Ihr könnt nicht in mich reingucken. Ihr könnt euch niemals sicher sein“ gilt letztlich auch fürs Publikum.
— „Die Welt“
Ein ernsthaftes, packendes Jugenddrama im sozialen Umfeld einer auf Mobbing trainierten Konkurrenz-Gesellschaft, aufgeschreckt durch aktuelle Ängste vor amoklaufenden Schülern, die ihrem Geltungswahn Aufmerksamkeit verschaffen wollen – und eskalierend durch eine Schüler-Urerfahrung aus dem Deutsch-Unterricht: null Punkte für die Kreativen, null Punkte für Sprachfantasie. Besonders sensibel geht der Film mit den erschrockenen, ungläubigen Reaktionen der Eltern um – zumal sich in den Unterwerfungs-Reflexen des Vaters dessen eigener beruflicher Misserfolg spiegelt. Er versteht den Sohn, hat aber gelernt, sich zu ducken. Ein Familiendrama also im weiteren Sinne, behutsam und genau, sorgfältig austariert zwischen Lehrermacht und Schülerwut. Und stets ist das Umkippen in die Tragödie möglich.
— Ponkie, „Abendzeitung“
Ein packendes Drama, dass trotz der völlig unterschiedlichen Handlung eine womöglich zeitgemäßere Adaption von Goethes „Werther“ war als kürzlich der gleichnamige Film von Uwe Janson.
— „Aachener Zeitung“
Das war mehr als ein Thesedrama über eine mögliche Amok-Tat. „Ihr könnt euch niemals sicher sein“ beackerte vielmehr ein sozial sehr viel weiteres Feld, ging psychologisch tiefer und war zugleich großes TV-Kino.
— „Dresdner Neueste Nachrichten“
Eine Stärke des Fernsehfilms besteht darin, schnörkellos ein Drehbuch zu inszenieren, das die Sichtweise sowohl der Jugendlichen als auch der Erwachsenen miteinander vereint. Dazu führt Regisseurin Nicole Weegmann aus: „Als ich das Drehbuch las, beeindruckte mich sofort die Ambivalenz der Figuren und wie stark sich die Geschichte in die Welt der Erwachsenen einfühlt und gleichwohl dennoch die Perspektive des jugendlichen Protagonisten einnimmt. Dieser vielschichtige und multiperspektivische Ansatz war für mich die große Herausforderung bei dieser Regiearbeit.“
— Die Tagespost
Den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn ist es großartig gelungen, überzeugend die Perspektiven zu wechseln. Man kann sich nicht nur in Oliver hineinversetzen, sondern ebenso in seine Lehrer, seine Eltern und seine Freundin. Intensität und eine wohltuende Unaufgeregtheit schließen sich hier nicht aus, sondern münden in einen Film, der sich auf Stufe stellt mit dem Grimme-Preis-gewürdigten „Guten Morgen, Her Grothe“. Da darf auch die Jury des deutschen Fernsehpreises wieder den Notizblock zücken.
— Neue Osnabrücker Zeitung
Manchmal ist die Realität so tragisch, dass ein ernsthafter Film sie fast nicht mehr einholen kann. Olivers Geschichte gewinnt gerade deshalb an Intensität, weil sie nicht versucht, die Grenzen des Vorstellbaren zu sprengen. Sie erzählt von einem Jugendlichen mit ganz normalen Problemen. Doch wer kann sich darin schon sicher sein?
— „Süddeutsche Zeitung“
Wie ähnlich Abiturient Oliver Goethes Werther ist, lässt Eva und Volker A. Zahns Drehbuch rasch erkennen. Da stehen junges Ungestüm, Talent und Verlangen nach Verständnis der Unwissenheit und dem Eigensinn Älterer – ob sie nun Pädagogen, Polizisten oder Eltern sind – krass gegenüber. Erst wenn Letztere fast alles verbockten, was im Umgang mit jungen, schuldlos Ausgegrenzten verbockt werden konnte, führt späte Einsicht zur noch möglichen Versöhnung. Selten wurden in einem Fernsehspiel Fragen nach den Gründen für junge Rebellion so detailliert und gefühlssicher beleuchtet und beantwortet, wie in Nicole Weegmanns Inszenierung eines Stoffes, der Methoden der «Seelen-Medizin» einer schonungslosen Prüfung unterzieht. Verletzungen seiner Menschenwürde spiegeln sich in Gestik und Mimik von Ludwig Trepte so grausam, dass seine Schmerzen vom Zuschauer Besitz ergreifen. Den bis in kleinste Chargen 1a-besetzten Figuren um ihn schaut Judith Kaufmanns Kamera genau ins Herz.
— „Frankfurter Neue Presse“
Ein Vorzeigeprodukt für anspruchsvolle Filmunterhaltung.
— „Funkkorrespondenz“
Eindrucksvolles, bedrückendes Drama, das die mögliche Bedrohung durch jugendliche Amokläufer ebenso wenig verharmlost wie die dramatischen Folgen kollektiver Hysterie.“
— „Der Spiegel“
Diesmal war es ein kleines Jubiläum – zum zwanzigsten Mal fand das Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden (vormals: „Tage des Fernsehspiels“) statt. Die festliche Atmosphäre kam bereits durch das Kurhaus zustande, in dessen prächtigem Runden Saal die für den Wettbewerb nominierten Filme aus dem letzten Jahr, zwölf an der Zahl, gezeigt und die öffentlichen Jury-Debatten geführt wurden. Der Zuschauerraum war stets voll, der Andrang groß, die Stimmung erwartungsfroh.
In Baden-Baden hatte die öffentlich tagende Jury unter den zwölf Werken einen einzigen Preisträger zu ermitteln. Man schaute gemeinsam einen Film, danach diskutierte die Jury. Sie sei hier kurz vorgestellt: Vorsitzende war Fernsehkritikerin Klaudia Wick, die ihren Überblick, ihre Programmkenntnis, ihre Fähigkeit, die Kollegen zu Stellungnahmen zu ermuntern und selbst differenziert zu urteilen, schon oft unter Beweis gestellt hat. Bei ihr auf dem Podium saßen Anja Dihrberg, Casting-Spezialistin aus Berlin, Hans Jürgen Drescher vom Suhrkamp Verlag, Abteilung Theater und Medien, Frankfurt, Hendrik Handloegten, Regisseur aus Berlin, Schauspielerin Eva Mattes, ebenfalls aus Berlin und der Übersetzer und „Pooh’s Corner“-Autor Harry Rowohlt aus Hamburg.
Die schwierige Aufgabe der Jurymitglieder bestand darin, nach jeder Sichtung ein wohlbegründetes Urteil aus dem Ärmel zu schütteln, sich kurz zu fassen und doch starke Gründe darzulegen, das Publikum und vielleicht auch die Kollegen zu überzeugen und dabei noch Pointen zu setzen. Diese ganze Kür war (und ist immer in Baden-Baden) deshalb so heikel, weil die Macher in der Regel anwesend sind und sich auch selbst äußern sollen, zuvor aber Lob und Tadel „von oben“ über sich haben ergehen lassen müssen.
Generell jedoch gilt, was die Vorsitzende Klaudia Wick der Berichterstatterin zu Protokoll gegeben hat: „Da hat ein Team ein Jahr oder länger gearbeitet, um so einen Film zustande zu bringen. Und der Respekt vor dieser Arbeit muss immer die Grundlage der Beurteilung bleiben.“ 
Der erste Tag begann mit „Ihr könnt euch niemals
sicher sein“ (ARD/WDR), ein Film, der das Thema Schule und Amoklauf aufgreift. Allerdings bleibt es beim bloßen Verdacht, dass in Rapper Oliver, der durch schräge, scheinbar gewaltaffine Texte auffällt, ein solcher Täter stecken könne. Die Psychiatrie soll Klarheit schaffen, führt aber nur zur (später) unheilvollen Begegnung des Jungen mit einer suizidalen Patientin. Der traurige Film, in dem fast alles, was schiefgehen kann, auch schiefgeht und Oliver am Schluss einer ungewissen Zukunft entgegenstiefelt, war so gut gemacht und brillant gespielt und so aufregend und aufrichtig erzählt, dass sich die Jury geschlossen begeistert zeigte. Kaum war das Festival gestartet, hatte es schon seinen Favoriten.
— Barbara Sichtermann in „epd medien“ über das Fernsehfilmfestival Baden-Baden
Die Handlung wirkt konstruiert, die Dialoge gestelzt und die Botschaft kommt mit dem Holzhammer daher: Lerne deine Kinder und Schüler kennen!
— Christina Laußmann, „Märkische Oderzeitung“
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Das Duo - Verkauft und verraten
Ein Sohn wirft seiner Mutter vor, dass sie in letzter Zeit nicht rausgekommen sei aus ihren vier Wänden, seine Vorwürfe gipfeln in den Worten: „Hast du mal ein Buch gelesen? Oder eine vernünftige Zeitung? Nein! Du bist ungebildet und dumm!“ Wie reagiert man da? In dem man sich einen derartigen Ton verbietet? Die von Corinna Harfouch gespielte Mutter macht es anders. Sie reagiert in einer überraschenden Weise, wie man es im deutschen Fernsehen nicht oft sieht, aber gerne öfter sehen würde, weil man tatsächlich einmal den Eindruck hat, dass man sich, wie man so sagt, durchaus eine Scheibe abschneiden könnte von einem derart modernen und selbstbestimmten Verhalten.
Manchmal entpuppt sich ein ganz normaler Samstagabendkrimi als ungewöhnlich fesselnder Film. „Verkauft und verraten“, die neue Folge der ZDF-Krimireihe „Das Duo“ erzählt eine unvorhersehbare Geschichte (Buch: Eva und Volker A. Zahn) über den Lübecker Hotelier Mundorf, der in Finanznöte geschlittert ist, sein Haus verkaufen muss und nach einigem Pokern das hohe Angebot des der rechten Szene zugehörigen Berliner Verlegers Dreesen anzunehmen entschlossen ist. Ein Entschluss, der für lauten Protest in Lübeck sorgt und darüber hinaus Mundorfs eigene Familie spaltet.
Auf dem Weg zur Unterzeichnung des Kaufvertrags wird der Hotelier ermordet, und der Krimi entwickelt sich zu einer Studie seiner Frau Anna Mundorf, die noch ganz unter dem Eindruck des wenige Tage zurückliegenden Todes ihrer schwerekrank und Pflegefall gewesenen Tochter steht. Sie weint nicht und schreit nicht, sie wirkt somnambul und kann mit einer Schusswaffe Herrin der Situation werden – Corinna Harfouch verkörpert die wesentlich tragische Figur außerordentlich und eindrucksvoll. Sie scheint im Lauf der Geschichte aufzuwachen, allerdings so, dass man am Ende unsicher ist, ob nun sie sich entwickelt hat, oder ob alles absichtlich so inszeniert war, dass man eben nicht schon auf den ersten Blick alles begreifen sollte.
— „Süddeutsche Zeitung“
Der Fall ist hart an der Realität entlang gestrickt: Ein insolventes Hotel vom Stil moderner Schlichtbau muss verkauft werden. Der Besitzer verhandelt mit einem Rechtsaußenanwalt, aus dem Objekt soll ein Schulungszentrum für Neonazis werden.
Doch hier enden die Parallelen mit Delmenhorst: Wir sind in Lübeck, die Ermittlerinnen heißen Marion Ahrens und Clara Hertz, und der Hotelier liegt plötzlich erschossen neben dem pfändungsbedrohten Porsche in der Tiefgarage. Was sich dann entfaltet, ist ein Familienbild - so faszinierend wie bedrückend: Die Mutter, die sich zuletzt nur um die an einer seltenen Krankheit leidende Tochter kümmern konnte. Die beiden anderen Kinder, Antipoden in der politischen Auseinandersetzung um den Hotelverkauf - er pseudo-rechts, sie - kaum glaubwürdiger - Antifa. Und über allem der tote Vater, der ein liebevoll verbohrter Hallodri war. Corinna Harfouch als Mutter dominiert ihn mit einer atemberaubenden Brillanz.
— „die tageszeitung“
Eine geschickt konstruierte Geschichte mit überraschenden Wendungen und sehenswertem Titelduo.
— „Stuttgarter Zeitung“
2006 sorgte der geplante Verkauf eines Hotels in Delmenhorst bundesweit für Schlagzeilen, weil es von Rechtsradikalen in ein Schulungszentrum umgewandelt werden sollte. Dieser Skandal könnte eine der Inspirationsquellen des Autorenduos Eva Zahn und Volker A. Zahn bei dem Drehbuch zu "Das Duo - Verkauft und verraten" gewesen sein: der Hotelier Kaspar Mundorf wird ermordet. Dass er sein Hotel an Rechtsextreme verkaufen wollte, ist das schlagende Motiv für den Mord. Die Kommissarinnen Marion Ahrens (Charlotte Schwab) und Clara Hertz (Lisa Martinek) ermitteln dennoch in verschiedene Richtungen und stoßen nicht nur auf einen Erpressungsfall, sondern auch auf eine schicksalhafte Familiengeschichte, in deren Zentrum die Hoteliersgattin Anna (Corinna Harfouch) steht.
„Das Duo“ setzt weniger auf Spannung, als auf das intensive Entblättern des Falles. Dabei ist Corinna Harfouch die zentrale Figur. Wie sie nach dem Tod ihrer lange erkrankten Tochter und ihres Mannes aus einem Schock aufzuwachen scheint, erstmals wieder ihre anderen Kinder und deren Probleme wahrnimmt und sich dünnhäutig, aber entschlossen dem Schicksal stellt, ist wirklich sehenswert.
— „Blickpunkt:Film“
Stark!
— „Der Stern“
Rechtsextremismus ist oft eine schleichende Gefahr, und so wird sie hier auch dargestellt: leise, kaum Parolen, ohne Klischees. Neben den starken Ermittlerinnen überzeugt vor allem die großartige Corinna Harfouch.
— „Gong“
Dramatik, Tragik und tolle Darsteller. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.
— „TV Movie“
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Bella Block - Mord unterm Kreuz
Ein Film, von Opfer bis Täter auf hohe Schauspielkunst eingestellt. Lebendig und selbst als Leiche jagt die bloße Erscheinung von Peter Fitz in der Rolle eines zwielichtigen katholischen Pfarrers Angst ein. Seine Haushälterin (Monica Bleibtreu) führt zärtlich und stolz das Drama der unerfüllten Liebe vor, das Ermittlerteam (Hannelore Hoger, Devid Striesow) trifft die richtige Mischung aus Genervtheit und Professionalität. Bei Sylvester Groth und Jürgen Tonkel sind menschliche Abgründe wie Alkoholismus und Raffgier in den besten Händen. Besseres als hier lässt sich aus der Institution deutscher Fernsehkrimi kaum machen.
— „Der Spiegel“
Alles ist hochrangig an diesem Krimi. Der Regisseur Hans Steinbichler, das versierte Autoren-Duo Eva und Volker Zahn, die Kamera von Bella Halben, Gast-Schauspieler wie Monica Bleibtreu und Sylvester Groth und im Mittelpunkt immer wieder Hannelore Hoger als Bella Block. Es war wohl ein kleines Experiment. Wie viel Kino verträgt das Fernsehen? Wie viel Kunstfilm verträgt der Krimi? Ein interessanter Balance-Akt, der sich manchmal bedenklich zu der einen oder anderen Seite neigte, um sich dann doch wieder ins Gleichgewicht zu begeben.
— „epd medien“
Ungewöhnlich an diesem Fernsehfilm ist vor allem die unversöhnliche Kirchenfeindlichkeit, die sich explizit gegen die Katholiken richtet. Bella Block ergeht sich mehrfach in einer derart geharnischten Klerikalkritik, dass dies mit kriminalistischer Strategie kaum noch zu rechtfertigen ist. Gleichzeitig muss sie selber aber auch viele Anfeindungen einstecken, so dass die Figur fast demontiert wird. Tatsächlich sind ihre Selbstgerechtigkeit und ihr Rigorismus diesmal stellenweise fast unerträglich. Andererseits ist ihre Moral der Fels in der Brandung.
Die unstete Bildgestaltung von Bella Halben verdeutlicht den Zustand der Figuren: Die agile Kamera ist immer in Bewegung und fast schon sezierend nah an den Personen. Ungewöhnlich extreme Perspektiven etwa aus der Draufsicht sorgen wiederum für beobachtende Distanz, so dass die Geschichte (Eva und Volker A. Zahn, erst kürzlich mit einem ausgezeichneten Drehbuch für die erste "Duo"-Ausgabe mit Lisa Martinek) mitunter fast schon die Züge eines beobachtenden Experiments trägt.
— „Blickpunkt:Film“
Der Stoff hat einen realen Hintergrund: In den frühen Jahren der Bundesrepublik und bis in die Siebziger hinein war die große Mehrheit der Erziehungsheime in Deutschland in konfessioneller Hand. Um als „verwahrlost” oder „gefallen” zu gelten und in eine solche Institution zu geraten, reichte es in jenen Jahren oft, Kind einer allein erziehenden Mutter zu sein. Ohrfeigen waren dort nicht selten noch eine milde Form der Bestrafung. Die „schwarze Pädagogik” der unbarmherzigen Brüder und Schwestern sah auch schon mal vor, dass Kinder ihr Erbrochenes aufessen, auf scharfen Kanten knien oder harte Arbeit verrichten mussten. (...)
Das intelligente Filmskript des bewährten Duos Eva und Volker A. Zahn verpackt die Geschichte in einen klassischen Whodunnit-Plot: Da ist - neben der durch ihre Vertuschungsaktion verdächtigen Haushälterin - noch der alkoholkranke Gärtner (Jürgen Tonkel) des Heims, der damals zu den Misshandelten zählte und offensichtlich schwere psychische Probleme hat, aber nicht reden will. Und da ist der aktuelle Anstaltsleiter Dr. Jacob Groth (Sylvester Groth), ein smarter Gutmensch, der die "Erziehungsmaßnahmen" des Ermordeten verteidigt, selbst in zahlreichen Ehrenämtern aufgeht und sich an der Aufklärung des Falles sehr interessiert zeigt.
Zusammen mit dem durchweg exzellenten Ensemble gelingt es dem eigenwilligen Regie-Talent Hans Steinbichler („Hierankl”), derzeit mit „Winterreise” im Kino, in seiner ersten Fernseharbeit, daraus einen spannenden, düsteren Kriminalfilm zu machen. Er schafft es, sowohl die Kontinuität der seit 1994 auf Basis der Romanheldin von Doris Gercke existierenden Fernsehreihe in qualitativer Hinsicht zu wahren, als auch der Figur Bella in ihrem 21. Fall ein paar neue Facetten hinzuzufügen. (...)
Die Kirchenkritik steht Bella gut; das lange verdrängte Thema der traumatisierten Heimkinder verdient es, seriös aufgegriffen zu werden - zumal sich die Kirche mit der Anerkennung ihrer Schuld (oder gar einer Entschuldigung bei den Opfern) bis heute schwer tut. Dass Bella Block in „Mord unterm Kreuz” selbst permanente Höllenschmerzen durchleidet, passt da genauso zur düsteren Atmosphäre wie die gereizte Professionalität, mit der sie ihrem Assistenten begegnet, und die Schwergängigkeit der Ermittlungen. „Sie kommen zu spät”, sagt einmal ein Opfer zu der Kommissarin. „Das ist mein Schicksal”, antwortet ihm trocken Bella Block. „Aber jetzt bin ich hier und höre ihnen zu.”
Am Ende bespricht sie mit Simon auf der Straße tänzelnd die Aufteilung und Einrichtung ihrer neuen gemeinsamen Wohnung. Das allerdings ist allenfalls eine milde Schlusspointe. Am düsteren Gesamteindruck dieser starken Folge ändert es nichts.
— „Spiegel Online”
Die Bella Block-Fälle heben sich meist wohltuend vom TV-Durchschnitt ab - so auch in diesem Fall: Ein bis in die Nebenrollen großartig besetzter, ebenso spannender wie dramatischer Ausnahmekrimi. Intensiv und fesselnd.
— „TV Movie“
Das war mehr ein Psychodrama um kaputte Seelen, Schuld und tödliche Sühne als ein genormter Kriminalfall.(...) Ein athmosphärisch dicht gesponnenes Netz aus Schweigen, zerstörten Leben und Biedermännern. Bella Blocks Blick wird mürrischer und mürrischer.
— „Leipziger Volkszeitung“
Trotz ihrer quälenden Rückenschmerzen war Bella Block beziehungsweise Hannelore Hoger wieder einmal in Höchstform: grantig (wegen der Schmerzen) zum Kollegen, dickköpfig und eigenwillig ihrem Lebenspartner gegenüber, unerbittlich und wütend bei den Ermittlungen, die Kindesmisshandlungen im Namen der katholischen Kirche ans Tageslicht brachten, einsichtig, reuevoll und vorsichtig liebevoll am Ende. Eben eine Frau mit Ecken und Kanten, herzlich, aber mit Biss. Der Fall des ermordeten Pastors (Buch: Eva und Volker A. Zahn) führte konsequent und geradlinig in die Vergangenheit zurück, decouvrierte Lebenslügen und verdrängte Gefühle ohne psychologische Überfrachtung. Mit aussagekräftigen Großaufnahmen, oft von Gesichtern oder Händen, und ungewöhnlichen Perspektiven untermalte Regisseur Hans Steinbichler die bedrückende Atmosphäre. Eindrucksvoll.
— „Hamburger Abendblatt”
Eine harte, kraftvolle Abrechung mit fanatischer religiöser Kälte.
— Ponkie, „Abendzeitung München”
Die solide Inszenierung von Hans Steinbichler nach dem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn konnte sich sehen lassen. Dank der Wechselwirkung zwischen Autoren/Regie und Schauspielern, die bestens funktionierte. Jeder Darsteller kannte die Qualität der Vorlage und sorgte mit seinem Können für den Erfolg. (...) Es erfordert Mut, die katholische Kirche zu kritisieren. Schließlich sind wir Papst. Großes Lob an alle Beteiligten.
— „Sächsische Zeitung“
Ein Bravourstück.
— Barbara Sichtermann, Das Fernsehjahr 2006 im Rückblick
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Das Duo - Man lebt nur zweimal
Nach elf Fällen in vier Jahren machte sich Ann-Kathrin Kramer aus dem Staub. In Lisa Martinek fand man mehr als nur einen Ersatz. Die 34-jährige kühle Blonde spielt die neue Kollegin Clara Hertz mit viel Charisma. Gut auch, dass Eva und Volker A. Zahn, Edelfedern unter den TV-Krimiautoren, die Figur weniger harmonietrunken anlegten als die der Vorgängerin. Dazu ein mitreißender Mordfall und eine großartige zwölfminütige Verhörszene: Das macht Appetit auf mehr.
— „Hör zu“
Ein ausgezeichneter Krimi.
— „Blickpunkt:Film“
Spannend, vergnüglich, überraschend - Lisa Martineks Debüt als Kommissarin ist rundum gelungen, die Chemie zwischen ihr und Charlotte Schwab stimmt. Auf dem Höhepunkt des Films liefern sich die Powerfrauen mit dem Hauptverdächtigen ein derart raffiniertes Psychoduell, dass so mancher US-Polizei-Thriller dagegen alt aussieht.
— „Gong“
Absolut sehenswert.
— "Rheinische Post"
Die Neue am Lübecker Tatort kann sich sehen lassen. Mit neuer Frische und Szenen wie dem Verhörmarathon und dem Kleinbürger-Showdown wird „Das Duo“ vielleicht künftig noch mehr zu seinem Stil finden: eine Krimireihe aus der Normalität des Alltags und ungekünstelt wie seine Protagonisten.
— „Freie Presse Chemnitz“
Es gelang das kleine Kunststück, die neue Kommissarin gut einzuführen und dabei eine spannende Geschichte zu erzählen, die nie langweilig wurde.
— „Mitteldeutsche Zeitung“
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Ein starkes Team - Sippenhaft
Was „Ein starkes Team” da erzählte, war ein bürgerliches Familiendrama, dem der Krimimantel übergezogen wurde. Nie laut, immer dezent, aber so drückend, dass bisweilen die Luft zu schneiden war. Bilder einer kaputten Familie. Szenen aus einer Zeit kurz vorm Untergang. Da war es eine Freude zuzusehen.
— „Leipziger Volkszeitung“
Ein starkes Team für ein starkes Familiendrama: Wie die beiden Berliner Schnüffelnasen Otto und Verena die Firma und die Privatvilla einer Supermarkt-Machtsippe umkreisen, weil ein cyanid-vergifteter Joghurt eine Kundin das Leben gekostet hat, das hat den urigen Knackbiss schlauer Kneipenkenner. Eine spannende Katastrophe von Vater-Macht, Dünkel und skrupelloser Bürger-Tünche.
— Ponkie, „Abendzeitung München“
Erneut ging dem bewährten TV-Autoren-Paar Eva und Volker A. Zahn mit dem Fall „Sippenhaft” ein spannender Krimi von der Hand, der vor einem gesellschaftlich relevanten Hintergrund doch nur wieder dahin führt, wo es ja so oft endet: in den menschlchen Abgrund.
— „Freie Presse“, Chemnitz
Die stringent erzählte Geschichte trägt nahezu klassische Züge. Beste Krimiunterhaltung also.
— „Neue Osnabrücker Zeitung“
Krimi der Erfolgsautoren Eva und Volker A. Zahn: Spannend inszenierter Untergang einer Fabrikantenfamilie mit traurigem Schluss. Nebenbei bereiten die kleinen Geschichten um Sputnik – gespielt von Jaecki Schwarz – wieder großes Vergnügen.
— „Gong“
Im Vordergrund der Handlung steht nicht der Kriminalfall, sondern die menschlichen Abgründe, die im Verlauf der Story in der Famiie Bosbach auftreten. Das macht „Sippenhaft” zu einem spannungsgeladenen und interessanten Drama. Die Charaktere sind einzigartig und tiefgründig. Das Drehbuch überzeugt durchwegs, die Dialoge werden nie langweilig. All dies macht „Ein starkes Team – Sippenhaft” zu einer der besten deutschen TV-Produktionen der letzten Jahre.
— „Die Kritiker“
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Plötzlich berühmt
Die Geschichte um ein verkanntes Aschenputtel, das sich in eine erfolgreiche Prinzessin verwandelt, ist schon oft verfilmt worden. „Plötzlich berühmt“ schien in dieselbe Schublade zu passen: Abgebrühter Musikproduzent, der junge Menschen nur als „Produkt“ betrachtet, wollte aus dem völlig unbegabten Mädchen Cindy einen Pop-Star machen – einer Wette wegen, in der es um seine Existenz ging. Ein bonbonbuntes Kitsch-Märchen vor dem Hintergrund jener ebenso unzähligen wie unsäglichen Casting- und Popstar-Shows? Eben nicht, sondern ein munterer kleiner und gar nicht mal so unkritischer Film, über eine junge Frau, die letztlich genau wusste, was sie kann und wohin sie will.
— „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“
Dieser Film ist witziger als jede Casting-Show.
— „Rheinische Post“
Peinliche Musikshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ und „Popstar“ provozieren per se schon eine Persiflage. So trat auch die Komödie „Plötzlich berühmt“ den entsprechenden Akteuren wie etwa Musikproduzent Dieter Bohlen kräftig auf die betuchten Füße. Mit viel Witz und Sinn für Details mimten Zoe Weiland das unbedarfte Pop-Sternchen und Stefan Jürgens den egozentrischen Musik-Mogul mit Star-Allüren. Sie lieferten sich einen abgedrehten und amüsanten Schlagabtausch. Aber nicht nur die Akteure belebten die Charaktere durch jede Menge Realitätsnähe und Ironie. Auch die ansprechende Machart des Films gefiel. Ein poppiges Musikbett rundete die gelungene Fernsehunterhaltung ab.
— „Freie Presse Chemnitz“
Zwar karikiert „Plötzlich berühmt“ die absurden Mechanismen des prominent Werdens, doch als Cindy wirklich Singen lernt, entlädt sich die Kritik in Versöhnlichkeit. Was als Farce angelegt ist, gerät zum Melodram. Dabei besitzt Cindys Geschichte durchaus eine zweite Ebene: Schließlich erzählt der Film nicht nur die Geschichte eines Popstars, sondern auch die der Sozialisation auf dem Arbeitsmarkt. Wer hineinkommt, wird geschmiedet, gebogen und getriezt. Wie gut er die Rolle als menschliches Produkt spielt, ist nicht so wichtig. Austauschbar ist jeder. Denn die Maschinerie des Marktes spuckt morgen schon den nächsten aus. Wie einen Popstar.
— „Frankfurter Rundschau“
Sympathisch gespielt und hübsch arrangiert – weit über Genre-Qualität.
— Ponkie, „Abendzeitung München“
Der Teenie-Traum, ein Pop-Star zu werden, wird hier kräftig gegen den Strich gebürstet. Das gelingt trotz unüberhörbarer kritischer Untertöne auf unterhaltsame Weise – vor allem dank wunderbar plastischer Figuren.
— „Gong“
Die Zutaten dieser Komödie: Bezaubernde Darsteller, subtiler Humor und böse Seitenhiebe auf all jene unsäglichen Retorten-Stars in den deutschen Hitparaden. (…) Wenn Cindy trainiert, dabei Rythmus und Takt vollkommen ignoriert, entspinnt sich aus ihrer Hilflosigkeit immer eine leise Komik. Und wenn sie in der kitschigen Mietwohnung in Köln-Chorweiler mit ihrer exaltierten Mutter und der süßen 1. FC Köln-fanatischen Schwester Louise vor der Glotze sitzt, betreibt „Plötzlich berühmt” Sozialstudien mit Augenzwinkern. Eine herrliche Komödie, der auch das kitschige Ende nichts an Reiz nimmt.
— „Lübecker Nachrichten“
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Ein starkes Team - Lebende Ziele
Hinter dem Täterrätsel tritt eine Gesellschaftsstudie hervor, in dem die psychoökonomische Gemengelage im Kiez aufgeschlüsselt wird. Zahnersatz und Taubendreck, verwahrlostes Hauseigentum und Ausbildungsplatzmisere sind nur einige von vielen miteinander verzahnten Faktoren dieses aufklärerischen Werks (Buch: Eva Zahn und Volker A. Zahn, Regie: Peter F. Bringmann). Seit elf Jahren läuft „Ein starkes Team“ nun schon, heute bereits die 29. Folge. Im Gegensatz zu schickeren ZDF-Samstagskrimis schlägt die Serie, die den rustikalen Charme einer Eckkneipe versprüht, in der Schultheiss ausgeschenkt wird, kaum Wellen. Die beiden Hauptakteure Maja Maranow und Florian Martens spielen ihre Rollen so, wie Stammgäste am Tresen hocken: Hier ist unser Platz, hier kriegt uns keiner weg. Doch in der Sicherheit mehr als solider Quoten hat man jetzt eben auch zu einem schlüssigen Konzept gefunden. So ist „Lebende Ziele“ zu einem Lehrstück über Solidarität und Sozialneid in Reformdeutschland geraten.
— „die tageszeitung“
Spritzige Dialoge, leise Zwischentöne, authentische Figuren.
— „Gong“
Ursprünglich als Krimikomödie entworfen, gehört „Ein starkes Team“ nun schon seit elf Jahren zum festen Ensemble des Samstagskrimis im ZDF. „Lebende Ziele“ ist bereits der 29. Fall des gemischten Doppels, das nach wie vor keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweist. Das dürfte auch an der Sparsamkeit liegen, mit der das ZDF das gerade auch bei jüngeren Zuschauern enorm beliebte Duo ermitteln lässt: Fast ein Jahr lang musste man auf einen neuen Fall warten. Natürlich war der jüngste Film bei dem Krimi-Routinier Peter F. Bringmann in besten Händen, doch hatte er auch eine gute Vorlage: Die Geschichte von Eva Zahn und Volker A. Zahn wimmelt nur so von reizvollen Figuren und kleinen Ereignissen am Rande, die mit der eigentlichen Handlung kaum etwas zu tun haben.
— „Stuttgarter Zeitung“
Begeistert mit lockeren Sprüchen und charmanten Scharmützeln.
— „TV Spielfilm“
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Ein starkes Team - Blutsbande
Der Paukboden einer Berliner Burschenschaft ist in diesem Krimi (Buch: Eva und Volker Zahn, Regie: Johannes Grieser) mehr als nur die Stätte gestriger blutiger Rituale. Das Ermittlerteam (unter anderen Maja Maranow, Florian Martens, Leonard Lansink) bekommt heraus, dass dort ein Verbindungsmitglied heimtückisch erstochen wurde. Den Autoren und dem Regisseur ist mehr gelungen, als die Klärung eines Mordfalls zu zeigen. Sie führen in der Figur des Ermittlers Otto (Martens) den proletarischen Hass eines im Ost-Berliner Viertel Marzahn Aufgewachsenen gegen reaktionäre Wessis vor. Instinktiv ergreift der Kommissar die Partei eines Hochverdächtigen aus dem Osten (Richard Kropf), der als „Leibfuchs“ von West-Burschenschaftlern geknechtet wird.
— „Der Spiegel“
Natürlich hat die Herausforderung, den 25. Jubiläumsfall zu einem besonderen zu machen, das starke Team beflügelt. Der Mord an einem Burschenschafter spült nicht nur zwischen Otto und Verena alte Berührungsängste hoch, er birgt auch ansonsten sozialen Sprengstoff genug, um Spannung und Niveau hochzuhalten. Ein raffiniertes und hoch emotionales Puzzle.
— „Gong“
Diese Folge von „Ein starkes Team“ war wie aus dem Krimi-Lehrbuch. Ein erstklassiges Thema, ein durchgängiger Spannungsbogen und tolle Schauspieler – bleibt nur die Frage, ob das „starke Team“ dieses hohe Niveau auch in den nächsten Folgen halten kann.
— „Braunschweiger Zeitung“
Kompliment! Maja Maranow und Florian Martens bewährten sich auch im 25. Fall. Dank eines geschickt polarisierenden Drehbuchs lief die Geschichte fast wie von selbst.
— „Rhein-Zeitung“, Mainz
Eine glaubwürdige Milieustudie, verpackt in einen spannenden TV-Krimi, der dem Jubiläum alle Ehre machte
— „TZ“, München
Die Autoren Eva und Volker A. Zahn erzählen aber weitaus mehr als die Aufklärungsgeschichte eines heimtückischen Mordes. Wie in einem guten Krimi, feinfühlig arrangiert von Regisseur Johannes Grieser, wird der Paukboden der Berliner Burschenschaft zum Medium für soziale Reflexionen. Hinzu kommt die durchgängig gelungene vVerbindung von Spannung und Humor.
— „Nordkurier“
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Ein starkes Team - Kinderträume
Die markante ZDF-Reihe „Ein starkes Team“ glänzte im Krimi „Kinderträume“ mit differenzierten Erfahrungen zum Thema Adoptions-Vermittlung: Otto und Verena (Florian Martens und Maja Maranow), wie immer mit kühlem Witz und schneller Berliner Frech-Schnauze, fuhrwerkten sich grimmig an allen Vorurteilen über Babyverkauf und Geschäftemacherei mit Elternwahn vorbei und entdeckten mehrere „Wahrheiten“ hinter der Wahrheit. Ein spannendes Fahnderstück für zwei originelle Kripo-Stacheltiere.
— Ponkie, „Abendzeitung München“
Ein Highlight aus der Reihe um die sympathischen Berliner Ermittler.
— „TV Today“
„Es gibt immer mindestens zwei Wahrheiten“, meint Kindervermittlerin Maria Geller in dieser Folge der Reihe. Die Autoren Eva und Volker A. Zahn sind übertrieben bemüht,diese Erkenntnis zu vermitteln. Ein gut gespielter Krimi, der zu sehr auf Moral und Freaks setzt.
— „Gong“
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Kolle - Ein Leben für Liebe und Sex
In den alten Zeiten, liebe jüngere Leser, wo in der Liebe fast nichts geholfen hat, erschien eines Tages ein „Liebeslehrer der Nation“. Der hieß Oswalt Kolle, schrieb Drehbücher, und seine Filme sahen über 50 Millionen Zuschauer. Dieser Kolle lehrte, was in jener „ längst vergangenen? “ Zeit nicht alle wussten: dass Homosexuelle nicht des Teufels sind, dass zur Liebe Zärtlichkeit gehört, dass der Mann beim Geschlechtsverkehr nicht zu schnell fertig werden soll und dass Eifersucht eigentlich lächerlich ist. Wer diese Kinoweisheiten begriff, der hätte keine Probleme mehr mit der Liebe, waren sich die Aufklärer sicher und überlieferten dieses schöne wie schlichte Märchen. Wie kann man es heute nacherzählen, ohne einerseits die historische Leistung Kolles zu unterschätzen und andererseits sich nicht über die Naivität seiner Liebesrezepte lustig zu machen? Die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn entscheiden sich in diesem überdurchschnittlichen Film für das Private. (…) Zu Recht verzichtet das Buch auf die Ausbreitung politischer Aspekte. So spannenden sind die 68er Phrasen über Sex heute nicht mehr.
— „Der Spiegel“
Der Titel versprach Schreckliches, ein Melodram oder ein Heldenepos. Doch es wurde ein schöner, leichter, witziger und politischer Film
— Henryk M. Broder, „Der Tagesspiegel“
Ein gelungener Film, ein außerordentliches Fernsehvergnügen!
— Fritz Tietz, „Tip Berlin“
Das war ein schöner, ein liebevoll ausgestatteter, ein zärtlich inszenierter, ein kurzweiliger, ein lehrreicher, ein lustiger, ein nachdenklich stimmender Film. Geht mehr?
— Torsten Körner, „Funkkorrespondenz“
Dem Autorenehepaar Zahn ist gemeinsam mit Regisseurin Susanne Zanke ein markantes Zeit- und Sittengebilde gelungen. Das Team ist nicht der Versuchung erlegen, das sicherlich illustre Leben des heute 73 Jahre alten Oswalt Kolle anekdotenhaft zu verfilmen. Vielmehr ist es ihm gelungen, Privates und Politisches dramatisch miteinander zu verbinden.
— Helga Ihlau, „Kölner Stadt-Anzeiger“
Regisseurin Susanne Zanke gelang ein prickelndes Zeitportrait aus Jahren, die uns umso ferner scheinen, je intensiver wir sie selbst noch erlebt haben, und das Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn meisterte die schwierige Aufgabe, im Ausschnitt weniger Monate die ganze Kolle-Problematik, beruflich wie privat, einzufangen, ohne platte Schulfunk-Anschaulichkeit.
— Paul Barz, „Hamburger Abendblatt“
Welche Folgen eine solche Fiktionalisierung für die visuelle Erinnerungsarbeit des Fernsehens hat, zeigt der Film über Oswalt Kolle nun in exemplarischer Deutlichkeit: Die Geschichte verformt sich. Sie muss zwangsläufig die symetrische Struktur eines Spannungsbogens annehmen. Denn eine geschlossene fiktionale Handlung braucht immer einen klar durchkomponierten Erzählstrang. Ganz offen räumen die beiden Drehbuchautoren, Eva und Volker A. Zahn, ein, „in Kolles Biografie nach Dramapotenzialen“ gesucht zu haben. Und nicht etwa in seiner journalistischen Biografie werden sie fündig, sondern in seinem Privatleben. (…) Dass hier das etwas peinliche Lachen über das ernsthafte Nachvollziehen triumphiert, ist ein Verlust. Es degradiert ein Stück bundesrepublikanischer Zeitgeschichte zum brillant inszenierten Kostümfilm. Dabei könnte das Fernsehen doch so viel mehr. Aber vielleicht will es das ja gar nicht?
— Klaudia Brunst, „die tageszeitung“
Der Fernsehfilm beschwört den Zeitgeist vergangener Jahrzehnte herauf und beschreibt gesellschaftliche Entwicklungen im Spannungsfeld von Revolte und Reaktion. Keine zeitgeschichtlich überladene Unterrichtsstunde mit dokumentarischem Anspruch, konzentriert er sich auf einen kurzen Lebensabschnitt, in dem Kolles private und politische Kämpfe, komödiantisch und beschwingt, hoch verdichtet werden. Ein sorgfältig ausgestatteter, kurzweiliger und nachdenklich stimmender Film.
— „Das Zweitausendeins Filmlexikon“
„Kolle - ein Leben für Liebe und Sex“ ist - trotz seines etwas plakativen Titels - eine gelungene, launige Studie der deutschen Gesellschaft Ende der 60er Jahre und eine Charakterisierung eines ihrer bis heute berühmten Protagonisten. Das Autoren-Team Eva und Volker Zahn, dem der echte Oswalt Kolle als Berater zur Verfügung stand, unterliegt erst gar nicht dem Versuch, ein „Biopic“ zu erstellen. Vielmehr wird in anschaulichen, zumeist authentisch nachgezeichneten Szenen ein Eindruck der sozialen und politischen Strömungen im Deutschland der späten 60er Jahre gezeichnet. Der Erzählton des von Susanne Zanke inszenierten 90-Minüters ist überwiegend heiter-ironisch, lässt jedoch in der Darstellung der Beziehungskrise des Ehepaars Kolle auch die nachdenklichen Zwischentöne nicht vermissen. Pointiert und mit überzeugenden Dialogen wird der Konflikt des Aufklärers Kolle mit den konservatitven Autoritäten dargestellt. Geschickt eingewobene Original-Ausschnitte aus Werken wie „Deine Frau - Das unbekannte Wesen“ oder „Das Wunder der Liebe“ verdeutlichen noch einmal, wie harmlos - aus heutiger Sicht - die damaligen Steine des Anstoßes wirklich waren. Bei der Darstellung der linken Studentenszene, in die sich Kolle im Zuge seiner Beziehung zu Christiane begibt, greifen die Macher des Films zeitweise arg tief in den Klischee-Topf aus Hasch-Konsum, indischer Musik und Anti-Kapitalismus, ohne damit jedoch den positiven Gesamteindruck zu schmälern.
— „Blickpunkt:Film“
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No Sex
Das Kölner Autorenpaar Eva und Volker A. Zahn beeindruckt bei seinem Komödiendebut mit pointierten Dialogen und gut getimter Situationskomik. Die Lovestory ist nicht realistisch, sie funktioniert wie das Leben: Manche Dinge geschehen eben, ob man will oder nicht.
— „Hör zu“
So gehen der impotente Liebhaber Paul (Kai Scheve) und seine Flirt-Partnerin Isabell (Nadja Uhl), die am Ende alles (auf)richten wird, in allzu aufwendiger szenischer Ausstattung unter. Dominiert einmal nicht die Teekanne – ach was ist es so gemütlich bei Dir! – gibt es gnadenlos Action, frei nach dem Motto: Ich bremse auch für Hunde.
— „Frankfurter Rundschau“
No Sex ist nicht nur der Versuch, dass alte Thema "neue Männlichkeit" in einer Mischung aus sozialpsychologischem Lehrstück und überladenem Werbeclip abzuhandeln. Gleichzeitig rumort es in diesem Film, wie’s wohl schon die Liebestrankzutaten in mittelalterlichen Hexenkesseln taten: Leistungsdruck, Arbeitslosigkeit, Existenzgründung, Viagra, Vater-Sohn-Konflikt, Herkunftsschuldgefühle, Rock’ n’ Ro1l, Drogen, Amerika, Emanzipation, Freundschaft, Verrat, Romantik und die große Liebe. Und wohl deshalb versinken die vielen intelligenten Themen samt Pointen in einer einzigen ermüdenden Reizüberflutung.
— „die tageszeitung“
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Bella Block - Auf der Jagd
Die knappen Dialoge aus dem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn sind zudem ein Genuss. Da ist kein Satz zuviel und jedes Wort an der richtigen Stelle. Hier wird dem Zuschauer nicht alles vorgekaut, sondern Raum für eigene Interpretationen gelassen.
— „Rheinpfalz“
„Auf der Jagd“ , realisiert von Markus Imboden, ist ein Film voll innerer und äußerer Spannung. Und eine Studie über die Merkwürdigkeiten des Lebens.
— „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“
Keine Hatz und schon gar kein Halali. Der Titel „Auf der Jagd“ setzt auf eine falsche Fährte. Ursprünglich sollte Bella Blocks fünfter Fall „Im dunklen Wald“ heißen. Das hatte was. Nicht nur, weil dort die grausamen Verbrechen verübt wurden, mit denen sie diesmal konfrontiert wird. Sondern, weil die unerläßliche Draufsicht auf „diesen verdammten Scheißwald“ vor den Toren Hamburgs, eingangs durch großzügige Kamerafahrten über die Baumwipfel symbolisiert, sich als trügerisch erweist. Unten, in Dorf und Gehölz, will sich das Dunkel um die Überreste eines vermissten Ehepaares nicht lichten. Im Gegenteil, nur ein paar hundert Bäume entfernt wird ein zweites Paar tot aufgefunden. Und dem kleinen Sohn der Toten hatte Frau Block recht gegeben, als der sie beschimpfte, versagt zu haben. Doch darüber zu philosophieren, dass man immer zu spät kommt, ist der Kommissarin Sache nicht; sie tut ihre Arbeit, bestimmt, knapp, fast lakonisch. Und wütend. Sie ist auf dem Holzweg, weiß es, verhaftet immer wieder einen Falschen, „weil ich den Richtigen nicht kriegen kann„, und bricht, ganz allein im Dorfgasthof, in Tränen aus. Wie Hannelore Hoger diese, ihre Bella Block erneut um Facetten bereichert, ist bewunderungswürdig: Die herb-süße Liebesgeschichte mit einem Literaturprofessor – für den Plot irrelevant, für die Figur unabdingbar – wird so beiläufig absolviert, daß dem Assistenten beim Morgenrapport fast das Marmeladenbrötchen aus dem Gesicht fällt. Die fortschreitende Emanzipation der Emanzipierten von Doris Gerckes Romanheldin lag den Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn offenbar am Herzen. Bellas bekannt knappe Dialoge und ihre Methode der simplen Gegenfrage fallen durch große Präzision auf. Die Zahns lassen den grausigen Tathergang im Wald mit Bellas Assistenten nachstellen, und die gleichzeitige Erörterung der Vorgänge verfremdet das Ungeheuer1iche – zumal in Markus Imbodens schön stiller Inszenierung.
— „die tageszeitung“
Kleine Gesten, große Wirkung: einfach stark.
— „TV Spielfilm“
Sehenswert irritierend in Szene gesetzt vom Schweizer Regisseur Markus Imboden und ein vor allem auch in den sogenannten Nebenrollen hervorragend besetzter Fernsehfilm von selten hoher Binnenspannung. Bis zum Weinkrampf treibt es die nie zuvor ihrer drohenden Ohnmacht so bewusste Kommissarin, und was, zum Auftakt des Films, bloß ein törichtes und alkohollauniges Geplänkel schien, entlarvt sich im Nachhinein als vorweggenommenes Satyrspiel eines Ehedramas, das jahrelang für Glück nahm, was insgeheim eine Tragödie war.
— „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
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Koerbers Akte - Rollenspiel
Diese Besetzung (Hans Peter Korff) war symptomatisch für die Sorgfalt, mit der in „Koerbers Akte“ die Rollen verteilt waren, es entwickelte sich eine Teamleistung, die immer mehr an Dichte gewann. Regisseur Olaf Kreinsen pflegte die alptraumartige Atmosphäre des Krimis von Eva und Volker A. Zahn.
— „Süddeutsche Zeitung“
Koerber gerät in die Fänge eines Rollen-Spiels, Marke „The Game“. Sicher – nicht so aufwendig inszeniert wie der Hollywoodknaller – nicht einmal das ZDF-Budget kann da mithalten. Dafür aber ist die Story ein bißchen hinterhältiger, fieser.
— „Die Welt“
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Koerbers Akte - Tödliches Ultimatum
Story und Subplot sind gekonnt ineinander verzahnt, die Charaktere scharf konturiert: wie aus der (bösen) Welt gegriffen. Facettenreicher Krimi, in dem ziemlich alles stimmt.
— „TV Spielfilm“
Dennoch ist es nicht nur die sympathisch angelegte Titelfigur, die „Koerbers Akte“ einhelliges Lob bei Publikum und Kritik einbrachte: Durchaus komplex konstruierte Drehbücher sowie ein herausragender Martin Lüttge trugen ihren Teil zu einem Qualitäts-Format bei, das im Schnitt fünf Millionen Krimi-Fans verfolgten.
— „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“
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Mordkommission
Spannendes Thema, interessantes Team, witzige Dialoge, verblüffendes Finale – diese neue Serie startete vielversprechend!
— „Bild“
Zwischen Lilly und Ralf kracht es oft und heftig. Das macht Spaß. Denn die beiden Cops frotzeln, streiten, eifersüchteln mit so viel Charme und Wortwitz, dass sich ihre Ermittlungen wohltuend vom sonstigen Krimi-Einerlei abheben.
— „Hör zu“
Das Kunststück haben die Drehbuchautoren Eva und Volker A. Zahn fertiggebracht. Sie verbinden durchaus spannende Krimi-Plots mit komischen Elementen, und natürlich beeinflußt die Liebesbeziehung auch schon mal die Ermittlungsarbeit.
— „Westfälische Rundschau“
Vor allem die brillant geschriebenen, oft sehr witzigen Dialoge des Pärchens machen „Die Mordkommission“ zu einem Krimispaß, der seinesgleichen sucht.
— „TV Movie“
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Friedemann Brix - Eine Schwäche für Mord
Als Autor spannender Kriminalgeschichten gerät Friedemann Brix (Harald Juhnke) bei seinen Recherchen häufig selbst in gefährliche Situationen. Das Leben als Schreibtischtäter ist ihm zu langweilig, deswegen betätigt er sich als Amateurdetektiv. Seine kriminalistische Neigungen passen seiner Frau Helga, genannt Schnurzel (Gertraud Jesserer), überhaupt nicht. Sein bester Freund Bommel (Ben Becker), ein Mechaniker und Ex-Knacki mit guten Kontakten zur Unterwelt, steht im zur Seite. Durch die altbackene und langatmige Inszenierung wurde die Serie trotz brillanter Besetzung und witziger Ideen in den Drehbüchern ein Flop.
— „Der Fernsehkrimi im Netz“, Website der Medien- und Kommunikationswissenschaften der Uni Halle
Was das ZDF seinen Zuschauern von diesem Donnerstag an als neue Serie anbietet, ist, gelinde gesagt, eine Zumutung. In einem Möchtegernkrimi, der in seiner Simplizität wirkt, als sei er mit einem Lego-Baukasten konstruiert worden. Wäre das vom ZDF nicht eindeutig ernst gemeint, könnte man wenigstens lachen, etwa über Hark Bohm, der als Berliner Russenfürst ein deutsch-russisches Gemisch mit Hamburger Akzent von sich gibt; über Ben Becker als Brix-Freund Bommel, der als Automechaniker stets blitzsaubere Finger hat und mit seiner Designer-Brille eher einem Art-Director als einem Kfz-Mechaniker gleicht; über Holzschnitt-Dialoge, in denen man Bommel tatsächlich sagen hört: 'Die Unterwelt ist kein Disneyland für gelangweilte Dichter.
— „Rheinische Post“
Alle erdenklichen Krimi-Klischees werden mit Leichtigkeit durch den Kakao gezogen.
— „Kölner Stadt-Anzeiger“
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Bistro, Bistro
„Bistro, Bistro" sollte die deutsche Adaption von „Cheers" sein. Nachdem das ZDF schon an der schlichten Übersetzung des Originals („Prost, Helmut“) gescheitert war, ließ es auch die Chance zur späten Wiedergutmachung konsequent ungenutzt und setzte trotz renommierter Autoren wie Eva und Volker A. Zahn, Karl Heinz Willschrei und Peter Bradatsch statt auf Wortwitz und Situationskomik nur auf überzeichnete Schießbudenfiguren aus der Klischeeschublade.
— Stefan Niggemeier, Das Fernsehlexikon
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